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Aachen (1674)
Von den Franzosen
Aix oder Aix la Chapelle und von den Niederländern Aken
genannt, soll die Stadt seit den Zeiten Kaiser Karls diesen Namen, und zwar von
Grano, Kaiser Neronis Bruder, haben, dessen die römischen
Geschichtsschreiber aber nicht gedenken. Es sei aber dieser Granus gewesen, wer
er wolle, er hat hier Bäder, die noch heutigen Tages berühmt sind, zuerst
gefunden, Kaiser Karl aber hat sie wieder hervor gebracht.
Die Stadt ist jetzt mit zwei Gräben und zwei Mauern umgeben, also eine runde,
doppelte Stadt, deren innere von Kaiser Karl und die äußere von dem ehrbaren Rat
und der Gemeinde erbaut worden ist. Die innere Stadt kann einer kaum in
dreiviertel und die äußere in anderthalb Stunden umgehen. Die innere hat zehn
Pforten, die äußere elf, aber es werden nur zehn geöffnet. Es sind da zwei
Stiftskirchen, Unserer-Lieben-Frauen-Münster und St. Adalbrecht, vier
Pfarrkirchen, neun Männerklöster, unter die auch die Jesuiten und Kapuziner
gerechnet werden, sechs Frauenklöster, zwei Hospitäler, vier Kapellen, zwei
Beginenhöfe und eine Gemeinde-Taufe. Das Rathaus ist über die Maßen schön, groß
und kostbar erbaut, und auf dem Markt steht ein gar schöner Brunnen. Die warmen
Bäder sind gegen mehrerlei Krankheiten nützlich. Man macht hier gute Pistolen
und gute Tuchfarben, und es besteht der größte Handel an Kupfer und Wolle. Der
Stadt wird der Titel des Königlichen Stuhles und des Heiligen Römischen Reiches
gegeben, da allgemein vor diesem Krieg die römischen Könige und Kaiser hier
gekrönt worden sind, deren letzter Kaiser Karl V. gewesen ist.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Augsburg (1729)
Die
Stadt bekam von Kaiser Augustus den Namen Augusta vindelicum, das heißt
der Vindelicier, oder Vindelicorum, eines illyrischen Volkes, das
vom Ursprung der Donau bis nach Passau gewohnt hat. Sie liegt auf einem lustigen
Hügel, hat eine freie, heilsame Luft, der Boden herum ist gar eben und fruchtbar
an allerhand Früchten, jedoch ohne Weinwuchs. Was die Gebäude anbelangt, so ist
die bischöfliche Hauptkirche zu Unserer Frau zu sehen, ein stattlicher Bau, den
der Bischof Zymprecht angefangen und auf St. Michaelis Abend eingeweiht hat,
wodurch auch der Jahrmarkt zu Augsburg ein größeres Ansehen bekommen hat. Die
St. Ulrichskirche ist auch schön, hat einen von Mamor gemachten Chor, schöne
Kapellen, das Grab Christi soll nach dem zu Jerusalem gemacht worden sein. Der
Turm der Kirche wird für den höchsten in der Stadt gehalten, da er mehr denn
vierhundert Stufen hat.
Von anderen und weltlichen Gebäuden ist besonders das gewaltige Rathaus zu
besichtigen, das man Anno 1616 zu bauen angefangen hat. Und bei diesem Rathaus
steht der kunstvolle Perlachturm, der bei dreihundert Stufen hoch ist und von
dem man die Stadt wohl besichtigen kann. Gegenüber dem neuen ist das alte
Rathaus, jetzt Bürger- oder Geschlechterstube genannt. Dort ist auch der schöne
springende Brunnen, auf welchem Kaiser Augustus neben anderen Bildern von Metall
steht. Sonst sind noch zwei stattliche Brunnen hier, auf dem Weinmarkt und vor
dem Korn- und Weberhaus, das wohlerbaut ist, weil die Weberzunft die größte hier
in der Stadt sein soll.
Vor dem Jakobstor und inmitten der Vorstadt ist die
Fuggerei, die daher ihren
Namen hat, weil die Brüder Ulrich, Georg und Jacob Fugger hundertundsechs neue
Häuser zum Besten von hausarmen Leuten, die Bürger sind, gebaut haben und die
gleich einem besonderen Städtlein umschlossen sind.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Bonn ist die Residenzstadt des Herrn Kurfürsten zu Köln; eine schöne, lustige und wohlerbaute Stadt, in der die Hauptkirche samt den kurfürstlichen Schloß besonders zu besichtigen sind. Es gibt um die Stadt ein schönes Getreideland, schöne Gärten, allerlei Früchte und einen guten Wein, weshalb auch der Name soviel als ein guter Sitz, ein gutes Lager oder eine gute Wohnung bedeutet. Der römische Feldherr Drusus unter Kaiser Augusto hat dort ein Kastell erbaut, aus dem im folgenden eine Stadt geworden ist, die Kaiser Julianus befestigt hat. Die Stadt hat einen schönen Markt und einen herrlichen Brunnen. In der Hauptkirche, die ein Stift und ihre Domherren hat, sind die Körper etlicher heiliger Märtyrer der Thebäischen Legion, die als christliche Soldaten unter Kaiser Maximino hier ertappt und getötet worden sind, weshalb auch diese Kirche stattliche Freiheiten hat.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Dies
ist die Hauptstadt nicht allein in dem Herzogtum dieses Namens, das Anno 1335 an
die Königlich Böhmsche Kammer gefallen ist, sondern auch des ganzen Landes
Schlesien, von der man 12 Meilen nach Glatz und 33 nach Prag rechnet. Sie liegt
an der Ohle und an der Oder, die dort unterhalb der Stadt zusammenfließen, in
einem schönen und ebenen Land, so dass ihr von keinem Berg Schaden zugefügt
werden kann. Sie wird unter die festesten und schönsten Städte in Deutschland
gezählt und der Weite und Größe nach ungefähr mit Augsburg verglichen. Sie hat
ringsherum, außerhalb der neuen Basteien, eine altfränkische gerade Stadtmauer,
mit vielen alten Türmen dazwischen, alle von gebackenen Steinen erbaut, und ist
an der dritten Seite mit einem ziemlich weiten Wassergraben umfangen. An der
vierten Seite, gegen Mitternacht, fließt die Oder hart an der Stadt entlang, die
den Dom und was dabei liegt und die Stadt voneinander scheidet.
Diese Stadt wird auch wegen der guten Bestellung der Kirchen und Schulen
besonders gerühmt. Auch haben die Weibspersonen allda wegen ihrer Schönheit und
Tugenden und dass sie wohl kochen können, ein herrliches Lob.
Es sind hier vornehmlich zu sehen: die bischöfliche oder Hauptkirche zu St.
Johann in der Insel, außerhalb der Stadt und über die Oder, dabei ist eine
Schule. Es ist diese ein sehr herrlicher, prächtiger und fester Bau, den die
Römisch-Katholischen innehaben. Sie ist mit zwei hohen schönen Türmen, die oben
durchsichtig sind, geziert und mit einem kupfernen Dach wohlverwahrt, und der
Chor ist vom Domherren Bernhard Edern wunderschön erneuert worden, die Kapellen
daran sind mit trefflich zugerichteten Altären und Gemälden versehen. Es ist
auch bei dieser Kirche eine gewaltige, große und vortreffliche Bibliothek
vorhanden.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Düsseldorf
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Dies ist die Hauptstadt des Herzogtums Berg und Residenz des Herrn Pfalzgrafen Wolf Wilhelm von Neuburg am Rhein, zwischen Neuß und Kaiserwerth, nahe Gerresheim und Rattingen gelegen. Sie hat ihren Namen von der Dusel, einem schönen rauschenden Bach, der dadurch läuft und, nachdem er den Burggraben gefüllt hat, in den Rhein fällt. Die schöne lustige und fürstliche Burg liegt hart am Rhein. In der Kollegiatkirche liegt Herzog Wilhelm von Jülich begraben. Es gibt dort auch ein Kreuzbrüderkloster, aus dem Anno 1643 Johann Christianus Hopsius ausgetreten ist und zu Neuß in die Haupt- oder freiadlige-weltliche Stiftskirche, bei St. Quirin genannt, revocierte, damals hatten die Hessischen dieses Neuß inne. Außerdem sind hier ein Jesuitenkolleg und ein Kapuzinerkloster. Am 31. Juli 1634 hat das Wetter in einen Pulverturm eingeschlagen, wodurch großer Schaden an Häusern und im Kastell geschehen ist, an die hundert Menschen umgekommen sind und vieles beschädigt worden ist.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Diese
Stadt samt ihrem Kloster, dem Kanonischen Stift und Ländlein, liegt in
Westfalen, im Herzogtum Berg und unter dem Schutz derselben Herzöge, sonst aber
gehört die Frau Äbtissin als eigener Stand zum Reich, wie auch Anno 1641 Frau
Maria Clara, Äbtissin des kaiserlichen frei-weltlichen Stiftes Essen und Meteln,
auf dem Reichstag zu Regensburg durch Gesandte erschienen ist. Man pflegt nur
Fürstinnen, Gräfinnen und Freiinnen in dieses Kloster aufzunehmen, die sich aber
verheiraten mögen.
Die Einwohner der Stadt treiben Handel mit fremden Orten, teils mit Webereien
und Gespinsten, teils mit Schmiedewerken. Es soll nicht bald ein anderer Ort zu
finden sein, wo man mehr Büchsen macht als hier. Die Stadt hat Brunnen genug,
und das Land da herum gibt allenthalben die schwarzen Steinkohlen, besonders
aber bei Steele, das an der Ruhr liegt. Auch trägt der umliegende Boden köstlich
gutes Getreide und Weizen, woher das schöne weiße Brot kommt, das man so
hochhält.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Freiburg
im Breisgau ist ein herrliches Dorf gewesen, das von vielen Bergleuten und
Erzknappen aus dieser Gegend erbaut worden ist. Denn eine Meile Weges von
Breisach ist vor Zeiten ein gutes Bergwerk gewesen, dessen Einkommen zur
Erbauung dieses Ortes und auch dessen Klöster und Kirchen meistenteils geholfen
hat. Die Bürger wurden so reich, dass sie sich adeln ließen, und viele vom Adel
haben sich zu ihnen begeben, daher kam es auch, dass für lange Zeit es so
gehalten wurde, dass immer zwölf Ritter in den Rat gingen. Diese Stadt ist wegen
vier Dingen besonders berühmt: erstlich wegen der Gotteshäuser, unter denen das
herrliche Münster oder die Hauptkirche ist, die einen prächtigen Turm hat, der
mit besonderer Kunst von Grund auf bis an den höchsten Gipfel mit eitel
Quadersteinen und gebildeten Steinen erbaut und geziert ist; desgleichen man den
Turm von Straßburg in Deutschland nicht finden möge. Diese Kirche ist auch durch
das Grab Christi und dem Ölberg davor, außerdem durch das schöne große Portal,
die beiden Orgeln und die schönen Altäre wie auch die feinen Kapellen sehr
zierlich und ansehnlich.
Zum anderen ist die Stadt berühmt wegen der hohen Schule oder Universität, die
Herzog Albert von Österreich Anno 1450 gegründet hat. Der dritte Ruhm der Stadt
( die der Eingang in den Schwarzwald ist und wo es auch ein feines Rat- und
Kaufhaus gibt ) ist wegen der herrlichen, durch die ganze Stadt laufenden
Wässerlein oder Bächlein von frischem Brunnenwasser, die im Winter nicht
zufrieren. Zum vierten gibt es dort eine besondere Polierkunst für allerlei
Steine und Poliermühlen für Kristall, Granat, Jaspis, Korallen und andere edle
Gesteine.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Diese in Sachsen und im Erzbistum Magdeburg an der Saale gelegene Stadt hat den Namen von dem Salzbrunnen und dem Salz, deren Vortrefflichkeit, als sie den benachbarten Völkern kundbar geworden, verursacht hat, dass sie denselben nicht anders als Goldgruben stark nachgesetzt haben. Karl der Große hat Anno 806 Halle der Grafschaft Wettin zugeeignet. Aber Otto I. hat den Ort dem Bistum Magdeburg gegeben, und dessen Sohn hat dort eine Freistadt zu bauen angefangen. -Die Stadt ist wohlerbaut und hat schöne Gassen und wohlgebildete Weibspersonen. Die hochdeutsche Sprache wird hier schon besonders gut gesprochen, dass einige meinen, sie sei da zierlich als zu Leipzig. Der Schöffenstuhl dieses Ortes ist vor Zeiten besonders berühmt und der nächste nach dem von Magdeburg gewesen, bei dem die Polen, Böhmen. Märker, Lausitzer und andere ihr Recht haben holen müssen. Von den Heiligtümern und dem Kirchenschatz der Stiftskirche zu St. Moritz und St. Maria Magdalena ist ein besonderes Verzeichnis 1520 in Halle und 1617 in Wittenberg gedruckt worden. In der Pfarrkirche St. Marien am Markt ist ein schöner Altar mit sechs Flügeln, auf dem schöne Gemälde sind, die Lucas Cranach, der berühmte Maler, gemacht hat, zu sehen. In dem Barfüßlerkloster ist die berühmte Lateinschule und in dem Neuen Gebäude die Stadtbibliothek. Das erzbischöfliche Residenzschloß oder die Moritzburg ist ziemlich fest und an der Saale gelegen, es hat vier starke Türme an den Ecken, die von Quadersteinen erbaut sind, dabei liegen die alte Domkirche und der Neue Markt. Sonst sind in Halle zu sehen: das Rathaus, die Bürger- oder Salzjunkerstuben am Markt, das Hochzeitshaus, der Rote Turm, die Wasserkunst, das Kornhaus, die Brettermühle, die kleine Pfingstwiese und die Salpeterhütten.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Dies ist die Hauptsstadt des unteren Fürstentums Hessen und eine fürstlich-landgräfliche Residenz und Landesregierung, der höchste Schmuck und die Zierde des Landes, sowohl der Kaufmannschaft wegen als der schönen fürstlichen Paläste und der bürgerlichen Wohnungen halber. Sie liegt in einer lustigen Au und hat neben der schiffreichen Fulda, die neben dem Schloß durch die Stadt läuft, noch andere kleine Wasser. Anno 1523 hat Landgraf Philipp um das Schloß und 1526 um die Stadt einen Wall führen lassen. Es sind hier vor allem zu besichtigen: von den Kirchen der Dom zu St. Martin auf der Freiheit, der Anno 1364 zu bauen angefangen wurde, dann die Altstädter Pfarrkirche, die man 1326 abgebrochen und wieder erbaut und erweitert hat. Es gab vor diesem Krieg auch etliche Klöster hier, an deren Stelle eine Fürstenschule, das Collegium Adolphinum, aufgerichtet wurde.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Königsberg ist nicht in der Größe erbaut, wie es jetzt ist, sondern zuerst ist die Alte Stadt erbaut worden, zu der mit der Zeit die übrigen Teile gekommen sind. Heutigen Tages wird die Stadt, außer den Vorstädten, in drei Teile geteilt. Die erste ist die Alte Stadt, in ihr ist die Pfarrkirche, die man die Altstädter Kirche nennt, zu sehen. Diese Stadt soll vor der Feuersbrunst im Jahre 1260 etwas weiter draußen gestanden haben, wo jetzt die St. Nikolauskirche ist. Zu der Stadt wird das fürstliche Schloß gerechnet, das auf einem Hügel liegt, darinnen Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg 1584 bis 94 einen schönen kunstreichen Bau von Grund aus aufgeführt hat. Im Grund ist ein schöner tiefer Keller, auf welchem ein stattliches Zeughaus und darüber eine wohlgezierte Kirche gebaut ist. Über der Kirche aber ist ein vortrefflicher kunstreicher Saal, ohne Säulen und Ständer, der so lang und breit ist wie das ganze Gebäude. Auf der einen Seite dabei ist die Bibliothek, in der alle Folianten in Silber eingefaßt sind. Der andere Teil der Stadt, der Kneiphof, 1327 erbaut, hat schöne Gebäude, und besonders in der Langgasse sind sehr schöne Häuser. Er liegt sonst auf einer Insel, die der Fluß Pregel macht, an einem sumpfigen Ort, aber bequem zur Kaufmannschaft. Von dieser Stadt gehen zwei Brücken hinüber in die große Vorstadt. In diesem Kneiphof ist der Dom oder die Haupt- oder Kollegiatkirche. Es ist in diesem Stadtteil auch die Universität oder hohe Schule, die der erste Herzog in Preußen, Markgraf Albrecht von Brandenburg, 1544 gestiftet hat. Der dritte Teil wird Löbenicht genannt, der ums Jahr 1300 erbaut sein soll. Das Nonnenkloster S. Mariae et Benedicti ist jetzt das fürstliche Hospital. Das Graue Mönchskloster ist jetzt ein fürstliches Kornhaus, sonst sind nicht viele stattliche Gebäude in diesem dritten Teil zu sehen, wiewohl die St. Barbarakirche wie auch die neue auf dem Roßmarkt und der Kaufleute Trinkstuben, der Junkerhof genannt, gelobt werden.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Eine
vornehme Reichsstadt, die früher eigene Grafen und Herzöge gehabt hat. Die Stadt
hat von jeher eine rote Burg mit zwei roten Türmlein oder Zinnen in einem weißen
Schild zum Wappen gehabt, dessen sie sich noch heutigen Tages in ihren
Secret-Insiegeln bedient. Es hat aber die Stadt den Namen nicht von den roten
Ziegeln oder Schildern, denn sonst müßten auch andere Städte so genannt werden,
sondern von den drei Burgen, die an den Enden gestanden haben: die Engelsburg,
jenseits der Tauber auf dem Berg, die andere auf dem Berg hinter dem Spital, der
Essigkrug, und die mittelste in der Stadt, die rote Burg genannt. Und weil diese
Burg von der Stadt umfangen wurde, hat deshalb auch die Stadt den Namen (und
ohne Zweifel auch obgedachtes Wappen) bekommen.
Sie liegt sehr lustig, hat eine gesunde und temperierte Luft und liegt auf der
einen Seite, wo die Burg gestanden hat, sehr hoch auf einem Berg, darunter im
Tal das Wasser, die Tauber genannt, fließt. Auf der anderen Seite, gegen Osten,
hat sie ein schönes ebenes Baufeld, und von Gottes Gnaden ist der Boden um die
Stadt ganz fruchtbar, der Wein, Getreide, Obst und dergleichen reichlich gibt.
Im Jahre 1373 haben der Rat und etliche alte ehrbare Geschlechter, auch andere
gottesfürchtige Leute die St. Jakobskirche zu bauen angefangen.
Am Dienstag Bartholomaei kommen jährlich die Schäfer aus dem Umkreis von drei
Meilen in Rothenburg zusammen, gehen in der Procession in die St.
Wolfgangskirche zur Predigt und dann in ihr Wirtshaus zum Goldenen Lamm, das
ihre besondere Herberge ist, sind lustig und fröhlich, tanzen danach etliche
Stunden auf dem Markt, und es darf kein Handwerksbursch ohne Erlaubnis mit ihnen
tanzen, sonst wird er in den Brunnenkasten geworfen.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Die
beiden vornehmsten Privilegien der Stadt, die damals viel galten und viel wert
waren, stehen in Messing und vergoldeten Buchstaben in der vordersten Münstertür
eingeschnitten. Sie sind der Stadt von Kaiser Heinrich V. erteilt worden. Das
erste betrifft das Butt-Teil oder die tote Hand, das ist die Freiheit von der
Dienstbarkeit des Hauptrechtes oder des besten Hauptes; das andere betrifft den
Bann- und Schatzpfennig, durch dieses Privileg wird eine Leibesstrafe bei einem
Verbrechen gegen Gott und die Obrigkeit in eine Geldstrafe verwandelt. Auch sind
die Bürger unter anderem davon befreit worden, dass sie die Güter, die sie zu
Schiff geladen haben, an dem kaiserlichen Zollgestade verzollen müssen, sie
brauchen auch kein accis oder Niederlage-Geld davon zu entrichten. Deshalb ist
Speyer ein Stapelplatz, in dem alle Schiffe mit Stapelgütern einzukehren und
auszuladen schuldig sind, was ein großes Privilegium ist. Es hat Speyer das
Archiv der Reichsstädte, und sein monatlicher einfacher Reichs-Anschlag ist auf
drei zu Pferde und sechzig zu Fuß oder 279 Gulden, und zum Unterhalt des
Kammergerichtes sind jährlich 218 Gulden und 48 Kreuzer gesetzt.
Die Stadt liegt am Rhein, ein wenig erhöht, sonst aber in einem ebenen Lande und
hat einen fruchtbaren Getreideboden, wo es auch einen köstlichen roten Wein, der
Gänsfüßer genannt wird, gibt; und es wachsen auch Mandeln und andere herrliche
Früchte dort.
Von den Kirchen ist hier der Dom oder die bischöfliche Hauptkirche oder das
Münster zu sehen. Kaiser Konrad II. hat den Bau der Domkirche vorgenommen und
bestimmt, dass die Kaiser, die in Deutschland sterben und keinen besonderen Ort
zum Begräbnis bestimmen, in dieser Domkirche sollten begraben werden.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Dies
ist die Hauptstadt im Herzogtum Württemberg, sie liegt schier mitten im Land,
nicht weit vom Neckar und eine halbe oder gar kleine Meile von Cannstatt.
Markgraf Rudolf von Baden soll sie im Jahre 1119 zu bauen und zu befestigen
angefangen haben, vorher ist nur ein Meierhof dort gewesen, wo man die Stuten
gleichsam in einem Garten aufgezogen hat, weshalb sie noch eine Stute im Wappen
führt.
In der Stadt sind drei Kirchen: das Stift, das früher zu Beutelsbach gewesen
ist, von dort sind die Canonici hierhergesetzt worden. Die andere Kirche in der
Stadt gehört dem Bebenhauser Hof, und die dritte ist im alten Spital. In dem
Schloß ist auch eine Kapelle. Anno 1435 hat Graf Ulrich von Württemberg, der
Geliebte zugenannt, das Rathaus auf dem Markt erbaut. Man hat in diesem Haus
Hochzeiten, Tänze, Komödien und anderes mehr gehalten, auch wurden dort die
Hochzeitsgäste einlogiert und bewirtet. Unter dem Rathaus ist die Metzig und
davor ein schöner gemalter Röhrenkasten oder Brunnen. Was das fürstliche Schloß
hier anbelangt, so kommt man aus der Stadt über eine Brücke, die über den
Schloßgraben gemacht ist, dorthin. In diesem Schloß gibt es drei Wendeltreppen,
von denen eine so breit ist, dass man zu zweit miteinander hinauf bis zur
Ritterstube reiten konnte. In den Gräben um das Schloß hat es vor dem Krieg
Fische, Schwäne, allerlei Wasservögel, zum Teil auch Kraniche gegeben und Bären,
die aufrecht gingen, weil ihnen die vorderen Füße gebunden waren, und andere
Tiere, während der Teil des Schloßgrabens gegen den Garten ohne Wasser war. In
diesen Garten kann man aus dem Schloß über eine Brücke kommen. Es waren dort vor
dem Krieg lustige Sommerhäuser, frische Brunnen, allerlei wunderbare, seltsame
und fremde Gewächse, Baumgärten, ein Ballhaus, das alte Lusthaus und gleich
daran die alte Rennbahn, die hundertfünfzig Schritte lang und sechzig breit war,
zu sehen.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Die
Stadt liegt etwas uneben, was man aber von außen nicht merken kann, und sie ist
mehr in die Länge als in die Breite gebaut. Unter den Kirchen und Gotteshäusern
leuchtet das gewaltige Münster oder die Hauptkirche hervor, die fast in der
Mitte der Stadt gelegen ist und die wenige ihresgleichen in Deutschland findet,
die ihr an Größe, Höhe, Länge und Breite gleich wären, obgleich des Turmes
halber ihr Straßburg und vielleicht auch noch andere vorgehen. Das
Kirchengebäude ist mit fünf schönen steinernen Gewölben geschlossen, und das
mittelste und höchste hat hundertzweiundfünfzig Werkschuh Höhe und steht auf
sechsunddreißig starken wohlgezierten Säulen von Quadersteinen. Der Bau hat 57
offene Fenster, ohne die, die in der Sakristei und den drei Nebenchören zu
finden sind, deshalb ist es darinnen allenthalben hell und licht, und es gibt
keine dunklen Winkel und Nebenabseiten, wie sie sonst in alten großen Kirchen zu
sehen sind. Der viereckige Turm ist aus lauter Quaderstücken auf das zierlichste
und prächtigste ausgeführt und hat in der Höhe bis an den Ring oder den Umgang
zweihundertundvierunddreißig Werkschuh.
Inwendig ist er mit drei verschiedenen Gewölben übereinander und mit stattlichen
Glocken ausstaffiert; er hätte auch mit einem noch so hohen steinernen,
ausgehauenen spitzen Dach ausgeführt werden sollen, wofern nur das Fundament es
getragen hätte. Die Orgel in dieser Kirche ist neben der Kanzel, dem Taufstein,
dem Sakramentshäuslein und dem Ölberg draußen besonders berühmt. Die Orgel hat
über dreitausend Pfeifen von bestem englischen Zinn und Metall, ausgenommen dem
sechzehnschühigen Einbaß, der aus Holz ist.
Von den weltlichen Gebäuden ist besonders das Rathaus zu sehen, an dem alte
Gemälde und darauf ein feines Uhrwerk sind. Unter dem Rathaus sind die Metzig
oder die Fleischbänke und außenherum der Fischmarkt und andere Märkte.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Dies
ist eine von den vornehmsten Städten in Thüringen, die den Namen vom Wein hat,
und soviel wie ein Weinmarkt heißen soll, weil man den Wein, der um Jena wächst,
hierherfährt und ihn allda zu verkaufen pflegt. Andere sagen, dass die Stadt den
Namen von einem bekommen habe, der hier gewohnt und angefangen hat, den Wein zu
pflanzen, und den man deswegen den Weinmayr nannte. Es mag aber ein jeder davon
glauben, was ihm beliebt. Sie liegt am Wasser Ilm, das zwar nicht groß, aber
böse ist und sich leicht ergießt, in gleicher Weite von Erfurt und Jena auf
einem sehr bequemen, lustigen und fruchtbaren Boden, hat ein schönes Schloß, das
vor dem Krieg, als es noch alt und zerfallen war, Hornstein hieß, dann aber von
Herzog Wilhelm, der es wieder schön aufgebaut hat, nach seinem Namen die
Wilhelmsburg genannt hat. Es ist sehr prächtig und mit sehr schönen
Quadersteinen aufgeführt und mit sehr schönen Gärten, auch einem Lustgarten, den
ebenfalls Herzog Wilhelm angelegt hat, embelliert. Der große Saal darinnen ist
wohl sehenswert wie auch die Schloßkirche, die Himmelsburg genannt.
Die Stadt selbst ist zwar nicht sonderlich groß, doch zierlich und wohlerbaut,
hat schöne Kirchen, ein wohlbestelltes Spital und andere für kranke und
notleidende Personen wohlversehene Häuser. In der Hauptpfarrkirche sind die
fürstlichen Begräbnisse zu sehen. Am Altar sind gemalt: der Kurfürst samt seiner
Gemahlin und drei Söhnen, bei dem Kruzifix Luther und Kurfürst Johannes, so der
kunstreiche und berühmte Maler Lucas Cranach gemacht hat. Das Wappen der
Grafschaft ist ein schwarzer Löwe, aufrecht in einem bleichgelben Felde mit
einer roten Krone auf dem Haupt, und rote Rosen und Blätter sind um den Löwen
herum im Schild verstreut. Es muß diese Stadt auch von alters her schon berühmt
gewesen sein, weil Kaiser Otto II. im Jahr 975 hier einen großen Reichstag
gehalten hat, wie in einer Thüringischen Chronik gemeldet wird.
(Aus dem Original-Text der merianischen Topographien)
Schon im 17. Jahrhundert zählte Utrecht zu den wirtschaftlichen und politischen Zentren der Niederlande. Lange Zeit stand die Stadt an der Spitze der Unabhängigkeitsbewegungen. In ihren Mauern wurde 1579 die Utrechter Union, der Sonderbund der sieben protestantischen nördlichen Provinzen, geschaffen, die die Trennung von den südlichen Niederlanden einleitete.
Die bevorzugte Stellung der Stadt kommt auf dem hier wieder gegeben Plan, den Caspar Specht, Zeichner, Drucker und Kunsthändler, 1686 Dekan des Malerkollegiums in Utrecht, in seiner eigenen Offizin herausbrachte, augenfällig zum Ausdruck. Nicht ohne Stolz weist der Künstler in der rechten Kartusche auf die frühe Gründung der Stadt hin, auf ihre Befestigungsanlagen vom Jahre 930, die nach neuerer Auffassung aber erst im 11. Jahrhundert errichtet wurden, und auf das Vorhandensein von 12 Kirchen, 13 Gasthöfen, 120 Straßen, 50 Steinbrücken und 6000 Häusern. Auch Hinweise auf die 1636 gegründete Universität und auf die Grünanlagen vor den Toren der Stadt, die als die schönsten ganz Hollands bezeichnet werden, fehlen nicht. Besonders herausgestellt wird die auf der Ostseite der Stadt in der oberen Hälfte gelegene Maalje Baen, eine sechsreihige Lindenallee für das Mailspiel. Auch die Gärten, Wiesen, Äcker und Haine, ja selbst die von Laubbäumen flankierten Wege und Gräben sind genauestens dargestellt.
Offenbar nach Spechts Tod ging die Kupferplatte in den Besitz der Amsterdamer Kartenoffizin von R. und J. Ottens über, die den Plan um 1720 unter ihrem eigenen Namen neu heraus brachten.
Östlich von Nice, mehr bekannt unter dem italienischen Namen Nizza, bildet die Küste der französischen Riviera zwei Halbinseln, in deren Schutz ein vorzüglicher Naturhafen liegt. Die geschützte Lage hat der Bucht und den sie einschließenden Höhen von jeher eine große militärische Bedeutung verliehen, was auf dieser Karte in den alten Befestigungswerken zum Ausdruck kommt. Unmittelbar westlich der Stadt Villefranche (Villafranca), einer Gründung des 13. Jahrhunderts, sieht man die große Zitadelle, die dem Schutz der Stadt und des mit einer Mole ausgestatteten Hafens zu dienen hatte. Auf beherrschender Höhe der westlichen Halbinsel liegt nicht weit von der Stadt das Fort Montalban (Monte Albano), 1557 erbaut und seitdem viel umkämpft, und weiter südlich, nahe dem Kap, steht auf dem Mont Boron ein Wachtturm. Auch die östliche Halbinsel trägt nahe ihrem Ende, dem Cap Ferrat (auf der Karte mit dem alten Namen Capo di Malalengua bezeichnet) einen Wachtturm. Zwei weitere Wachttürme flankieren die Bucht an ihrer engsten Stelle. Auf einer nach Osten vorspringenden kleineren Halbinsel sieht man ein Kastell abgebildet, das dem Johanniterorden gehört hat, zeitweise aber auch von sarazenischen Seeräubern besetzt gehalten wurde. Ale diese Befestigungen sind jetzt nur in Resten vorhanden, aber neue sind an ihre Stelle getreten, denn Villefranche ist Kriegshafen geblieben.
Auf dieser aus dem 17. Jahrhundert stammenden Karte sind für den inneren Teil der Hafenbucht Tiefenzahlen angegeben, und zwar sind die Tiefen in "palmi", also in Spannen gemessen.
Unter den alten Karten gibt es viele, deren Entstehung auf kriegerische Ereignisse zurück geht. Dazu gehört auch die hier abgebildete Karte von Wismar und Umgebung. Ihr Original ist im Maßstab von etwa 1:45 000 gehalten, und dieser große Maßstab ist zu einer sehr eingehenden Darstellung der Landschaft ausgenutzt worden, so dass die Karte eine wertvolle Grundlage für historisch-geographische Untersuchungen bildet.
Ihr Spezialzweck aber ist die Darstellung einer Blockade, welche Wismar 1715/16 zehn Monate lang auszuhalten hatte. Die alte Hansestadt war, zusammen mit der Insel Poel und einem kleinen Landgebiet, im Westfälischen Frieden 1648 an Schweden abgetreten worden, dem jedoch in der Folgezeit von Dänemark dieser Besitz mehrfach streitig gemacht wurde. In diesem Zusammenhang gehört auch die Blockade von 1715/16, an welcher neben dänischen Truppen preußische und hannöversche beteiligt waren. Die Stellungen der Belagerer rings um die Stadt zeigt die Karte, und sie zeigt auch die mit Pfahlreihen und Ketten bewirkte Sperrung der Hafeneinfahrt gegen einen Entsatz von See her. Die Blockade führte zur Kapitulation der schwedischen Besatzung wegen Hungers; Wismar musste entfestigt werden, blieb aber in schwedischen Besitz bis 1803.
Ein zweiter Spezialzweck der Karte ist die Darstellung der Flussverbindung zwischen Wismar und dem Schweriner See. Es handelt sich um einen im 16. Jahrhundert geschaffenen, aber bald wieder verfallenen Schifffahrtsweg, an dessen Wiederherstellung man in Wismar interessiert war.
Die Stadt Erfurt hat innerhalb Thüringens bis in neuere Zeit hinein eine Sonderstellung eingenommen. Die durch Handel frühzeitig zu wirtschaftlicher Blüte gelangte, als Sitz einer alten Universität zu einem bedeutenden Mittelpunkt des Humanismus gewordene Stadt gehörte, zusammen mit einem Landgebiet von mäßiger Größe, bis 1802 zum Erzbistum Mainz, dessen Wappen sie noch heute führt. Karten von Erfurt und Umgebung aus der Zeit vor diesem Jahr sind daher solche des ehemals erzbischöflichen Territoriums. Diese Abbildung zeigt eine dieser Karten. Sie ist erschienen in: J. B. Homann "Großer Atlas über die Gantze Welt", Nürnberg 1716.
Vom kartographiegeschichtlichen Standpunkt aus betrachtet, ist die Geländedarstellung dieser Karte bemerkenswert. Man erkennt das Bestreben, von der Methode der isolierten "Maulwurfhügel" los zu kommen und eine zusammen hängende Wiedergabe der Oberflächenformen zu erzielen, aber nur an wenigen Stellen der Karte sieht man einen geringen Erfolg. Auffallend ist, dass die Fahnersche Höhe und die bewaldeten Höhen südlich und südöstlich von Erfurt einzig durch Waldsignatur bezeichnet sind; der Ettersberg ("mons Aethereus") zeigt Berg- und Walddarstellung vereinigt. Wer die Landschaft kennt, findet auf der Karte mehrere gegenwärtig nicht mehr bestehende Seen angegeben, so den "Schwansee" beim gleichnamigen Dorf und den kleinen See bei Veselbach.
Der Stich von Gotha, den diese Abbildung zeigt, ist gegen Ende der Regierungszeit des prachtliebenden Herzogs Friedrich II. (1691-1732) entstanden, der, wie andere kleine Fürsten des 18. Jahrhunderts, seine Residenz nach dem Muster des französischen Hofes umzugestalten suchte. Nicht geeignet zu Veränderungen in solchem Sinne war das damals schon alte, an der Stätte einer ehemaligen Burg Grimmenstein auf beherrschender Höhe 1643-1648 erbaute Schloss Friedenstein mit seinen strengen, im Geiste betonter Einfachheit gehaltenen Formen. Daher ließ der Herzog in den Jahren 1711-12 am Fuße des Schlosshügels ein neues Schloss "Friedrichstal" errichten, und diesen spätbarocken Bau ließ er mit figurenreichen Gartenanlagen im streng regelmäßigen französischen Gartenstil seiner Zeit umgeben; den Abschluss bildete ein großes Grottengebäude. Ihres fürstlichen Charakters wegen ist diese gesamte Anlage, von der leider im wesentlichen nur das Schloss erhalten geblieben ist, auf dem Stich stark hervor gehoben worden. Man erkennt das bei einem Vergleich mit der Stadt, die in weit kleinerem Maßstab dargestellt ist. Die aus einer erstmals im Jahre 775 erwähnte Ansiedlung hervor gegangene, in ihrer städtischen Eigenschaft etwa seit der Mitte des 12. Jahrhunderts bestehende Stadt sieht man von der 1663-76 erbauten, im Bilde überbetonten Bastionärbefestigung umgeben, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetragen wurde.
Ein Stadtplan von Augsburg
aus der Mitte des 16. Jahrhunderts
Die groß maßstäbige Darstellung von Städten, ein Spezialgebiet der Kartographie, nahm nach bescheidenen Anfängen in der Zeit der Frühdrucke im 16. Jh. einen bedeutenden Aufschwung. Als Einblattdrucke oder Illustrationen in Büchern verbreitet, entwickelten sich die Städtedarstellungen von primitiven, im wesentlichen auf Phantasie beruhenden Bildern, die bisweilen unbedenklich für mehrere Städte verwendet wurden, bis zu einigermaßen wirklichkeits getreuen Abbildungen. Dabei führte die Entwicklung zu gleich von Darstellungen in mäßiger oder steiler Schrägsicht zu solchen in senkrechter Sicht, also zu Plänen. Aber auch diese suchte man anschaulich zu gestalten, indem man nach Möglichkeit die einzelnen Gebäude in schräger Sicht darstellte. Seine Grenze fand dieses Bestreben in der Technik, wenigstens dann, wenn der verhältnismäßig grobe Holzschnitt zur Vervielfältigung dienen sollte. Es musste also eine Auswahl getroffen werden. Ein Beispiel dafür zeigt diese Karte an einem Plan von Augsburg aus der Mitte des 16. Jh. Das Ganze der Stadt und ihr vereinfachtes Straßennetz sind im Grundriss dargestellt; in Form von Schrägsichtbildern eingefügt sind die Befestigungswerke, die Kirchen und die öffentlichen Gebäude einschließlich der berühmten Armenanstalt "Fuggerei".
Dieser Plan von Augsburg ist zusammen mit vielen anderen Städtedarstellungen enthalten in dem Hauptwerk des Sebastian Münster (1488 bis 1552), der "Kosmographie", die zwischen 1544 und 1628, also weit über die Lebenszeit des Verfassers hinaus, in 35 Ausgaben erschienen ist. Die Vorlage verdankte Münster dem Magistrat der Stadt.
Alexandria in der Zeit
der osmanischen Herrschaft
Die Abbildung von Alexandria zeigt die Stadt nach dem Stande der Kenntnis die man zu Beginn des 17. Jh. in Westeuropa von ihr hatte. Die Stadt gehörte damals zum Osmanischen Reich und von ihrer einstigen Bedeutung war wenig übrig geblieben. Ihre große Zeit lag weit zurück. Im Jahre 331 v. u. Z. an einem günstigen Hafenplatz begründet, wurde sie bald zu einem internationalen Handelszentrum, zur Hauptstadt Ägyptens und zur wichtigsten Stätte griechischer Kultur im östlichen Mittelmeergebiet. Ihre große Bedeutung blieb auch nach der Einbeziehung in das römische Reich (30 v. u. Z. ) erhalten. Mit einer Einwohnerzahl von mehr als einer halben Million war sie dessen zweitgrößte Stadt; ihre mit einem regelmäßigen Straßennetz und mit Wasserversorgung durch zu geleitetes Nilwasser aus gestattete Fläche wurde im ersten Jahrhundert u. Z. mit einer langen Mauer umgeben. Ein starker Rückgang setzte ein, als nach der Eroberung durch die Araber (641 u. Z.) diese an der Stelle des jetzigen Kairo eine neue Hauptstadt begründeten und die alte Griechenstadt zu vernachlässigen begannen. Im Jahre 811 wurde eine neue Mauer erbaut, die entsprechend der geringeren Bevölkerung nur etwa ein Viertel der früheren Stadtfläche umschloss. Aber auch dieser Mauerring wurde zu weiträumig, als nach der Eroberung durch die Osmanen (1517) der Handel in Alexandria infolge der Entdeckung des Seewegs nach Indien zurück ging und sich die Bevölkerung bis auf wenige Tausend verminderte. So zeigt diese Abbildung den Raum innerhalb der arabischen Mauer zwar noch in der alten Weise künstlich bewässert, aber großenteils mit Ruinen aus gefüllt.
Die Abbildung ist erschienen im zweiten Bande des Werkes "Civitates orbis terrarum", das G. Braun und F. Hogenberg in den Jahren 1612-18 in Köln heraus gegeben haben.
Bautzen in der Oberlausitz ist ein Beispiel für solche Mittelalterlichen Städte, die sich im Schutze einer Burg aus kleinen Anfängen zu ansehnlicher Größe entwickelt haben. Den Anfang machte die als slawische Stammesfeste entstandene, dann zur deutschen Grenzburg aus gebaute Ortenburg, die auf diesem alten Plan in der linken oberen Ecke sichtbar ist. Vor ihrem Tor entstand zwischen 1000 und 1200 als Keimzelle der Stadt der kleine Handelsplatz Budusin, an den sich im Osten und Süden neue Siedlungsteile angliederten. Die so entstandene älteste Stadt wurde mit einer Mauer umgeben, deren Verlauf nur noch an dem etwas oberhalb der Mitte des Planes vorbei führenden gekrümmten Straßenzug kenntlich ist. Eine erste planmäßige Erweiterung dehnte die Stadt bis zu dem Mauerring aus, der auf dem Plan hauptsächlich ins Auge fällt. Eine zweite Erweiterung vergrößerte die Fläche nochmals beträchtlich durch den Bau einer einfacheren Mauer, die am rechten und am unteren Rande des Planes sichtbar ist.
Der von Johann Georg Schreiber geschaffene Stich zeigt die Stadt in dem Zustande vor dem großen Brand von 1709. Die Hervorhebung der bei dem Brande zerstörten Stadtteile durch Rot wurde offenbar in der Weise bewirkt, dass mit Hilfe von Schablonen Teile der Kupferplatte mit roter, die übrigen mit schwarzer Farbe eingewalzt wurden, wonach in einem Arbeitsgang zweifarbige Drucke hergestellt werden konnten.