Historische Landkarten - Teil 4
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Ein Blatt aus einem Manuskript-Weltatlas
von Diego Homem (1547-1576)
Wenn
eine Karte zum Druck bestimmt ist, muss der Kartograph schon bei der Zeichnung
die technischen und auch die ökonomischen Erfordernisse des gesamten
Herstellungsprozesses beachten. Dazu gehört, dass er sich hinsichtlich der
Feinheit des Details und besonders auch der Anzahl der Farben bestimmten
Beschränkungen unterwirft. Frei von solchen Zügeln haben die Verfertiger früher
Manuskriptkarten, an deren Vervielfältigung nicht gedacht wurde, ihrer
Gestaltungsfreude nachgeben können, und so überraschen insbesondere die
Seekarten des Entdeckungszeitalters durch den Reichtum an liebevoll ausgeführten
Einzelheiten des geographischen Inhalts, mehr aber noch des Schmuckwerks. Der
Zweckbestimmung dieser Karten entsprechend sind auf ihnen die Landflächen
entweder leer gelassen oder nur mit Wappen und anderen politischen Symbolen
ausgefüllt, während sich an den Küsten das Bemühen erkennen lässt, trotz
vielfach noch ungenügender Kenntnis jeden Landvorsprung, jede Bucht und jede
Flussmündung darzustellen und jeden bemerkenswerten Punkt mit einem Namen zu
versehen. Die jüngeren Karten dieser Art sind mit einem System von Kompasslinien
versehen, an deren Schnittpunkten, so weit sie innerhalb von Meeresflächen
liegen, sich prachtvoll gezeichnete Kompassrosen befinden, und besonders die
portugiesischen Kartographen haben ihren Ehrgeiz daran gesetzt, jede dieser
Rosen verschieden zu gestalten, nicht nur innerhalb der einzelnen Karte, sondern
auch innerhalb ganzer Kartenwerke.
Diese Abbildung zeigt ein Blatt aus einem Manuskript-Weltatlas des Portugiesen
Diego Homem (1547-1576), und zwar die Karte eines Teiles des Indischen Ozeans
mit Madagaskar. Die eigentümliche Punktsignatur bezeichnet Untiefen.
Weltkarte aus der Ptolemäusausgabe
des Bernardo Silvano, Venedig 1511
Weltkarte nach Ptolemäus aus der
Kosmographie
des Sebastian Münster, Basel 1544
Karte von Sumatra aus der Kosmographie
des Sebastian Münster, Basel 1544
Karte des Gebietes zwischen Ägypten und
Palästina
von Jacob Ziegler, Straßburg 1532
Karte des Pazifischen Ozeans von
Abraham Ortelius, Antwerpen 1590
Karte von Asien von
Abraham Ortelius (1570)
Karte von Afrika aus einem Werk
von Heinrich Bünting
Karte von Nordeuropa und den Nordatlantik
von Abraham Ortelius (1570)
Karte der Oberlausitz von
Bartholomäus Scultetus, Görlitz 1593
Im 16. Jahrhundert
und besonders in seiner zweiten Hälfte sind viele Länder und Landschaften zum
ersten mal in Karten dargestellt worden. Bei aller Verschiedenheit, welche diese
Karten deswegen zeigen, weil ihre Autoren unabhängig von einander nach eigenem
Gutdünken arbeiteten, lässt sich doch eine gewisse Entwicklung erkennen. Sie
führt von einer Darstellungsweise, die auf bildhafte Wirkung hinzielte, zu einer
unserer gegenwärtigen Kartographie wesentlich näheren, mehr abstrakten Lösung
der kartographischen Aufgabe. Diese Entwicklung ist auch an dem Unterschied der
beiden Karten zu erkennen, die Bartholomäus Scultetus (1540-1614) geschaffen
hat. Seine Karte von Sachsen ist im Jahre 1568, die der Oberlausitz im Jahre
1593 erschienen, und das zwischen diesen beiden Erscheinungsjahren liegende
Vierteljahrhundert hat, obwohl beide Karten in Holzschnitt ausgeführt sind,
genügt, um den Wandel des Kartenstils auch am Werk des einzelnen Autors
erkennbar zu machen.
Im Gegensatz zu der älteren Karte, die großenteils aus fremden, in seinen Teilen
sehr verschiedenwertigem Material zusammengestellt wurde, beruht die hier
abgebildete neue Karte, auf welcher übrigens Süden oben ist, im wesentlichen auf
eigenen Vermessungen, die Scultetus auf elf mehrtägigen, über sechs Jahre
verteilten Reisen ausgeführt hat. Dem entspricht die weit größere Genauigkeit
der zweiten Karte. Auf ihr ist vor allem das Flussnetz annähernd richtig
dargestellt. Alle wichtigen Gebirge und bemerkenswerten Einzelberge - so der
Oybin - sind auf genommen, ebenso die Grenzen der einzelnen großen Oberlausitzer
Herrschaften. Eine Besonderheit der Oberlausitzkarte aber, die sie vor allen
anderen Karten ihrer Zeit voraus hat, ist die Eintragung der deutsch-sorbischen
Sprachgrenze nach ihrer damaligen, von der heutigen sehr verschiedenen Lage.
Karte der Küste von Nordportugal im
Seeatlas des L. J. Waghenaer, Leiden 1584
Karte der Küsten von Europa und
Nordwestafrika
von Pieter Goos, Amsterdam um 1660
Karte von Virginia und Florida im Atlas
von Mercator-Hondius, Amsterdam 1606
Karte des Erfurter Gebietes
von Nikolaus Person, Mainz 1675
Karte von Italien des Henricus Hondius,
Amsterdam 1631
Das Schwarze Meer in einer
historischen Karte nach Sanson d. Ä., Amsterdam o.J.
Karte von Sardinien und Sizilien aus der
Ptolemäusausgabe des Gerhard Mercator, Köln 1578
Karte von Nord- und Mittelamerika
von Hubert Jaillot, Paris 1694
Karte der Umgebung von Mexico
von Juan Lopez, Madrid 1785
Karte von Ceylon aus einem Atlas
des Verlages T. C. Lotter, Augsburg o.J.
Ein Blatt aus der Karte vom Delfland
von N. und J. Kruikius, 1712
Ausschnitt aus der Karte von Südtirol
von J. v. Sperges, 1762