Historische Landkarten

 

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Ebstorfer Weltkarte (um 1240)

 

Typisch für die Kartographie des Mittelalters sind die so genannten Radkarten, in Kreisform gestaltete Weltbilder, deren Inhalt nicht auf eine Darstellung der Wirklichkeit, sondern auf ein Mittel religiöser Erbauung abzielt. Zu den Karten dieser Art gehört eine 1832 in dem ehemaligen Kloster Ebstorf in der Lüneburger Heide unter Gerümpel aufgefundene Weltkarte aus der Zeit um 1240, die, im Jahre 1834 nach Hannover gebracht, dort 1943 ein Opfer des Bombenkrieges geworden ist und jetzt nur noch in Nachbildungen studiert werden kann. Mit ihrem Durchmesser von 3,56 m war sie die größte der bis zu unserer Zeit erhalten gebliebenen Radkarten. Aus der oberen Hälfte dieser Karte, aus ihrem Asien darstellenden Teil, zeigt dieser rechteckige Ausschnitt einige Gebiete Vorderasiens, die mit Bildern aus der Geschichte, mehr aber der Sage ausgefüllt sind. Von den Gegenständen aus der christlichen Vorstellungswelt, die den wichtigsten Teil des Karteninhalts bilden, ist die Arche des Noah leicht zu erkennen.


Selbstverständlich sind, wo das Seltsame und Wunderbare betont wird, die Gebirge ohne jede Bemühung um Wirklichkeitsnähe gezeichnet. Langgestreckte Gebirge sind als braune Streifen mit gerader unterer und wellenförmiger oberer Begrenzung dargestellt, und auch im Inneren dieser Streifen sind Wellenformen angedeutet. Beispiele sind die beiden langen Gebirge links oben auf diesem Ausschnitt, mit "Taurus mons" und "Caucasus mons" beschriftet. Bei anderen Gebirgen gibt es keine Grundform, und so sind sie außer an der braunen Farbe nur an der Wellenzeichnung des Inneren als Gebirge zu erkennen. Beispiel: der "Ararath mons".

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Karte von Asien (Mitte 16.Jh.)

 

Die in zahlreichen Ausgaben erschienene "Kosmographie" des Sebastian Münster (1488-1552), eine das geographische und historische Wissen ihrer Zeit zusammenfassende Weltbeschreibung, enthält viele in Holzschnitt ausgeführte Karten. Die meisten von ihnen, nämlich alle kleineren, sind in die Kapitel eingefügt, in denen die betreffenden Länder behandelt werden. Eine Anzahl von Karten in doppelter Blattgröße jedoch sind geschlossen dem Textteil vorangestellt, und man kann diesen Kartenteil des Werkes, da es sich um eine systematisch aufgebaute Folge von Karten der Erdteile und einiger wichtiger Länder handelt, als eine vorstufe unserer Atlanten betrachten. Diese Abbildung zeigt aus diesem Kartenteil der Kosmographie die Karte von Asien, die in manchen Ausgaben des Werkes, wie hier zu sehen, als Karte von Indiens und der Nachbarländer bezeichnet ist. Die Darstellung des Erdteils trägt, dem Kenntnisstand der Zeit entsprechend, nur im Süden einigermaßen wirklichkeitsnahe Züge; der ganze Norden ist nach vagen Vorstellungen durchaus schematisch gestaltet, im Osten ist ein Einfluss des Berichtes von Marco Polo zu erkennen.


Die Bergdarstellung auf dieser Karte ist für die Zeit charakteristisch, jedenfalls soweit es sich um Karten wenig bekannter Gebiete handelt. Die Gebirge sind schematisch als mehr oder weniger geradlinig verlaufende Hügelreihen wieder gegeben, ohne den geringsten Versuch, sie nach Höhe und Gestalt der Berge zu unterscheiden. Und es fällt schwer, beim Vergleich mit einer modernen Karte wenigstens einige der tatsächlich vorhandenen Gebirge wieder zu erkennen. Unverkennbar ist alleine der Ural.

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Karte der Niederlande (1570)

 

Der Antwerpener Kartograph Abraham Ortelius (1527-1598) übte mit seinem systematisch geordneten und in einheitlicher Größe gestalteten Kartenwerk "Theatrum Orbis Terrarum", das seit 1570 in zahlreichen Auflagen und mehreren Ergänzungen erschien, einen großen Einfluss auf das Kartenschaffen seiner Zeit aus. Für seine Karten beschaffte er sich nach Möglichkeit die neuesten Unterlagen. Er legte aber auch großen Wert auf die Ausschmückung. Dabei verwendete er mit Vorliebe das von Italien übernommene und in Antwerpen kunstvoll weiter entwickelte Roll- und Beschlagwerk zur Verzierung seiner Stiche.

Die vorliegende Karte der Niederlande zeigt die Form einer Ellipse. Sie enthält kein Gradnetz. Die Himmelsrichtungen sind außerhalb der Karte, in den 4 Ecken, angegeben, wobei die rechte obere Ecke nach Norden weist. Mehrere geographische Elemente werden in der Seitenansicht geboten, die Städte durch Vignetten, der Wald durch Baumsignaturen und das Relief durch Bergkuppen. Dabei wirkt z. B. die 107 m hohe Geestplatte "De Veluwe" zwischen IJssel und Rhein wie ein kleinerer Gebirgszug. Das heute durch Polderanlagen trockengelegte Haarlemer Meer steht mit dem alten Rheinstrom, der hier keinen direkten Zugang zum Meer hat, in Verbindung.

Welche Vorlage Ortelius für diesen Stich benutzte, ist auf der Karte nicht vermerkt. Offenbar stützte er sich auf mehrere Quellen. Im Verzeichnis der Kartenautoren, das dem Atlas beigegeben wurde, wird Joannes a Horn, Autor einer nicht erhalten gebliebenen Karte der Niederlande, erwähnt, für die ihm 1526 das Privileg erteilt wurde. Das Schmuckwerk dieser Abbildung stammt, wie bei den meisten anderen Karten Ortelius, von dem gleichfalls zur damaliger Zeit in Antwerpen tätigen Kupferstecher Frans Hogenberg, der auch die Vorlagen dafür meist selbst zeichnete. Er verstand es meisterhaft, die freien Ecken der Karte durch das Roll- Und Beschlagwerk auszufüllen. Auch die Flächen der Meere und die von Putten gehaltene Titelkartusche boten sich zur Verzierung an.

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Karte von Indien und der
südostasiatischen Inselwelt (1570)

 

Schon die erste Ausgabe 1570 des Kartenwerkes "Theatrum Orbis Terrarum" von Abraham Ortelius (1527-1598) enthielt außer einer Gesamtkarte von Asien sechs Teilkarten dieses Kontinents, darunter eine von Südostasien. Diese umfasst den gesamten Raum zwischen Indien im Westen und Neuguinea im Osten, dazu, wie das Erscheinen der nordamerikanischen Küste am Kartenrand zeigt, einen großen Teil des Pazifischen Ozeans, enthält also Gebiete, die zur Entstehungszeit der Karte in Europa in sehr verschiedenem Grade bekannt waren. Dem entsprechen große Unterschiede der einzelnen Kartenteile hinsichtlich der erreichten Wirklichkeitsnähe. Recht gut ist die Darstellung von Vorderindien, und auch die von Hinterindien kann man, abgesehen von der zu massig angelegten Malaiischen Halbinsel, als einigermaßen zutreffend bezeichnen. Völlig verfehlt ist die Gestalt Japans. Die Inselwelt Indonesiens und der Philippinen zeigt zwar gut erfasste Lagebeziehungen, aber zu gleich erstaunliche Fehler in den Größenverhältnissen; so ist beispielsweise Java weit größer dargestellt als Borneo. Von dem in der Ecke rechts unten mit einem Teil seiner Fläche erscheinenden Neuguinea besagt eine Inschrift, dass man noch nicht wisse, ob es sich um eine Insel oder einen Teil des großen Südkontinents handle, mit dessen Existenz man im 16. Jahrhundert noch allgemein rechnete und von dem übrigens ein anderer Teil in der Mittel des unteren Kartenrandes, bis nahe an Java heranreichend, eingezeichnet ist. Gewaltig unterschätzt sind die Weiten des Pazifischen Ozeans, was sich daran zeigt, dass Japan von Amerika nicht weiter entfernt dargestellt ist als vom asiatischen Festland.

Die Küsten der auf dieser Karte enthaltenen Gebiete sind zum weitaus größten Teil von den Portugiesen entdeckt worden, und allenthalben hatten diese, als Ortelius seinen Atlas schuf, einzelne Punkte in ihrem Besitz. Das genügte für Ortelius, um im Sinne seiner Zeit den ganzen Kartenraum durch ein- übrigens falsch koloriertes -Wappen von Portugal als portugiesisches Interessengebiet zu kennzeichnen.

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Karte von Zypern (1573)

 

Das "Theatrum Orbis Terrarum", der erste gedruckte Weltatlas im modernen Sinne, den der Antwerpener Kartenverleger Abraham Ortelius im Jahre 1570 veröffentlichte, war bald vergriffen, da dieser Atlas nicht nur den inhaltlichen Anforderungen, sondern auch dem künstlerischen Empfinden der Käufer entsprach. So folgten bald einige Neuauflagen, Ausgaben in anderen Sprachen und auch einige Ergänzungsblätter, für die sich Ortelius nach Möglichkeit die neuesten Quellen zu beschaffen wusste.

In der ersten Ergänzung von 1573 veröffentlichte Ortelius auch eine neue Karte Zyperns. Diese Insel war seit 1489 ein wichtiger Stützpunkt Venedigs für den Handel mit der Levante. Im Jahre 1571 geriet Zypern jedoch unter türkischer Herrschaft und blieb dadurch mehrere Jahrhunderte europäischen Reisenden verschlossen. Die vorliegende Karte war damit eine der letzten authentischen Darstellungen, die in der Folgezeit wiederholt kopiert wurde. Für seine Karte standen Ortelius offenbar italienische Vorlagen zur Verfügung. Jedenfalls deuten die Namen und der Maßstab in italienischen Meilen darauf hin. Verglichen mit älteren Darstellungen zeigt die Karte wesentliche Fortschritte, z. B. in der genauen Orientierung, der Wiedergabe der Küstengliederung, der Gebirgsdarstellung und der weit größeren Zahl von Siedlungen. Interessant ist auch die Abbildung von Aquädukten.

Die von einer Kartusche eingerahmte Insel Lemnos übernahm Ortelius aus einem Werk des französischen Naturforschers Pierre Belon, der Mitte des 16. Jahrhunderts eine wissenschaftliche Reise in den Orient unternommen und seiner 1553 in Paris erschienen Beschreibung zahlreiche Holzschnitte beigefügt hatte. Die Gravur der Zypern-Karte besorgte Johannes van Doetechum, ein Kupferstecher aus Deventer, der zusammen mit seinem Bruder Lucas ein Ätzverfahren erfand, womit er bei den Konturen und Aufschriften besondere Deutlichkeit erzielte.

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Karte von Äthiopien (1573)

 

Im Jahre 1573 hat Abraham Ortelius (1527-1598) sein Kartenwerk "Theatrum Orbis Terrarum" (Schaubühne des Erdkreises), das seit dem erstmaligen Erscheinen 1570 schon in mehreren Ausgaben heraus gekommen war, zum ersten mal durch neue Karten ergänzt. Es handelt sich um 18 Karten, die dem Werk eingefügt, aber auch, zu einem "Additamentum" (Nachtrag) zusammen gefasst, gesondert vertrieben wurden, damit die Besitzer älterer Ausgaben nicht das ganze Werk neu anzuschaffen brauchten.

Zu den neuen Karten gehörte eine solche von Äthiopien. Im Titel des Blattes ist dieses Land als Reich des Priesters Johannes bezeichnet, und das deutet auf den Grund hin, aus welchem Ortelius diesem Teil Afrikas eine besonders eingehende und reich ausgeschmückte Darstellung gewidmet hat. Als Mensch seiner Zeit stand er noch unter den Nachwirkung der mittelalterlichen Legende von einem christliche Fürsten irgendwo im Morgenlande, der ursprünglich in Ostasien vermutet, später in Ostafrika und speziell in Äthiopien gesucht wurde. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts galt in Europa der König von Äthiopien als der Priester Johannes, und diese Auffassung hielt sich bis ins 17. Jahrhundert. Sie führte zu Erkundungsreisen von Portugiesen und Italienern und damit zu frühzeitigem Bekannt werden geographischer Tatsachen. Auf der Karte des Ortelius kommt dies in der für innerafrikanische Verhältnisse reichen Fülle von lokalisierbaren Einzelheiten zum Ausdruck. Andererseits aber enthält seine Darstellung auch noch völlig wirklichkeitsfremde Elemente wie etwa das von Ptolemäus übernommene Mondgebirge ("Lunae montes") im Süden oder die Angabe, dass in einem der Nilquellseen Tritonen und Sirenen hausen. Auch die Tatsache, dass bei der Ausmalung des Blattes das Rote Meer mit roter Farbe versehen worden ist, wie dies bei den mittelalterlichen Karten üblich war, gehört in diesen Zusammenhang.

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Karte des Kirchenstaates (um 1600)

 

Giovanni Antonio Magini (1550-1617) widmete sich nach Abschluss seiner Studien zunächst der Astronomie. Einen Fortschritt dieser Wissenschaft konnte er jedoch nicht bewirken, da er an vorkopernikanischen Anschauungen festhielt und sich der in Italien durch Galilei vertretenen neuen Auffassung vom Planetensystem entgegenstellte. Zur Entwicklung der Geographie und der Kartographie jedoch leistete er bedeutende Beiträge. Deren wichtigster war die Folge von Karten italienischer Gebirge, an welcher er in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens gearbeitet hat. Sein Bestreben um die Berücksichtigung immer neuen und besseren Quellenmaterials führte dazu, dass dieses große Werk, bei einem Umfang von 61 Blatt ein wahrer Landesatlas, erst nach seinem Tode von seinem Sohn Fabio herausgegeben werden konnte. Das geschah im Jahre 1620; neue Ausgaben erschienen 1632 und 1642. Aus einer dieser Ausgaben zeigt diese Abbildung die Karte des Kirchenstaates, also desjenigen Teiles von Italien, in welchem der Papst auch weltlicher Landesherr war.

Für die Darstellung des Reliefs wandte Magini noch die in der damaligen Atlaskartographie üblichen Bergsignaturen an. Auf dem hier abgebildeten Blatt bezeichnen die fast nur im Appenin vorkommenden größeren Signaturen die Höhe, die im Gebiet des Gran Sasso (nahe dem Kartenrand) vertretenen spitzen Signaturen die Steilheit des Gebirges. Die über fast die ganze übrige Fläche regellos verteilten kleinen Signaturen bedeuten hügeliges Gelände, ohne über die Landformen im einzelnen etwas auszusagen.

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Der Ursprung des Rheins (Anfang 17.Jh.)

 

Das Bild zeigt eine kartenähnliche Darstellung eines großen Teiles des Schweizer Kantons Graubünden nach einem Stich von Matthäus Merian dem Älteren (1593-1650). Der Standpunkt des Betrachters ist etwa über der Stadt Chur angenommen, seine Blickrichtung geht ungefähr nach Südwesten. Im Hintergrund sieht man die Täler der beiden Quellflüsse des Rheins, am Hinter-Rhein die Orte Rhäzüns und Bonadzu, am Vorder-Rhein die Burg Hohentrins. An der Vereinigungsstele liegen Reichenau und Tamins, im Tal des vereinigten Flusses im Vordergrund Ems und Felsberg.

Die Bergformen sind plastisch heraus gearbeitet und zeigen Hochgebirgscharakter. Da aber ihre Darstellung sich nicht auf Messungen stützen konnte, dem Zeichner auch noch kein Ausdrucksmittel für die genauen Bergformen zur Verfügung stand, sind die Berge im einzelnen willkürlich gestaltet. Man hatte, als diese Darstellung entstand, auch noch kein Interesse für das Gebirge an sich, sondern nur für die Gebirgstäler und für die Pässe. So ist es auch zu erklären, dass auf dem ganzen Bild nur ein einziger Bergname vorkommt, nämlich Calanda (Buchstabe E), und der nicht einmal an richtiger Stelle. Die beiden anderen Namen, die sich auf das Gebirge beziehen, bezeichnen Pässe; es sind das der Kunkels-Pass (Buchstabe D) und er Bernhardin (alter Name "Das Vogelsang").

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Karte Germaniens zur Römerzeit (1630)

 

Angeregt durch die Wiederentdeckung des antiken Erbes begannen sich die Humanisten, Träger der geistigen Bewegung der Renaissance, auch für die Geschichte ihrer eigenen Länder zu interessieren. Dabei stellten sie fest, dass z. B. die überlieferten Karten des Ptolemäus, jahrhunderte lang immer wieder kopiert, dem Historiker kein zuverlässiges Bild der Vergangenheit boten.

Zu den Gelehrten, die sich im 16. Jahrhundert besonders um die Geschichtskartographie verdient gemacht haben, zählt der Antwerpener Kartograph Abraham Ortelius (1527-1598). Seinem "Theatrum Orbis Terrarum", in dem zunächst nur moderne Karten Aufnahme fanden, fügte er in den späteren Ausgaben auch zahlreiche Geschichtskarten in einem als "Parergon" (Beiwerk) bezeichneten Anhang bei. Im Jahre 1590 folgte eine drei Jahre zuvor entworfene Karte Germaniens, die er Jakob Monau, einem der berühmtesten Gelehrten und Literaten, um welchen sich zur damaligen Zeit das literarische Leben Schlesiens bewegte, gewidmet hat.

Seine Geschichtskarte stellte Ortelius in moderner Gestalt dar, wobei er auf viele topographische Details verzichtete; z. B. ließ er fast alle Nebenflüsse, Seen und kleinere Inseln fort. Dadurch gewann er freien Raum für die Angabe der Stammesnamen und historisch bezeugten Orte, wobei er sich auf mehrere römische Schriftsteller stützte. Von Ortelius' Karte stellte der Amsterdamer Kartenverleger Jodocus Hondius 1619 eine Kopie her, die offenbar die Vorlage für Willem Blaeus Stich von 1630 war, der hier reproduziert wurde.

 

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Karte von Virginia (1630)

 

Im 17. Jahrhundert entwickelte sich in Amsterdam, dem Zentrum der jungen bürgerlichen Republik, die Wirtschaft und Kultur zu nie gekannter Blüte. In dieser Handelsmetropole bildeten sich auch eine rege Kartenproduktion heraus, da ein großer Bedarf an Karten, besonders für die Schifffahrt nach Übersee, bestand. Einen der hervor ragendsten Kartenverlage gründete in dieser Stadt Willem Janszoon Blaeu (1571-1638), der lange Zeit die Ostindische Handelskompanie mit Seekarten belieferte.

Das Schmuckwerk seiner Karten war noch stark von den Kunstformen der Renaissance geprägt. Zum Beispiel bestanden die Verzierungen des Titels, der Maßstabsleiste oder der Zeichenerklärungen noch aus Roll- und Beschlagwerk, die bei Blaeu jedoch schon in weichere Formen gekleidet wurden und dem Knorpelwerk der Spätrenaissance zu zurechnen sind.

Die vorliegende Karte von Virginia weist vergleichbare Verzierungen auf. Als Vorlage für seinem Kupferstich verwendete Blaeu eine entsprechende Karte des Engländers John Smith, der die britische Kolonie längere Zeit bereist hatte und 1612 in Oxford die Karte zusammen mit einem Buch veröffentlichte. Auch einige der Abbildungen, wie die Residenz des Powhatan, des Oberhäuptlings mehrerer Indianerstämme, und die Wiedergabe eines - von Blaeu als Frauenperson missdeuteten - Susquehanna-Kriegers mit Pfeil und Bogen sowie einem erlegten Wildschwein auf dem Rücken entsprechen der ursprünglichen Darstellung.

Smith' Karte bzw. der davon hergestellte Nachstich bildeten lange Zeit die wichtigste Quelle für die Chesapeakebai und ihrer Zuflüsse. Auf dieser Karte sind die Lage von 10 Indianerstämmen und etwa 165 Siedlungen verzeichnet. Der am oberen Rand der Karte dargestellte Meerbusen stellt offenbar eine Verbindung zum Stillen Ozean her, der noch zu dieser Zeit in nicht zu großer Entfernung von der Atlantikküste vermutet wurde.

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Karte der Niederlande (1622)

 

Die ersten symbolhaften Karten erschienen bereits im 16. Jahrhundert. Diese Darstellungsform benutzten manche Künstler, um komische Wirkungen zu erzielen, nicht selten um politische Aussagen zu machen. So erschienen zum Beispiel 1537 Europa als Jungfrau, 1582 Asien als Pegasus, Italien als Stiefel und die Schweiz als Bär. Die Niederlande stellte der Österreicher Michael Aitzinger erstmals 1581 als Löwen dar. Die Idee dazu ergab sich offenbar aus den Umrissen des Landes, denn mit gewisser Phantasie kann man durchaus einen Löwen erkennen. Auch die Feststellung, dass viele holländische Städte in ihrem Wappen einen Löwen führen, mag dazu beigetragen haben.

Aitzingers Karte bewog offenbar den Amsterdamer Kartenverleger Pieter van der Keere (1571-1646) zu einer ähnlichen Darstellung, die er in seinem Atlas "Germania Inferior" erstmals 1617 veröffentlichte. Der sitzende Löwe hat seine rechte Pranke erhoben, mit der bis über den Rhein greift. Die im Stil der Spätrenaissance dargestellte Kartusche mit Roll- und Beschlagwerk enthält nicht nur Kartentitel, sondern in einem darunter befindlichen rechteckigen Rahmen die Namen aller 17 niederländischen Provinzen mit Angabe der Zahl ihrer Städte und Dörfer. Die abgebildeten Figuren rechts unten stellen ein niederländisches Bürger- und ein junges Bauernpaar dar, während am linken unteren Rand ein friesisches Paar der unteren Schicht abgebildet ist.

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Karte von Afrika (1631)

 

Das Innere von Afrika war bis weit in das 19. Jahrhundert hinein in Europa so gut wie unbekannt, und so zeigten Karten, deren Bearbeiter Wert darauf legten, nur einigermaßen Gesichertes darzustellen, noch vor wenigen Menschenaltern große Teile des Kontinents als die viel genannten "weißen Flecken". In früheren Zeiten waren die Kartenzeichner weniger zaghaft; mit Phantasiegebilden oder aus vagen Berichten stammendem Stoff füllten sie die Flächen, über die man noch nichts Rechtes wusste, und kleine Abbildungen von Eigentümlichkeiten des Landes wurden dabei gern zu Hilfe genommen.

Die hier wiedergegebene Karte von Afrika von Henricus Hondius (1587-1644) aus dem Jahre 1631, enthalten in der deutschen Ausgabe 1633 des von Hondius fortgeführten Mercator-Atlas, gehört zu diesem Typ von Karten, die durch eine über den ganzen Kontinent ziemlich gleichmäßig verteilte Fülle von Eintragungen eine nicht vorhandene Gleichmäßigkeit der Kenntnis vortäuschen. Der Wirklichkeit sehr nahe kommt, wie der Vergleich mit einer modernen Karte zeigt, die Gestalt des Erdteils in ihrer Gesamtheit, wenn man von der noch aus den Vorstellungen des Altertums stammenden Überschätzung der geographischen Längen absieht, also davon, dass die west-östliche Erstreckung des Erdteils um etwa 11° zu groß angenommen ist. Wirklichkeitsnah ist die Küstengestalt auch in vielen kleinen Einzelheiten, und die an den Küsten in besonders großer Fülle angebrachten Namen von Kaps, Buchten und Siedlungen bezeugen eine gute Kenntnis dieser für die Schifffahrt wichtigen Punkte. Aber schon in geringer Entfernung von der Küste wird alles unsicher. Wie sehr es für das Innere an einer Kenntnis der geographischen Tatsachen, selbst der wichtigsten, mangelt, zeigt die völlig verfehlte Darstellung der großen Ströme.

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Die Herausbildung von Meeresnamen an der
mittelamerikanischen Landbrücke (1633)

 

Als am 25. September 1513 der spanische Konquistador Balboa nach mühevoller Durchquerung der Landenge von Darien von einer Höhe aus als erster Europäer den Pazifischen Ozean erblickte, sah er in den Süden, und so nannte er ihn Mar del Zur, Südsee, ein Name, der später zeitweise auf den ganzen Ozean angewandt wurde und für dessen äquatoriale und südliche Teile auch gegenwärtig noch viel gebraucht wird. Dem entgegen bildete sich für das Karibische Meer, von dem die Expedition des Balboa ausgegangen war, der Name Mar del Norte heraus, der sich in der Folgezeit auf die westlichen Teile des Atlantiks einschließlich der weit südlich gelegenen ausdehnte und erst im 18. Jahrhundert dem ursprünglich nur für seinen europäischen Teil gebrauchten Namen "Atlantischer Ozean" gewichen ist.

Die Karte stellt Neugranada und die benachbarten Teile des ehemaligen spanischen Kolonialbesitzes dar, ein Gebiet, das jetzt hauptsächlich zur Republik Kolumbien gehört. Sie ist in mehreren niederländischen Atlanten enthalten. In der hier abgebildeten Form findet sie sich in Ausgaben von 1633 und 1634 des Atlas von Mercator-Hondius.

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Die Meeresstraßen südlich von Südamerika (1633)

 

Seitdem Balboa im Jahre 1513 die "Südsee" entdeckt hatte, seitdem also feststand, dass sich westlich der Neuen Welt ein Meer ausdehnt, suchte man nach einer Durchfahrt zu diesem Meere. Von der Existenz einer solchen Durchfahrt im Süden waren schon vor ihrer Auffindung einige Kartographen so überzeugt, dass sie sie in ihren Karten darstellten. Gefunden hat sie im Herbst 1520 der Portugiese Fernao Magalhaes, der bei seiner unter spanischen Flagge unternommenen ersten Weltumsegelung die 583 Kilometer lange Meeresstraße in 21 Tagen durchfuhr. Die seitdem nach ihrem Entdecker benannte Straße galt nun fast ein Jahrhundert lang als die einzige Durchfahrt, denn man hielt das südlich von ihr gelegene "Feuerland" - so von Magalhaes genannt wegen der dort gesehenen Feuer der Bewohner - für einen Teil des damals angenommenen großen Südkontinents. Dass es sich tatsächlich um eine Inselgruppe handelt, stellte sich erst im Jahre 1616 heraus, als Jacob Le Maire und Willem Schouten die "Le-Maire-Straße" zwischen der Ostspitze von Feuerland und dem zunächst noch nicht als Insel erkannten "Statenland" fanden und danach auch das Südkap des Erdteils umfuhren, das sie nach der Geburtsstadt Schoutens "Kap Hoorn" nannten.
 

Den mit dieser Fahrt erreichten Stand der Kenntnis stellt diese Karte dar, die von 1633 an in den Ausgaben des Atlas von Mercator-Hondius erschienen ist.

 

Weitere Karte des o.g. Seegebietes

 

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Plan der Stadt Utrecht (1695)

 

Schon im 17. Jahrhundert zählte Utrecht zu den wirtschaftlichen und politischen Zentren der Niederlande. Lange Zeit stand die Stadt an der Spitze der Unabhängigkeitsbewegungen. In ihren Mauern wurde 1579 die Utrechter Union, der Sonderbund der sieben protestantischen nördlichen Provinzen, geschaffen, die die Trennung von den südlichen Niederlanden einleitete.

Die bevorzugte Stellung der Stadt kommt auf dem hier wieder gegeben Plan, den Caspar Specht, Zeichner, Drucker und Kunsthändler, 1686 Dekan des Malerkollegiums in Utrecht, in seiner eigenen Offizin herausbrachte, augenfällig zum Ausdruck. Nicht ohne Stolz weist der Künstler in der rechten Kartusche auf die frühe Gründung der Stadt hin, auf ihre Befestigungsanlagen vom Jahre 930, die nach neuerer Auffassung aber erst im 11. Jahrhundert errichtet wurden, und auf das Vorhandensein von 12 Kirchen, 13 Gasthöfen, 120 Straßen, 50 Steinbrücken und 6000 Häusern. Auch Hinweise auf die 1636 gegründete Universität und auf die Grünanlagen vor den Toren der Stadt, die als die schönsten ganz Hollands bezeichnet werden, fehlen nicht. Besonders herausgestellt wird die auf der Ostseite der Stadt in der oberen Hälfte gelegene Maalje Baen, eine sechsreihige Lindenallee für das Mailspiel. Auch die Gärten, Wiesen, Äcker und Haine, ja selbst die von Laubbäumen flankierten Wege und Gräben sind genauestens dargestellt.

Offenbar nach Spechts Tod ging die Kupferplatte in den Besitz der Amsterdamer Kartenoffizin von R. und J. Ottens über, die den Plan um 1720 unter ihrem eigenen Namen neu heraus brachten.

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Villefranche-sur-Mer (17.Jh.)

 

Östlich von Nice, mehr bekannt unter dem italienischen Namen Nizza, bildet die Küste der französischen Riviera zwei Halbinseln, in deren Schutz ein vorzüglicher Naturhafen liegt. Die geschützte Lage hat der Bucht und den sie einschließenden Höhen von jeher eine große militärische Bedeutung verliehen, was auf dieser Karte in den alten Befestigungswerken zum Ausdruck kommt. Unmittelbar westlich der Stadt Villefranche (Villafranca), einer Gründung des 13. Jahrhunderts, sieht man die große Zitadelle, die dem Schutz der Stadt und des mit einer Mole ausgestatteten Hafens zu dienen hatte. Auf beherrschender Höhe der westlichen Halbinsel liegt nicht weit von der Stadt das Fort Montalban (Monte Albano), 1557 erbaut und seitdem viel umkämpft, und weiter südlich, nahe dem Kap, steht auf dem Mont Boron ein Wachtturm. Auch die östliche Halbinsel trägt nahe ihrem Ende, dem Cap Ferrat (auf der Karte mit dem alten Namen Capo di Malalengua bezeichnet) einen Wachtturm. Zwei weitere Wachttürme flankieren die Bucht an ihrer engsten Stelle. Auf einer nach Osten vorspringenden kleineren Halbinsel sieht man ein Kastell abgebildet, das dem Johanniterorden gehört hat, zeitweise aber auch von sarazenischen Seeräubern besetzt gehalten wurde. Ale diese Befestigungen sind jetzt nur in Resten vorhanden, aber neue sind an ihre Stelle getreten, denn Villefranche ist Kriegshafen geblieben.

Auf dieser aus dem 17. Jahrhundert stammenden Karte sind für den inneren Teil der Hafenbucht Tiefenzahlen angegeben, und zwar sind die Tiefen in "palmi", also in Spannen gemessen.

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Wismar und Umgebung (um 1715)

 

Unter den alten Karten gibt es viele, deren Entstehung auf kriegerische Ereignisse zurück geht. Dazu gehört auch die hier abgebildete Karte von Wismar und Umgebung. Ihr Original ist im Maßstab von etwa 1:45 000 gehalten, und dieser große Maßstab ist zu einer sehr eingehenden Darstellung der Landschaft ausgenutzt worden, so dass die Karte eine wertvolle Grundlage für historisch-geographische Untersuchungen bildet.

Ihr Spezialzweck aber ist die Darstellung einer Blockade, welche Wismar 1715/16 zehn Monate lang auszuhalten hatte. Die alte Hansestadt war, zusammen mit der Insel Poel und einem kleinen Landgebiet, im Westfälischen Frieden 1648 an Schweden abgetreten worden, dem jedoch in der Folgezeit von Dänemark dieser Besitz mehrfach streitig gemacht wurde. In diesem Zusammenhang gehört auch die Blockade von 1715/16, an welcher neben dänischen Truppen preußische und hannöversche beteiligt waren. Die Stellungen der Belagerer rings um die Stadt zeigt die Karte, und sie zeigt auch die mit Pfahlreihen und Ketten bewirkte Sperrung der Hafeneinfahrt gegen einen Entsatz von See her. Die Blockade führte zur Kapitulation der schwedischen Besatzung wegen Hungers; Wismar musste entfestigt werden, blieb aber in schwedischen Besitz bis 1803.

Ein zweiter Spezialzweck der Karte ist die Darstellung der Flussverbindung zwischen Wismar und dem Schweriner See. Es handelt sich um einen im 16. Jahrhundert geschaffenen, aber bald wieder verfallenen Schifffahrtsweg, an dessen Wiederherstellung man in Wismar interessiert war.

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Das Erfurter Gebiet (1716)

 

Die Stadt Erfurt hat innerhalb Thüringens bis in neuere Zeit hinein eine Sonderstellung eingenommen. Die durch Handel frühzeitig zu wirtschaftlicher Blüte gelangte, als Sitz einer alten Universität zu einem bedeutenden Mittelpunkt des Humanismus gewordene Stadt gehörte, zusammen mit einem Landgebiet von mäßiger Größe, bis 1802 zum Erzbistum Mainz, dessen Wappen sie noch heute führt. Karten von Erfurt und Umgebung aus der Zeit vor diesem Jahr sind daher solche des ehemals erzbischöflichen Territoriums. Diese Abbildung zeigt eine dieser Karten. Sie ist erschienen in: J. B. Homann "Großer Atlas über die Gantze Welt", Nürnberg 1716.

Vom kartographiegeschichtlichen Standpunkt aus betrachtet, ist die Geländedarstellung dieser Karte bemerkenswert. Man erkennt das Bestreben, von der Methode der isolierten "Maulwurfhügel" los zu kommen und eine zusammen hängende Wiedergabe der Oberflächenformen zu erzielen, aber nur an wenigen Stellen der Karte sieht man einen geringen Erfolg. Auffallend ist, dass die Fahnersche Höhe und die bewaldeten Höhen südlich und südöstlich von Erfurt einzig durch Waldsignatur bezeichnet sind; der Ettersberg ("mons Aethereus") zeigt Berg- und Walddarstellung vereinigt. Wer die Landschaft kennt, findet auf der Karte mehrere gegenwärtig nicht mehr bestehende Seen angegeben, so den "Schwansee" beim gleichnamigen Dorf und den kleinen See bei Veselbach.

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Karte von Gebieten am Kaspischen Meer (um 1720)

 

Adam Ölschläger oder, wie er sich in seinen Schriften nannte, Olearius (1603-1671) war Teilnehmer einer Gesandtschaftsreise, die der Herzog Friedrich III. von Holstein-Gottorp in den Jahren 1635-1639 nach Persien ausführen ließ und deren Zweck es war, unter Umgehung des von den Portugiesen und Holländern beherrschten Seeweges eine Handelsverbindung mit den Gewürzländern Südasiens herzustellen. Dieser Zweck wurde nicht erreicht, aber die Expedition hatte zur Folge, dass einige in Westeuropa noch kaum bekannte Gebiete, durch die sie führte, für die geographische Wissenschaft erschlossen wurden, und zwar durch die "Beschreibung der Neuen Orientalischen Reise" (1647) des Olearius. Für lange Zeit blieb dieses Werk die wichtigste Quelle für die Kenntnis insbesondere der Gebiete im Südwesten des Kaspischen Meeres, und so wurde noch rund acht Jahrzehnte nach seinem erscheinen eine von Johann Baptist Homann in Nürnberg heraus gegebene Karte dieser Gebiete im wesentlichen nach Olearius entworfen.

Die Karte umfasst neben dem größten Teil des Kaspischen Meeres die Gebiete von Dagestan und Aserbaidshan ("Schirwan") sowie die iranischen Provinzen Azarbaijan ("Adirbeitzan") und Gilan ("Kilania"), letztere im Titel besonders hervor gehoben. Die Gestalt des Kaspischen Meeres, die auf älteren Karten der Wirklichkeit noch wenig ähnlich war, ist hier schon ziemlich richtig getroffen, was allerdings nicht auf Olearius, sondern auf eine andere Quelle zurück zuführen ist. Die Landgebiete zeigen bei aller Unvollkommenheit der Darstellung viele Einzelheiten, die auf früheren Karten fehlten. Das Stadtbild rechts oben stellt die in der Nähe der Terek-Mündung gelegene Grenzfestung Terski dar.

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Karte zur Geschichte Obersachsens im Mittelalter (1732)

 

In der bekannten Offizin von Homanns Erben in Nürnberg, dem bedeutendsten deutschen Kartenverlag des 18. Jahrhunderts, erschienen neben zahlreichen Kopien niederländischer oder französischer Karten auch einige Erstveröffentlichungen. Zu diesen neuen Karten kann auch der vorliegende Kupferstich gezählt werden. Entworfen wurde diese Karte im Jahre 1732 von dem aus Gotha stammenden und in Weimar tätigen Hofrat und Archivar Friedrich Zollmann (1690-1762), der neben verschiedenen historischen Abhandlungen über Sachsen und Thüringen auch einige Geschichtskarten gezeichnet hatte.

Die Entwicklung Obersachsens, wie das sächsisch-thüringische Gebiet lange Zeit genannt wurde, kommt mit allen seinen vom 11. bis 14. Jahrhundert unter der Herrschaft der Wettiner erworbenen Territorien zur Darstellung. Damit gibt Zollmann einen Querschnitt durch die sächsische Geschichte, die mit der Gründung der Markgrafschaft Meißen und ihrer Verleihung im Jahre 1089 an die Wettiner begann, durch den Erwerb des Pleißelandes 1243, der Landgrafschaft Thüringen 1247 und schließlich in den hier dargestellten Grenzen seine größte Ausdehnung fand.

Zollmanns Karte ist der erste bekannte Versuch, die historische Entwicklung Obersachsens kartographisch darzustellen und schon aus diesem Grunde für die Geschichtsforschung sehr  beachtenswert. Nebenbei bietet die Karte auch eine Differenzierung der dargestellten Ortschaften. Neben dem Dorf, dem Kloster und der Burg werden schließlich auch noch zwei Stadtgrößen unterschieden. Siegel namhafter Fürsten und Äbte aus der sächsischen Geschichte sowie Wappen der Territorien und ein Ritterturnier geben ein anschauliches Bild vom feudalistischen Zeitalter.

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Seekarte der norwegischen Küste (1739)

 

Nach der Befreiung von der spanischen Fremdherrschaft wandten sich die volksverbundenen Künstler in Holland sehr stark realistischen Themen zu. Zum Gegenstand der Malerei wählten sie Szenen aus dem täglichen Leben, besonders des Bürgertums und der niederen Volksschichten, z. B. der Bauern und Fischer. Die Stilelemente des Barocks blieben zwar nicht ganz ohne Einfluss, wirkten aber meist nur im formalen Sinne. Den Künstlern ging es weniger um modische Effekt, sondern um Darstellungen des täglichen Lebens. Auch die Karten weisen entsprechende Verzierungen auf. Ein Beispiel für die wirklichkeitsnahe Ausschmückung der Seekarten bietet die vorliegende Karte der norwegischen Küste des Amsterdamer Kartenverlegers Louis Renard, auf dessen Seekarten große Kartuschen mit sachlich bezogenem Schmuckwerk zu finden sind. Der für Norwegen typische Fischfang, besonders Dorsch und Hering, sowie das Rentier als Zugtier, Rinder und Ziegen als Haustiere, bieten ein anschauliches Bild vom Leben der Fjordbewohner.

Im Jahre 1715 gab Renard seinen ersten Navigationsatlas heraus, dessen Karten Frederik de Wits Vorlagen entstammten, wobei nur geringfügige Korrekturen vorgenommen wurden. 1739 folgte eine zweite Auflage, aus der die vorliegende Karte ausgewählt wurde. Sie weist im Vergleich zur ersten Auflage einige Namensergänzungen im Skagerrak auf. Der Küstenverlauf zeigt dagegen keine Veränderungen. Da sich schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts das Interesse der Niederländer überseeische Gebiete und arktischen Gewässern zu gewandt hatte, wo Kolonien gegründet bzw. der Walfang betrieben wurden, blieben die Küsten der Nord- und Ostsee, die man ja einigermaßen zu kennen glaubte, außerhalb der eigentlichen Erforschung. So stützten sich die holländischen Hydrographen bei der Bearbeitung der Karten dieser Gebiete auf nautische Nachrichten, die sie aus den Anliegerländern erhielten. Viele Seekarten dieser Zeit sind deshalb sehr stark veraltet. Lediglich die kunstvoll gestalteten Kartuschen, die den Käufer animieren sollten, haben ihren Reiz auch für uns nicht verloren.

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Karte des Merseburger Territoriums (um 1740)

 

Viele Karten der Barockzeit sind mit allegorischen Bildwerk verziert worden. Zunächst wurden Szenen aus der antiken Mythologie oder Motive des Christentums bevorzugt. Im 18. Jahrhundert traten an ihre Stelle immer mehr der Wirklichkeit entsprechende Abbildungen mit sachlichem Informationswert, textliche Erläuterungen oder Ansichten von Städten.

Die vorliegende Karte des Merseburger Gebietes, von Peter Schenk in Amsterdam gestochen, zeigt bereits in der Dekoration typische Kennzeichen des Spätbarocks. So gelangten in der Titelkartusche Hinweise sowohl auf die Weinzubereitung als auch die Bierbrauerei, zur damaligen Zeit beides wichtige Erwerbszweige dieser Gegend, zur Darstellung. Auch die Abbildung einer Ansicht von Merseburg, der einstigen Bischofsstadt und nach der Teilung Kursachsens Residenz des selbständigen Herzogtums Sachsen-Merseburg, deuten auf ein stärkeres Hinwenden zur Versachlichung. Während als Vorlage für die Ansicht der von Peter Schenk d.Ä. 1702 im Ansichtenband "Hecatompolis" veröffentliche Stich benutzt wurde, standen für die Kartendarstellung die Vermessungsunterlagen von Adam Friedrich Zürner (1679-1742) zur Verfügung. Im Auftrag Augusts des Starken hatte dieser Kartograph, ursprünglich Pfarrer in Skassa bei Großenhain, 1721 zum kurfürstlichen "Land- und Grenz-Comissarius" ernannt, ganz Sachsen und seine Randgebiete kartiert. Nach Zürners Tode erwarb Peter Schenk dessen Handzeichnungen und veröffentlichte die Karten einzeln oder in Atlasform. Diese undatierte Einzelkarte wurde bereits 1745 durch einen zum Teil ergänzten Stich ersetzt, der dann Aufnahme im "Neuen Sächsischen Atlas" fand.

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Die Stadt Gotha (um 1730)

 

Der Stich von Gotha, den diese Abbildung zeigt, ist gegen Ende der Regierungszeit des prachtliebenden Herzogs Friedrich II. (1691-1732) entstanden, der, wie andere kleine Fürsten des 18. Jahrhunderts, seine Residenz nach dem Muster des französischen Hofes umzugestalten suchte. Nicht geeignet zu Veränderungen in solchem Sinne war das damals schon alte, an der Stätte einer ehemaligen Burg Grimmenstein auf beherrschender Höhe 1643-1648 erbaute Schloss Friedenstein mit seinen strengen, im Geiste betonter Einfachheit gehaltenen Formen. Daher ließ der Herzog in den Jahren 1711-12 am Fuße des Schlosshügels ein neues Schloss "Friedrichstal" errichten, und diesen spätbarocken Bau ließ er mit figurenreichen Gartenanlagen im streng regelmäßigen französischen Gartenstil seiner Zeit umgeben; den Abschluss bildete ein großes Grottengebäude. Ihres fürstlichen Charakters wegen ist diese gesamte Anlage, von der leider im wesentlichen nur das Schloss erhalten geblieben ist, auf dem Stich stark hervor gehoben worden. Man erkennt das bei einem Vergleich mit der Stadt, die in weit kleinerem Maßstab dargestellt ist. Die aus einer erstmals im Jahre 775 erwähnte Ansiedlung hervor gegangene, in ihrer städtischen Eigenschaft etwa seit der Mitte des 12. Jahrhunderts bestehende Stadt sieht man von der 1663-76 erbauten, im Bilde überbetonten Bastionärbefestigung umgeben, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetragen wurde.

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