Nichtraucher

 

Hier noch ein interessanter Artikel den ich bei medizin.de gefunden habe:

02.12.2006 - Rauchen vor OP erhöht das Risiko
Nichtraucher stecken OP besser weg
 
Der Forscher Heribert Warzecha vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie der Universität Würzburg hat erstmals eine Tabakpflanze so angepasst, dass sie einen wirksamen Impfstoff gegen die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose liefert.

Er ist fast genauso effektiv wie ein in Bakterienkulturen hergestellter Impfstoff. "Bislang war es gängige Lehrmeinung, dass ausschließlich Bakterien diese ganz spezielle Veränderung eines Proteins erledigen können", sagte Warzecha Mitte Januar 2006 gegenüber dem Sender n-tv. Die Studie wurde im Fachjournal "Nature Biotechnology" veröffentlicht. Ein weiterer, neuer Impfstoff aus Tabakpflanzen verspricht Schutz vor der Pest, einem der ältesten Leiden der Menschheit. Bislang wurde der Impfstoff zwar nur an Meerschweinchen erprobt, erwies sich aber als äußerst viel versprechend. 75% der geimpften Nager überlebten eine Lungenpest, die sonst unbehandelt fast immer tödlich verläuft.

Fluch und Segen, Gift und Heilmittel liegen beim Tabak und dem darin enthaltenen Nikotin eng beieinander. Der französische Diplomat und Arzt Jean Nicot brachte Tabakpflanzen im 16. Jahrhundert von Amerika nach Europa in der Hoffnung, es würde sich bei diesen um Heilpflanzen handeln. Das nach ihm benannte Gift Nikotin ist extrem schädlich für Nerven, Haut, Lungen und den Magendarmtrakt.

Etwa 0,04 bis 0,06 Gramm reines Nikotin können für Erwachsene tödlich sein. Kinder sind schon bei 0,01 Gramm gefährdet. Der Tod erfolgt durch Atemlähmung. Tabak enthält je nach Sorte und Verarbeitung zwischen 0,05 und bis zu 8 % Nikotin. Die Folgen der Nikotinsucht sind weltweit der größte Risikofaktor für Krankheit und Tod. In Deutschland rauchen etwa 20 Millionen Menschen zwischen 18 und 59 Jahren. Mit erschreckenden Folgen: 110.000 bis 140.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Auswirkungen des Tabakkonsums – etwa 380 Personen pro Tag.

 

 

Neue Studienergebnisse belegen, das Nikotin nicht nur Herz- und Gefäßerkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen auslösen oder begünstigen kann. Tabakkonsum kann den Erfolg von Operationen vermindern. Dr. Ann M. Møller und ihre Kollegen vom Bispebjerg Universitäts Krankenhaus in Kopenhagen untersuchten in einer Studie, ob eine sechs- bis achtwöchige Tabak-Abstinenz oder zumindest die Reduktion des Zigarettenrauchens um 50% die Komplikationsrate vor einer geplanten Operation vermindert.

120 Männer und Frauen die eine Gelenkoperation vor sich hatten und durchschnittlich 15 Zigaretten am Tag rauchten wurden in die Untersuchung einbezogen Von den Patienten litten mehr als zehn Prozent an einer chronischen Herzkrankheit oder chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Um eine Kontrolle zu ermöglichen, lies man 60 Patienten wie gewohnt weiterhin rauchen, für den Rest war der Glimmstengel vor der Operation tabu. Sie nahmen an einem Anti-Raucher-Training teil und bekamen Nikotin um die Entwöhnung zu erleichtern.

Von den Rauchern hatten 52% Komplikationen, von den "Neu-Nichtrauchern" nur 18% Beachtenswert ist, dass nur 5% der Tabak-Abstinenzler Wundheilungsstörungen hatten, bei den Rauchern litten mehr als 6mal soviele daran. Kardiovaskuläre Zwischenfälle wurden bei zehn Prozent der Raucher registriert, bei den anderen gab es keine. Vermutlich profitieren die Patienten davon, dass eine Rauchabstinenz die Sauerstoffversorgung im Gewebe verbessert und die Bildung von Kollagen gesteigert wird.

Ein weiterer, in dieser Studie nicht untersuchter Faktor, ist die Tatsache, dass Rauchen die Bildung von Magensäure anregt. Wenn während der Narkoseeinleitung saurer Mageninhalt in die Atemwege gelangt, kann es zu Komplikationen kommen. Außerdem bedeutet jede Operation Stress für den Organismus des Patienten. Auch dies bewirkt eine Steigerung der Magensäurebildung und erhöht damit die Bildung von Magenschleimhautentzündungen.

 

Passivraucher ebenfalls betroffen

Auch Passivrauchen kann für Frischoperierte das Komplikationsrisiko an der Wunde steigern. Es verzögert die Wundheilung und führt auch zu einer übermäßigen Narbenbildung. Teer und Nikotin im Zigarettenrauch verringern die Beweglichkeit der Fibroblasten. Diese "heilenden" Zellen können jetzt nicht mehr ins Wundgebiet wandern und der Prozess der Wundheilung wird verzögert. Da sich dabei die Fibroblasten überwiegend an den Wundrändern ansammeln und dort aktiv sind, kommt es zu einer verstärkten Narbenbildung. An den Wundrändern werden verstärkt Wachstumsfakoren gebildet. Der Rauch, der beim Passivrauchen eingeatmet wird, enthält eine höhere Konzentration an toxischen Substanzen als derjenige, den Raucher inhalieren.

Neben Zigarettenrauch mit seinen giftigen Inhaltsstoffen beeinflussen noch zahlreiche weitere Faktoren den Wundheilungsprozess: das Alter des Patienten, sein Ernährungsstatus, seine Begleiterkrankungen und die Verweildauer im Krankenhaus. Insbesondere Diabetes verschlechtert die Heilung der Wunde erheblich.

Raucher profitieren weniger von Schönheits-OP


Die Forscher Jeffrey Krueger und Rod Rohrich von der Texas University beschreiben in einem Artikel in der Zeitschrift "Plastic and Reconstructive Surgery", dass das Rauchen erheblichen Anteil an einer negativ verlaufenden Schönheits-OP hat. Nikotin, Kohlenmonoxid und weitere Gifte im Tabakrauch verschlechtern das ästhetische Ergebnis. Bei der Studie wurden Frauen nach einer Brustrekonstruktion beobachtet. Die Raucherinnen hatten deutlich mehr Nekrosen. Ihre Zellen sterben infolge eines Sauerstoffmangels im Gewebe ab. Dies verschlechtert das optische Ergebnis der Operation deutlich.

Wenn das Herz die Zähne ausfallen lässt

Insbesondere bei Operationen im Hals-Nasen-Bereich ist Rauchen vor und nach einer Operation schädlich. Kaum ein anderer Schadstoff hat Auswirkungen von solchem Ausmaß auf das Zahnfleisch.

Für Raucher besteht ein bis zu 20fach erhöhtes Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken. Eine Studie in den USA an 13.000 Personen ergab, dass bereits eine halbe Packung Zigaretten täglich das Risiko gegenüber Nichtrauchern verdreifacht. Die Folgen sind Gefäßschäden im Mund, Entzündungen, Immunstörungen, Zahnfleischtaschenbildung, Knochenverlust und Zahnausfall. Entwarnung gibt es jedoch für die Mundflora. Rauchen verändert nicht das mikrobiologische Gleichgewicht.

Allerdings leiden Raucher häufiger unter vermehrter Plaquebildung. Außerdem ist das Zahnfleisch weniger Durchblutet und blasser. Einerseits durch die direkte, gefäßverengende Wirkung des Nikotins, andererseits indirekt durch nikotinassoziierte Herzerkrankungen. Wenn das Herz an Pumpleistung einbüßt, wird auch weniger Blut zum Zahnfleisch gepumpt.

Das Zahnfleisch wird nicht mehr optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Bei Rauchern begehen bestimmte Zellen, neutrophile Granulozyten, in der Speichelflüssigkeit quasi Selbstmord. Da die Granulozyten für die Immunabwehr notwendig sind, können sich nun Bakterien und Pilze leichter vermehren und Infektionen auslösen.

Gewichtszuname vorbeugen

Damit der Patient vor einer geplanten Operation das Rauchen aufgibt, ist eine Menge Motivation notwendig. Nervosität, Gewichtszunahme und das gerade vor dem Stress eines Krankenhausaufenthaltes? Doch der Wille lohnt sich. Zigarette weg, Kilos rauf, das muss nicht sein. In der Anfangsphase der Entwöhnung kann es zu einer Gewichtszunahme von 2 bis 4 Kilo kommen.

Wer ohne Zigaretten auskommt, senkt die Stoffwechselaktivität und isst mehr und häufiger aus Ersatzbefriedigung. Den Extra-Kilos sagt man mit zusätzlich Bewegung den Kampf an. Wenn genascht wird, dann möglichst fettfrei. Ebenfalls wichtig: viel Trinken, Flüssigkeit füllt den Magen. (Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie, medizin.de)

© medizin.de 2006
 

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