Es hat die Stadt einen großen Umfang. Die Häuser sind vorneheraus mit Giebeln gar zierlich gebaut, und man geht von den Gassen etliche Treppen in die Häuser hinauf, was die Ursache ist, dass die Gassen ziemlich eng sind. In der Langgasse, die die schönste ist, sind viele herrliche Gebäude, außen mit Farben oder Gold gemalt. Der Dom oder die Hauptkirche ist ein schönes großes Gebäude, innen sehr hoch und durchaus ganz hell, und die Orgel darinnen ist ein überaus großes Werk. Die vornehmste evangelische Kirche ist die zu St. Marien, darinnen ist eine Tafel, die an hohen Festen gezeigt wird, auf der das jüngste Gericht gar kunstvoll gemalt ist, dass kein Maler zu finden ist, der es nachmalen oder solche gleichsam lebenden Farben zurichten könnte, und es soll sie ein Schiffsmann in der See gefunden haben. Es gibt sonst noch andere Kirchen und Spitäler hier, auch drei Klöster. Auch ein feines Collegium und ein berühmtes Gymnasium sind hier. Nicht weit von dem Dom ist der Markt, der zwar nicht besonders groß ist, aber es steht das sehr prächtige und mit großen Unkosten erbaute Rathaus darauf. An dem ist ein sehr schöner Turm mit einer Uhr daran und oben hinaus mit Gängen und durchbrochen gebaut, hat eine dreifach vergoldete Krone, und es hängen viele große und kleine Glocken darin, die, bevor die Uhr schlägt, ein geistliches Lied spielen. Nächst daran ist der Junkerhof, ein ziemlich großer hochgewölbter Saal. An der Wand ist ein schönes Tafelwerk, oben an den Seiten sind viele kunstreiche und schöne Gemälde, auch schöne Hirschgeweihe, darunter eins mit zweiunddreißig Enden. Es stehen auch schöne Plastiken da und schöne Rüstungen. In der Mitte hängen kleine Schiffe mit Segeln und allem Zubehör kunstvoll gemacht. Hier pflegen die Vornehmsten der Stadt das gute Danziger Bier zu trinken. Gleich den Markt hinab ist die Waage, nahe dem Wasser. In der großen langen Vorstadt liegen viele hunderte Speicher oder Schütthäuser, die meistenteils fünf oder sechs Böden haben und gar schön von Steinen gebaut sind.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Diese Reichs- und westfälische Kreisstadt nahe Herdecke, Hörde und Lünen, an den Grenzen der Herrschaft Recklinghausen gelegen, deren monatlicher einfacher Anschlag zum Römerzug sieben zu Pferde und dreißig zu Fuß ist, ist Anno 1641 auf dem Reichstag zu Regensburg erschienen und entschuldigte sich vor diesem Reichstag mit dem niederländischen Kriegswesen, und Ihre Kaiserliche Majestät hat ihre Ausstände seit Anno 1602 bis auf 5500 Gulden nachgelassen. Zu der Stadt gehört eine besondere Grafschaft, die auf einer Seite an die Grafschaft Mark stößt; sie erkennt den römischen Kaiser unmittelbar als ihren Herren an. Sie ist auch eine Hansestadt, die vor Zeiten eigene Grafen gehabt hat. Die Stadt hat etliche Kirchen, besonders die zu St. Martin, außerdem ein Franziskaner- und ein Dominikanerkloster wie auch eine sehr stattliche Schule.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Diese
des Heiligen Römischen Reiches hochberühmte Stadt liegt zwischen dem
Frankenland, Oberhessen und dem Rhein in einem Teil der Wetterau, fast an den
fränkischen Grenzen, auf einem schönen Boden und an dem schilfreichen und
vornehmen Fluß Main, der sie in zwei ungleiche Teile teilt, von denen der
kleinere Sachsenhausen genannt wird und mit dem größeren durch eine steinerne
Brücke, die Anno 1035 zu bauen angefangen wurde, verbunden wird.
Daß Frankfurt, nachdem es lange Zeit unter der fränkischen und später unter der
königlichen deutschen Regierung gewesen ist, sehr früh eine Reichsstadt wurde,
wollen wir mit anderen gerne glauben, weil sich nichts findet, dass diese Stadt
jemals einem Bischof, Fürsten oder Grafen untertänig gewesen ist. Deshalb seit
sie auch so früh die Wahlstadt der römischen Könige geworden und später durch
Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle dazu bestimmt und bestätigt worden. Neben
dieser Hoheit, dass die römischen Kaiser hier gewählt werden sollen, hat die
Stadt auch sonst herrliche Privilegien. Eine von den ansehnlichsten und in ganz
Deutschland vornehmsten Jahrmessen oder -märkten wird hier gehalten, von denen
bei Henricus Stephanus in einem besonderen Büchlein zu lesen ist und in dem er
sie als Negotiatorum ac Mercatorum omnium Academiam preist. Zu diesen
Messen kommen jährlich im Frühling und Herbst aus fast allen christlichen
Ländern in Europa Kaufleute und handeln mit allerhand Waren, die man nur
begehrt. Es wird aber auch viel Gold und Silber aus dem Land in die Fremde
geführt, worüber schon vor längerer Zeit geklagt worden ist. Insbesondere aber
ist der Buchhandel zu loben, der zu dieser Zeit hier in der Buchgasse getrieben
wird und durch den mehr Geld ins Reich als herausgebracht wird, von dem anderen
Nutzen, den man davon hat zu schweigen.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Es
wird gemeldet, dass Sunno, des Frankenkönigs Rechimeri Urenkel,
zum Gedächtnis, dass seine Franken, als sie ihre Feinde, die Vandalos,
verfolgten, allhier über die Oder gesetzt seien, diese Stadt erbaut und sie
Trajectum Francorum genannt haben. Folgends, nachdem sie viel ausgestanden
hatten, haben Johannes I., Markgraf von Brandenburg, und sein Bruder Anno 1253
aus ihren ruderibus sie wieder aufrichten und wegen der guten Lage und
der Bequemlichkeit zum Handel erweitern, und Anno 1318 hat Markgraf Waldemar sie
befestigen lassen und mit Freiheiten begabt.
Kurfürst Ludovicus Romanus hat sie Anno 1351 mit mehreren Freiheitsrechten und
Privilegien, den Zoll und anderes betreffend, geziert. Und 1379 hat Markgraf
Sigismund den Bürgern vollkommende Freiheit gegeben, Gewerbe zu treiben, als sie
sich in den hansischen Bund begeben hatte. Dazu ist folgende die hohe Schule
gekommen, die Kurfürst Joachimus I. und sein Bruder Albertus, Erzbischof zu
Mainz und später zu Magdeburg, Anno 1506 eingeführt und die professores
aus der hohen Schule zu Leipzig dahin gefordert haben.
Die Stadt hat feine weite Gassen und einen hübschen Markt und auch wohlerbaute
Häuser vor dem Krieg gehabt. Sie hält drei Jahrmärkte. Die Kartause vor der
Stadt ist Anno 1396 fundiert worden. Die Pfarrkirche und die St. Nikolauskirche
samt dem Rathaus sind besonders zu besehen. Gleich an der Stadt sind die
Weinberge und bei deren einem ein Brunnen, der der Poetenbrunnen genannt wird,
von dem man sagt, dass das Holz, das man hineinwirft, zu Stein werde.
Anno 1631 hat der König von Schweden diese Stadt mit Gewalt erobert, 1633 hat
sie der kaiserliche Generalissimus Friedland eingenommen, war darauf von den
Kurbrandenburgischen wieder erobert, 1636 bemächtigte sich der schwedische
Feldmarschall Wrangel der Stadt, wurde aber Anno 1639 von ihm wieder verlassen,
weswegen sich die Brandenburgischen dorthin begaben, die aber Anno 1640 daraus
geholt und die Stadt wieder mit vierhundert Mann Schwedischen besetzt wurde.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Vom Ursprung dieser Stadt und wann sie erbaut wurde, kann man zwar keine eigentliche Nachricht geben, es wird aber insgeheim dafür gehalten, dass sie von den Goten ihren Anfang und Namen erlangte. Soviel die deutschen Kaiser angeht, findet sich, dass Kaiser Fridericus Barbarosa in einem mit seiner Hand geschriebenen Briefe Göttingen Gutding genannt habe. Dass auch Göttingen ein uralter und zu Zeiten Henrici I. schon ein Ort gewesen, erscheint daher, dass von fast allen Städten in Saxonia gute Nachrichten vorhanden sind, wie alt sie sind, von wem und wann sie gebaut oder zu Städten gemacht wurden, allein von der Stadt Göttingen Anfang und Ursprung kann man bei keinem Skribenten rechten Grund finden. Kaiser Lotharius hat in der Stadt ein Schloß gehabt und hofgehalten; zu dieser Zeit ist sie zu merklichem Aufschwung gekommen, noch mehr befestigt und nach und nach erweitert worden. Herzog Heinrich der Löwe, der auch Herr dieser Stadt gewesen ist, hat alle Privilegia, die sie zuvor von seinem Herren Großvater, Kaiser Lothario, erlangte, konfirmiert und erneuert. Was Nahrung, Handel und Wandel dieser Stadt betrifft, findet man gute Nachricht, dass vor drei- und vierhundert Jahren dort Stapelplatz und Niederlage der von Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Nürnberg, Frankfurt hergeführten Waren gewesen sind und sie eine vornehme Handelsstadt war, wo große Märkte, sonderlich der Freimarkt in der Fastnacht, gehalten wurden, welche von Kaufleuten und Krämern gar häufig besucht worden sind.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Die
Stadt ist eine unter den vornehmster des Fürstentums Carlenberg, liegt an der
Leine, in der Ebene, hat schöne Auen und lustiges Gehölz, die Eilenriede
genannt. Sie ist mit hohen, starken Mauern, Wällen und Bollwerken, auch mit
einem tiefen Wassergraben wohlbewehrt und hat an der inneren Mauer zum Schutz
der Stadt ringsum sechsunddreißig Türme. Insgleichen hat sie seit undenklichen
Jahren eine berühmte vornehme Schule gehabt, in der viele herrliche ingenia
sowohl latina et graeca lingua als artibus liberalibus
wohlinformiert Armen- und Waisenhaus, Hospitalia studia glücklich
continuieren und Kurfürsten, Herren, Kommunen und Städten mit großem Nutzen
und Ruhm dienen konnte. Es sind unter der Bürgerschaft verschiedene vornehme
alte Patricii und Geschlechter, auch viele gelehrte, verständige Bürger,
die der Tugend und Ehrbarkeit jederzeit löblich nachgestrebt, auch dergleichen
sich noch befleißigen.
Die Stadt hat drei schöne gewölbte Pfarrkirchen, drei Stadttore, drei hohe Türme
wie auch verschiedene Mahl- und andere Mühlen. Sie ist mit schönen, herrlichen
Gebäuden geziert und wird auch täglich damit vermehrt, hat verschiedene
Armenhäuser, ein Armen und Waisenhaus, Hospitalia in und außerhalb der
Stadt, auch ist in der Stadt eine stattliche Wasserkunst. Da treibt ein großes
Rad an der Leine sechzehn Stampfen, wodurch das Wasser etliche Ellen in die Höhe
gezogen wird, danach durch einen kupfernen Kanal herunterfällt und unter der
Erde bis zum Markt geleitet wird, wo es in kunstvoll gehauenen steinernen Röhren
in die Höhe steigt und vermittelst sechzehn Röhren durch die ganze Stadt geführt
wird.
Die Landesfürsten haben diese ihre Stadt und Bürgerschaft mit ansehnlichen
Privilegiis und anderen herrlichen Wohltaten begabt.
Es werden jährlich vier stattliche Jahrmärkte daselbst gehalten, zu denen viele
Fremde, nicht allein aus Deutschland, sondern auch aus anderen Ländern, sich
häufig einfinden.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Confluentia oder Confluentes, eine alte, schöne, wohlerbaute und volkreiche Stadt, besonders vor dem deutschen Krieg, die den Namen von dem Zusammenfluß hat, weil da der berühmte Fluß Mosel in den Rhein kommt. Sie liegt gar lustig auf einem fruchtbaren Boden, und es gibt auf den Bergen und Hügeln daherum guten Wein. Die Bürger sind freundlich, höflich und aufrichtig. Es gibt ein feines Gewerbe hier, weil die Stadt an den beiden Hauptflüssen liegt, dreizehn Meilen unter Trier und recht in der Mitte zwischen Mainz und Köln. An der Mosel ist sie besonders wohlbewohnt und mit schönen wohlgezierten Häusern ansehnlich erbaut. Die Stadt hat zwei Stiftskirchen, etliche Klöster, ein Deutsches Haus, ein ansehnliches, fürstliches Palatium, die Wohnung für den Erzbischof von Trier, wenn ihre Kurfürstlichen Gnaden sich bisweilen hier aufhält, und eine ansehnliche Brücke über die Mosel, die von Quadersteinen erbaut und gewölbt ist. Gegenüber auf der rechten Seite des Rheins, zuhöchst auf dem Berg, liegt das feste Schloß Ehrenbreitstein, das man allgemein nach dem Bischof Hermanno, der es erweitert hat, Hermannstein nennt und auf dem noch etliche Stücke von des Franz von Sickingen Kriegsausrüstung zu sehen sein sollen.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Diese weitberühmte erzbischöfliche und Hansestadt ist sehr alt, und man meint, der rote runde Turm dort soll noch von einer römischen Burg übrig sein. Kaiser Karl der Große soll den dortigen Venustempel zerstört und das Geld und den Schatz zur Erbauung der St. Stephanskirche angewendet haben. Die Kirche aber, samt Magdeburg, ist Anno 782 von den Wenden und Hunnen zerstört worden. Kaiser Otto I. Gemahlin Editha Hat 940 Magdeburg zu einer Stadt erbauen und der Kaiser selbst auch die Mauern um die Stadt ziehen lassen. Im Landrecht steht, dass dies die älteste Stadt Sachsens und der anderen Städte Haupt und ein Herr des sächsischen Rechtes sei. Ums Jahr 936 hat Kaiser Otto das herrliche Benediktinerkloster gestiftet an der Stätte, da jetzt der Dom ist. Zur Zeit der Aufrichtung des Bistums ist es auf die Höhe verlegt worden und wird das Kloster zum Berge geheißen. Der Dom, zu St. Moritz und St. Katharinen, ist nicht der erste von Kaiser Otto erbaute, sondern erst nach dem großen Brande von 1208 erbaut worden. Der erste, in dem Kaiser Otto und seine Gemahlin Editha begraben waren, wurde abgebrochen und ihre Gebeine in dem neuen Dom hinter dem Chor und Hochaltar begraben und ihm zu Ehren eine besondere Kapelle aufgerichtet, wo sein und seiner Gemahlin Bildnis in Stein gehauen stehen. Die Stadt hat nach dem Tod des Kaisers ein steinernes Bildnis auf dem Markt errichten lassen: auf einem steinernen Pfeiler, in einem artig durchsichtigen Gehäuse, reitet Kaiser Otto auf einem weißen Pferd. Anno 1022 hat Erzbischof Gero zu Magdeburg die Stadtmauer ausgebaut. Was das Erzbistum anlangt, so schreibt Johannes Piderius, dass Kaiser Karl der Große das alte Stift Schieder an der Emmer erbaute, und als die Sachsen dieses Stift eingeäschert haben, so habe es der Kaiser zum zweiten Male erbaut. Und dieses Stift sei hernach von Kaiser Henrico I. nach Fallersleben und Frohse und folgendes von Kaiser Otto I. nach Magdeburg transferiert worden.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Dies
ist die Hauptsstadt des hochlöblichen Erzbistums und Kurfürstentums Mainz, das
von den Alten
Moguntia genannt, heute aber insgeheim deutsch
Mainz genannt wird. Woher aber der Name kommt, sind die Gelehrten nicht einer
Meinung. Diese Stadt ist sehr lang und schmal, denn auf der Seite gegen
Frankreich zu hat sie einen etwas erhöhten Berg, auf der anderen aber, da sie
gegen Deutschland sieht, den Rhein. Zum Fluß zu ist sie mit stattlichen Kirchen
und Gebäuden geziert, gegen den Berg aber hat sie Weingärten und dergleichen. Es
sind dort enge Gassen außer zweien oder dreien, die etwas weiter sind, und
heutigen Tages hat sie zehn Tore. Seit alters her ist Mainz eine freie und
kaiserliche Stadt gewesen, die aber Anno 1462 durch den Einfall ihres
Erzbischofs mit Gewalt eingenommen wurde. Die Bürger wurden zum Teil umgebracht,
zum Teil ins Elend verjagt, das alte Regiment wurde abgetan und diese Stadt ganz
dem Kurfürsten untertan gemacht. Damit sie von ihm besser im Zaum gehalten
werden möchte, ist nicht lange danach ein festes Schloß von ihm erbaut worden.
es sind hier viele alte Sachen, darunter das sehr große Gebäude, das an der
festen Schanze steht, worinnen das Jakobskloster ist, zu sehen, das wegen der
Form Eichelstein genannt wird und zu Ehren des Drusi aufgerichtet sein
soll. Bei dem Bau der Schanze hat man unter der Erde etliche Antiquitäten, wie
Säulen mit Bildern und Schriften, gefunden. Man findet bisweilen auch allerlei
alte Münzen in den Äckern und Weinbergen und am Rheingestade und auch in dem
Flecken Kastell, wo der Main in den Rhein kommt und wo Kaiser Trajanus
ein Kastell erbaut hat.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Es liegt die weitberühmte des Heiligen Römischen Reiches Stadt Nürnberg im fränkischen Kreis an der Pegnitz, auf einem sandigen, gar harten Boden, da weder Weinwuchs noch Schiffahrt ist, die auch nicht eben, sondern auf etlichen Berglein erbaut ist, deren Hand jedoch durch alle Lande geht. Unter Kaiser Otone I. soll Anno 938 die erste Reichsversammlung zu Nürnberg gehalten worden sein. Unter diesem wie auch unter den beiden folgenden Kaisern hat sie sehr zugenommen. Kaiser Heinrich II. hat sich zu Nürnberg besonders oft aufgehalten und viele wichtige Reichssachen dort entscheiden lassen. Zu den Zeiten Karls IV. ist Nürnberg gewaltig erweitert und mit neuen Mauern umgeben und im folgenden, wie jetzt zu sehen, mit doppelten, starken Mauern, weiten und tiefen Gräben, mächtigen Türmen, stattlichen Brustwehren, Basteien und dergleichen befestigt worden. Es ist eine große Menge Volks zu Nürnberg. Und die Stadt ist in zwei Pfarreien St. Sebald und St. Lorenz und in acht Viertel und unter 132 Hauptleute abgeteilt. Man schreibt, dass entweder Kaiser Friedrich IV. oder Kaiser Ferdinand I. einen Ratsherrn Herrn Antonium Tucher gefragt haben soll, welcher Gestalt sie eine so große Menge Volkes regieren könnten. Darauf der Ratsherr geantwortet hat: mit guten Worten und schweren Strafen. Die Kaufleute, die seit dem Jahr 1300, als sie zuerst mit fremden Ländern zu Handel angefangen haben sollen, haben dort vor diesem Krieg sehr zugenommen, und es ist deren brancho nach der Venedischen gerichtet. Die Nürnberger Waren werden nicht allein nach ganz Europam, sondern gar in beide Indien ausgeführt. Die Stadt hat auch des Heiligen Römischen Reiches Kleinodien in Verwahrung, die sie zur Kaiserkrönung zu schicken pflegt, als da sind: die königliche Krone, Kaiser Caroli Magni Dalmatinischer Rock, Choralkappe, der Mantel oder der kaiserliche Wappenrock; auch der Reichsapfel, den bei der Krönung Kurpfalz oder Bayern, Kaiser Caroli Magni Schwert, das Kursachsen und das goldene Zepter, das Brandenburg zu tragen pflegt.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Diese
württembergische Stadt und hohe Schule liegt am Neckar, über den hier eine
steinerne Brücke geht. Dieser Ort hat früher eigene Grafen gehabt, die sich auch
nach dem Verkauf der Stadt noch von Tübingen schrieben und vor wenigen Jahren
meistenteils zu Lichtenberg im Elsaß hofgehalten haben. Die Stadt hat jetzt fünf
Tore, und sie liegt gar uneben und ungleich. An dem oberen Teil, wo die
Kollegien der hohen Schule sind und der gegen Süden sieht, läuft der Neckar an
der Mauer entlang. Zur Rechten und zur Linken hat Tübingen Berge, und der zur
Rechten, also der gegen Osten liegt, wird der Osterberg oder Anatolicum genannt,
der sich fast bis zum Flecken Lustnau erstreckt und Weinberge, Wiesen, Gärten,
Äcker, Steinbrüche und Brunnen hat, auch werden Hasen auf ihm gefangen. Von dem
anderen Berg, auf dem das fürstliche Schloß Hohentübingen steht und der nach
Westen liegt, der Kautzenbühel genannt, der andere Teil aber, der nach Süden
sieht und unter dem der Neckar fließt, hat sehr viele Weingärten, von denen der
Teil, der dem Schloß am nächsten ist, die Pfalzhalde genannt wird.
Die Hauptkirche zu St. Georg ist ein Stift. Im Chor dieser Kirche liegen die
fürstlichen Personen von Eberhard, dem ersten Herzog von Württemberg, an bis zu
Herzog Ludwig. Neben dieser schönen Kirche sind die Häuser der Universität und
verschiedene Kollegien, auch die ansehnliche und reiche Bibliothek. Das
Auditorium Theologicum wird Aula Nova genannt. Die Consistorial- oder Ratsstuben
in dem Universitätshaus, das nach dem Brand wieder schön erbaut worden ist, sind
wohl zu sehen, auf dessen Wände sind die Bildnisse der Professoren gemalt. Wo
früher das Augustinerkloster gewesen ist, sind jetzt die fürstlichen
Stipendiaten.
Es ist auch in dieser Gegend die Bursa oder ein allgemeines Kosthaus.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien),
Diese
in den oberen Deutschland gelegene, weitberühmte Reichsstadt weicht an Alter und
herrlichen Taten nicht leicht einer anderen deutschen Stadt. Die Stadt liegt auf
einem sehr lustigen und fruchtbaren Boden in der Ebene und ein wenig vom Rhein
ab. Sie hat an Getreide, Wein, Wildbret, Fischen und anderem einen großen
Vorrat, sie hat auch herrliche Früchte und Lustbarkeiten, wie der Poet Guntherus
Ligurini schreibt, als er von Kaiser Friedrich I. berichtet, der an diesem ganz
bequemen Ort seinen Geburtstag hielt.
Von den Kirchen hier ist besonders der Dom oder die bischöfliche Hauptkirche zu
sehen, die gleichwohl gegenüber anderen Kirchen dieser Art schlecht ist. Man
meint, dass der Dom erst 1111 auf dem Reichstag, den Kaiser Heinrich V. hier
gehalten hat, zu Ehre der Heiligen Dreifaltigkeit, Maria und Petrus aufgerichtet
und von dem Trierer Erzbischof geweiht worden sei, obwohl das Bistum bereits
schone lange bestand.
In dieser Stadt haben sich viele Sachen zugetragen. Man meint, dass kein Ort zu
finden sei, in dem vor Zeiten mehr Reichstage, Konzile, Synoden, Kolloquien in
Religionssachen, Hochzeiten und dergleichen und so häufig Zusammenkünfte
gehalten worden wären, ehe diese Stadt durch innere Empörung, durch Krieg mit
den Bischöfen (durch die nicht nur die Stadt, sondern auch das Bistum in Armut
geraten sind), durch Brand und anderen Unfällen merklich an Ansehen abgenommen
hat und je länger, desto mehr auch in diesem Deutschen Krieg noch abnimmt; dass
also, wer die vorige Hoheit dieser Stadt betrachtet, bekennen muß, dass sich
Worms nicht mehr gleichsehe. Auch der Gau hat eine ganz andere gestalt während
des jetzigen Krieges bekommen wie vorher, als mehr als zweihundert Städte,
Flecken und Dörfer, die daherum gelegen waren, täglich zum Markt nach Worms
gingen.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Die
Alten haben diese am Main schöngelegene und berühmte Stadt Würzburg Beda
Wirceburg, Wirtziburgum, die meisten Herbipolis genannt. Was
dem Erbauer angelangt, so hat man davon nichts Gewisses, als dass man dafürhält,
das Schloß habe längst vor der Stadt gestanden, weil in der Vita des St.
Burchardi dieses Alt-Wirceberg genannt wird.
Die Stadt Würzburg liegt in der Ebene mit fruchtbaren Hügeln, schönen Gärten,
lustigen Auen und stattlichen Weinwuchs umgeben. Man hält insgemein dreierlei
Weinwuchs am Rhein und am Main ( über welchen hier eine steinerne Brücke geht)
für die besten, nämlich Bacharach am Rhein, Klingenberg am Main und Würzburg am
Stein, welches ein besonderer Ort ist, allda der beste Wein um Würzburg wächst.
Vor dem jetzigen Deutschen Krieg ist die Stadt gar volkreich gewesen, weil die
Luft da gar gut sein soll und die Hofhaltung wie auch die hohe Schule das
Einkommen der Einwohner mehrt. Der Bischof ist hier Herr im Geistlichen und im
Weltlichen, gleichwohl hat die Stadt ihren Magistrat, und es werden verschiedene
Gerichte hier gezählt. Von den Kirchen ist insonderheit zu sehen: der Dom oder
die bischöfliche Kirche, in der die Bischöfe ihre Begräbnisse haben, wiewohl das
Eingeweide in der Schloßkirche und das Herz in dem Kloster Ebrach in einer
hierzu verordneten Kapelle begraben werden. Und es gibt viele andere Klöster,
Kirchen, Spitäler und Gotteshäuser mehr. Bei der hohen Schule oder Universität
ist auch eine eigene, mit großer Kunst erbaute Kirche. Diese hohe Schule ist
zuerst Anno 1403 eingeführt worden.
Außerhalb der Stadt liegt das ansehnliche und feste bischöfliche Schloß auf
einem Berg, auf einem hohen Felsen, das mit starken Rondelen, Schanzen, Lauf-
und anderen Gräben über die Maßen kunstvoll und wohlversehen und aufs
herrlichste gebaut ist.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)