Historische Landkarten - Teil 3

 

Alle Karten können durch anklicken vergrößert werden.

Böhmen (1545)
Teil des Indischen Ozean nach Ptolemäus
Nordeuropa (1532)
Stadtplan von Augsburg (Mitte des 16. Jahrhunderts)
Russland (1562)
Toscana nach Buonsignori (1584/1595)
Küste Bretagne aus dem Seeatlas des L.J. Waghenaer (1584/85)
Schwarze Meer im Altertum von A. Ortelius (1590)
Tremiti-Inseln nach Natale Bonifacio
Genfer See (1605)
Alexandria in der Zeit der osmanischen Herrschaft
Karte des Prätigaus von H. C. Gyger (1634)
Nordpolargebiet aus Janszoons "Atlas Novus" (1638)
Grafschaft Nizza von N. de Fer (1693)
Bistum Merseburg (etwa Ende 17. Jh.)
Bautzen (Anfang 18. Jh.)
Brandenburg (um 1720)
Breisach und Neuf-Brisach (1743)
Teil des Finnischen Meerbusens auf einer Seekarte des 18. Jh.
Umgebung von Kairo aus der Mitte des 18. Jh.
Ämterkarte von A. F. Zürner (1760)
Karte zur Entstehung des Trollhätta-Kanals
Karte der Schifffahrtswege im Atlantik (1782)
Teil der Mecklenburgischen Seenplatte im Schmettauschen Kartenwerk

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Die Karte von Böhmen
des Sebastian Münster (1545)

 

Die hier abgebildete Karte, auf der Süden oben ist, ist eine verkleinerte Wiedergabe der Karten von Böhmen des Mikulas Kulha (Nicolaus Claudianus) aus dem Jahre 1518. Sebastian Münster hat sie in seiner Ptolemäusausgabe von 1545 und so dann von 1550 an in seiner "Kosmographie" veröffentlicht. Bemerkenswert ist ein aus der Vorlage übernommenes thematisches Element, die Unterscheidung der Ortschaften nach der herrschenden Konfession: der Kelch bedeutet hussitisch, die gekreuzten Schlüssel bedeuten katholisch.

 


 

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Ein Teil des Indischen Ozeans
auf einer Karte nach Ptolemäus

 

Die Erkenntnis des Altertums ist um 150 u. Z. von dem alexandrinischen Gelehrten Claudius Ptolemäus zusammen gefasst worden. Dies geschah in Form eines Text- und Tabellenwerkes, das zum Entwerfen von Karten anleiten sollte und tatsächlich zur Entstehung einer geschlossenen Folge von Teilkarten der im Altertum bekannt gewesenen Erdgebiete, also einer Art von Atlas geführt hat. Diese Kartenfolge, die im Zeitalter des Humanismus in den gedruckten Ptolemäusausgaben verbreitet, hat in der Geschichte der Geographie eine bedeutende Rolle gespielt; auch auf die Herausbildung der geographischen Namen gewann sie Einfluss, der aber im allgemeinen nicht von Dauer war. Dies gilt auch für die Namen der Meere, wie es die Namen auf der östlichsten Teilkarte Asiens zeigen, die hier aus einer der bekanntesten Ausgabe des Werkes abgebildet ist. Der "Sinus Gangeticus" ist der jetzige Golf von Martaban; der "Sinus Perimulitus" wird als der jetzige Golf von Thailand, der "Magnus Sinus" als das Südchinesische Meer gedeutet. Die Namen dreier kleiner Golfe in Äquatornähe am östlichen Kartenrand, von denen einer "Sinarum Sinus" (Golf der Chinesen) lautet, lassen sich nicht sicher mit Namen der Gegenwart in Zusammenhang bringen. So lebt von Meeresnamen auf dieser Karte nur "Mare Indicum" in unserem Indischen Ozean fort.

Die Karte von Hinterindien ("India extra Gangem") ist der von Martin Waldseemüller bearbeiteten, 1513 in Straßburg erschienen Ptolemäusausgabe entnommen.

 

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Die Karte von Nordeuropa
des Jacob Ziegler (1532)

 

Diese Karte beruht auf Mitteilungen, die Jacob Ziegler während eines Aufenthaltes
 in Rom dort von einigen aus den nordischen Ländern stammenden Gelehrten erhalten hat.

Dass die Karte auf nur ungenauen Informationen beruht, verrät sie durch die skizzenhafte, vielfach aus geraden Strichen bestehende Darstellung der Küsten. Dem entspricht auch die Art, in der die Erhebungen dargestellt sind: durch Reihen kleiner Bergbilder, die zwar im Holzschnitt unterschiedlich aus geführt sind, mit denen aber nirgends versucht wird, die wahre Gestalt der Erhebungen wieder zu geben. Dies gilt auch für die im nördlichen Finnaland dargestellte Hügelreihe und für den sagenhaften Berg Hvetsargh (Hvitserk) in Grönland.

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Russland auf einer Karte von 1562

 

Die wenigen im 16. Jh. in Westeuropa verbreitenden Karten von Russland sind Werk nicht russischer Autoren, und ihr Inhalt beruht im wesentlichen auf Ergebnissen mündlicher Erkundungen bei Gelegenheit von Reisen, die keineswegs kartographischen Zwecken diente. Dem entsprechen die Mängel dieser Karten, insbesondere was die Darstellung der Gewässer anbetrifft. Als Beispiel zeigt diese Abbildung die Karte des Engländers Anthony Jenkinson aus dem Jahre 1562. Einigermaßen richtig sind in ihr die Gewässer nur in der Umgebung des Weißen Meeres dargestellt, wo die Erfahrungen der dort seit 1553 tätig gewesenen englischen Handelsgesellschaft zu verwerten waren und im Westteil der Karte, wo viele zutreffende Einzelheiten aus der 1555 erschienen Karte des Anton Wied übernommen werden konnten. Im ganzen übrigen Raum seiner Karte aber zeigt Jenkinsons Darstellung größte Unsicherheit. Dies gilt sogar für die Gegenden in denen er gereist ist. So gibt er dem Kaspisee, den er befahren hat, die aus den antiken Überlieferungen bekannte falsche Grundform. Wo er ganz auf fremde Berichte angewiesen war, werden die Irrtümer noch größer. So setzt er den Aralsee, von dem er in Turkestan hörte, mit dem in Herbersteins Karte von 1546 enthaltenen "Kythay-See" gleich und lässt ihn durch den Ob entwässern.

Anthony Jenkinson, der von 1525 bis 1611 lebte, wurde nach Handelsreisen im Mittelmeergebiet im Jahre 1557 mit der Führung einer Handelsdelegation nach Moskau betraut; speziell sollte er die Möglichkeit von Handelsbeziehungen mit China und Persien erkunden. Er reiste mehrmals in Russland. Seine Karte, über deren Original nichts bekannt ist, erschien 1570 im "Theatrum orbis terrarum" des Abraham Ortelius.

     

 

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Karte der Toscana
nach Bounsignori (1584/1595)

 

Die mit dem Wappen der Medici geschmückte Karte stellt das Großherzogtum Florenz nach dem Stande vom Ende des 16. Jh. dar. Sie enthält eine große Fülle von Ortschaften, und diese sind nach ihrer Bedeutung in einer Weise unterschieden, die für die Atlaskartographie der Zeit charakteristisch ist: Die genaue Lage jeder Siedlung wird durch einen kleinen Kreis, einen "Ortsring" bezeichnet. Mit diesem verbunden ist bei den kleinsten Orten das Bild eines einfachen Gebäudes, meist eines Turmes. Bei den größeren sind es mehrere Gebäude und die bedeutenderen Städte sind durch schematisierte Stadtbilder hervor gehoben, die auch individuelle Züge auf weisen; so ist in dem Zeichen für Florenz die Kuppel des Domes nicht zu über sehen. Dargestellt sind auch einige Ruinenstätten und zwar durch kleine Gruppen senkrechter Striche. Als Beispiel seien die Ruinen der Etruskerstädte Luna (bei La Spezia) und Populonia (bei Piombino) genannt.

In der hier reproduzierten Form bildet die Karte ein Blatt in dem Kartenwerk "Theatrum orbis terrarum" des Abraham Ortelius. Ihre Quelle ist eine Karte, die Stefano Buonsignori, ein Mönch aus dem Kloster Monte Oliveto, im Jahre 1584 aus geführt hat und die nach dessen Tode (1589) mit geänderter Jahreszahl "1594" von neuem heraus gegeben wurde. Ortelius wusste von der ersten Ausgabe, aber benutzen konnte er offenbar erst die zweite, denn er hat die Karte erst 1595 in sein Werk auf genommen, wo sie die Karte "Thuscia" des Girolamo Bellarmato ersetzte.

 

 

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Eine Karte aus dem Seeatlas
des L. J. Waghenaer (1584/85)

 

Die Karten Lucas Janszoon Waghenaer stellen die Küsten in Abschnitte zerlegt in ungefähr gleichem Maßstab dar, jedoch mit ständig wechselnder Orientierung, nämlich immer so, dass der betreffende Küstenteil oben ist. Ihre besondere Eigenart besteht in den eingefügten Küstenprofilen. Das hier abgebildete Beispiel zeigt einen Küstenteil der Bretagne mit der Loiremündung und stammt aus einer unkolorierten deutschen Ausgabe.

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Die Karte des Schwarzen Meeres
im Altertum von Abraham Ortelius (1590)

 

Nur in einem aus Geschichtskarten bestehenden Anhang, den Ortelius seinem Kartenwerk von der Ausgabe 1579 an unter dem Titel "Parergon" (Beiwerk) bei gab und der von 3 bis auf 40 Blatt an wuchs, war er selbst Autor. Aus diesem Anhang, der bei gesondertem Erscheinen der erste Geschichtsatlas hätte werden können, zeigt diese Abbildung die von 1590 datierte Karte des Schwarzen Meeres im Altertum.

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Eine Karte der Tremiti-Inseln
nach Natale Bonifacio

 

Die Tremiti-Inseln, im Altertum Inseln des Diomedes genannt, sind eine Inselgruppe im Adriatischen Meer, 21 km vom italienischen Festland und zwar von der Halbinsel des Monte Gargano entfernt, nördlich des "Sporns des italienischen Stiefels". Mit ihrer Gesamtfläche von kaum drei Quadratkilometern sind die Inseln so klein, dass sie auf Übersichtskarten nur als Punkt erscheinen. Und doch haben sie frühzeitig eine groß maßstäbige Darstellung gefunden. Wer diese entworfen hat ist nicht bekannt; man kennt nur den Stecher. Es war dies Natale Bonifacio, geboren 1538 in der damals zu den Besitzungen der Republik Venedig gehörigen Stadt Sebenico (jetzt Sibenik), dort auch gestorben 1592. Er arbeitete in Venedig, später in Rom, und war auf dem Spezialgebiet von Karten und Plänen einer der besten Kupferstecher seiner Zeit. Die meisten seiner Arbeiten hat er nur mit N.B. signiert. Auch die Darstellung der Tremiti-Inseln zeigt in ihrer ursprünglichen Ausgabe dieses Signum und eine auf ihr enthaltene Widmung nennt das Jahr 1574. In späteren Abdrucken und in Neustichen fehlen Signum und Jahreszahl; so auch auf dem Blatt des Atlas von J.Covens & C.Mortier (Amsterdam 1683 ff.), das dieser Reproduktion zu Grunde liegt.

Die Darstellung ist ein Mittelding zwischen Karte und Vogelschaubild, dem letzteren wesentlich näher stehend. Nur mit einem Ausdrucksmittel dieser Art ließ sich das Relief der Inseln anschaulich wieder geben, so etwa die Tatsache, dass auf der Insel San Nicola das Gelände vom Kloster zum Hafen hin stufenförmig ab steigt. Besonders die Steilküsten der drei größeren Inseln ließen sich nicht anders aus drücken und es ist bemerkenswert, dass bei ihrer Wiedergabe bis zu den Einzelheiten wie den kegelförmigen Felsen im Norden von San Domino gegangen wurde.

 

 

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Eine Karte des Genfer Sees aus dem Jahre 1605

 

Karten aus dem 16. und 17. Jahrhundert  haben gewöhnlich politische Territorien zum Gegenstand; selten sind solche von geographischen Objekten wie etwa großen Seen. Als Beispiel dieser Art zeigt diese Abbildung eine Karte des Genfer Sees, die inhaltlich auf ein Urbild aus den achtziger Jahren des 16. Jh. zurück geht. Es ist bemerkenswert, dass gerade dieser See, dessen Studium so viel zur Entwicklung der modernen geographischen Seenkunde beitrug, schon so früh eine verhältnismäßig genaue kartographische Darstellung erfahren hat. Die Gestalt des Sees im ganzen ist recht gut getroffen und auch der Verlauf der Uferlinien im einzelnen kommt an vielen Stellen der Wirklichkeit nahe. Interessiert hat den Autor auch die Tiefe des Sees, aber es fehlte an Messungsergebnissen und so konnte er nur anführen, dass an einer Stelle die Schiffer in 500 Klafter Tiefe noch keinen Grund gefunden hätten; das wären mehr als 900 Meter, während die Maximaltiefe des Sees nur 310 Meter beträgt.

Autor der Karte, auf welcher Südosten oben ist, ist der Pfarrer Jacques Goulart aus Genf (1580-1622). Sie ist eine wesentlich verbesserte Neubearbeitung der im Jahre 1588 gedruckten, aber wohl schon mindestens zehn Jahre früher gezeichneten Karte des Jean du Villard (1532 bis 1610). Gestochen wurde die Karte des Goulart in Genf 1605, gedruckt wurde sie 1606 im Atlas von Mercator-Hondius und in dessen weiteren Ausgaben bis 1633. Aus einer dieser Ausgaben stammt diese Abbildung. Auch andere Atlanten der Zeit wurde die Karte übernommen, meist in Nordorientierung um gezeichnet.

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Die Karte des Prätigaus von H. C. Gyger (1634)

 

Der Fortschritt in der Wiedergabe der Oberflächenformen von der schematischen zur wirklichkeitsnahen Abbildung hin vollzog sich begreiflicherweise zuerst in Ländern mit starkem Relief und hier wiederum bei Karten in größeren Maßstäben, die eine individuelle Darstellung der Einzelformen ermöglichen. So gehörten Schweizer Kartographen zu den ersten, in deren Arbeiten sich dieser Fortschritt fest stellen lässt. Unter ihnen ist Hans Conrad Gyger wichtig, geboren am 22. Juli 1599 in Zürich, ebendort gestorben am 25. September 1674. Er erlernte zuerst das Malerhandwerk, folgte aber schon frühzeitig seiner Neigung und Begabung für Mathematik und deren Anwendung in der Kartographie, angeregt während seiner Gesellenwanderung in Oppenheim durch Matthäus Merian. Bereits 1620, als er erst 21 Jahre alt war, wurde eine Karte der Nordostschweiz fertig, an welcher er die Hauptarbeit geleistet hat. Seine weiteren Arbeiten waren Pläne und Karten, die er in privatem oder amtlichem Auftrag aus führte. Sein Hauptwerk wurde eine große gemalte Karte des Kantons Zürich, die er nach 38jähriger Arbeit 1667 vollendete und in der er sich als Meister der Geländedarstellung erwies, der seiner Zeit um zwei Jahrhunderte voraus war.

Die hier reproduzierte Karte des Prätigaus, des von der Landquart durchflossenen Teiles von Graubünden, entstand 1634 im Auftrag Merians und zwar zur Veranschaulichung kriegerischer Ereignisse des Jahres 1622. Die Karte beruht nicht auf Messungen Gygers, sondern auf Benutzung vorhandener mangelhafter Karten. Dazu kam aber die eigene Anschauung des Reliefs und so ergab sich ein Kartenbild, das mit seiner wirklichkeitsnahen Wiedergabe der Gebirgsgruppen in dem damals 35jährigen Autor den späteren Meister der zeitgenössischen Reliefdarstellung schon ahnen lässt.

 

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Die Karte des Nordpolargebietes
aus Janszoon "Atlas Novus" (1638)
 

 

Die hier abgebildete Karte des Nordpolargebietes erschien in der niederländischen Ausgabe 1638 des Janszoon "Atlas Novus". Übernommen wurde sie aus der Ausgabe 1636 des Atlas
Mercator-Hondius.

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Die Karte der Grafschaft Nizza von N. de Fer (1693)

 

Während der zweiten Hälfte des 17. Jh. machte die mit astronomischen Mitteln betriebene geographische Ortsbestimmung in Frankreich entscheidende Fortschritte und so waren es in erster Linie französische Kartographen, die für ihre Arbeiten die neuen Erkenntnisse verwerten konnten. Zu ihnen gehörte Nicolas de Fer (1646-1720), der in Paris als Kupferstecher, Kartograph und Kartenverleger wirkte und eine ungewöhnlich große Produktivität entfaltete. Die Anzahl der von ihm geschaffenen oder heraus gegebenen Karten wird mit ungefähr 600 an gegeben. Seine Karten waren wegen ihres den Zeitgeschmack treffenden Schmuckwerkes sehr geschätzt, aber die Mängel der kartographischen Ausführung besonders seiner späteren Karten entgingen den Zeitgenossen nicht. Aus der Werkstatt des de Fer gingen hervor: eine Weltkarte, Karten der Erdteile, Karten von Frankreich insgesamt und seiner Teile in politischer und kirchlicher Hinsicht, Karten wichtiger Flüsse, Geschichtskarten, Stadtpläne und dergleichen. Dazu kamen drei Atlanten. Einige dieser vielen werke erschienen in mehreren Auflagen.

Diese Reproduktion zeigt de Fers Karte des südlichen Teils des französischen Grenzgebietes, bestehend aus der Grafschaft Nice (Niza), dem Marquisat Salusse (Saluzzo) und dem Fürstentum Monaco. Das Blatt ist zum weitaus größten Teil von Gebirge aus gefüllt. Die höchsten Erhebungen und schroffsten Bergformen gibt es in den Cottischen Alpen, wo nahe dem oberen Kartenrand der Monte Viso eine Höhe von 3841 m erreicht. Geringere Höhen und weniger steile Formen weisen die südlich des Flusses Stura sich anschließenden Seealpen auf. Diese Unterschiede kommen in der Karte, da die angewandte Methode der Bergdarstellung zu übertrieben schroffen Formen führt, nur in geringem Maße zum Ausdruck, aber die plastische Wirkung des Ganzen ist vortrefflich.

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Das Bistum Merseburg in einer
Manuskriptkarte der Barockzeit
(etwa Ende 17. Jh.)

 

Die schöne Manuskriptkarte zeigt das Bistum Merseburg, bestehend aus den Ämtern Lauchstädt, Merseburg, Schkeuditz und Lützen. Hauptzweck der Darstellung ist offenbar die genaue Wiedergabe des Verlaufs aller Grenzen, wie dies besonders an der Berücksichtigung selbst der kleinsten Enklaven zu erkennen ist. Aber auch auf die Landstraßen scheint es bei der Zeichnung angekommen zu sein. Die Städte sind aus der Menge der für die kleinen Orte angewandten gleichartigen Signaturen durch Ortsbilder heraus gehoben, die zum Teil bestimmte Gebäude erkennen lassen. Die Karte gehört zu einer Gruppe gleichartig aus geführter Blätter; der Kartograph ist unbekannt und auch die Entstehungszeit ist nur ungefähr bestimmbar.

Allgemein kartographiegeschichtlich gesehen, ist das Bemerkenswerte an dieser Karte die Art ihrer Beschriftung. In einer Gegenströmung zum Humanismus der die Frakturschrift aus der Kartographie verbannt und die Antiqua in ihr zur Alleinherrschaft gebracht hatte, entdeckte man im Barock das Nebeneinander der beiden Schriften nicht nur als Behelf zur Unterscheidung, sondern vor allem als Mittel zur Steigerung des künstlerischen Ausdrucks. Für beides ist diese Karte ein gutes Beispiel und wie weit man insbesondere die dekorativen Möglichkeiten der wieder entdeckten Fraktur nutzen konnte, zeigen die bis zur Unleserlichkeit verschnörkelten Anfangsbuchstaben der Ämternamen.

 

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Brandenburg nach Gundling (um 1720)

 

Diese Abbildung zeigt aus der "Land-Charte des Chur-Fürstenthums Brandenburg" von J. P. Freiherrn von Gundling einen Ausschnitt. Diese in Amsterdam im Verlag von J. Covens & C. Mortier erschienene Karte ist undatiert, aber es wird überliefert, dass ihr von J. C. Busch in Berlin aus geführter Stich um 1725 fertig geworden ist. Die Karte beruht auf Material, das ihr Autor auf Reisen durch die Mark in den Jahren 1713 bis 1715 gesammelt hat und daher ist sie für die historische Landeskunde von einigem Wert.

Jakob Paul Frhr. von Gundling, der von 1673 bis 1731 lebte, hat mehrere Werke zur Geschichte und Statistik insbesondere Brandenburgs verfasst. Aber nicht seiner Schriften wegen ist er weithin bekannt geworden sondern wegen der Rolle, die er im "Tabakskollegium" Friedrich Wilhelms I. gespielt hat. Seine Eigenheiten und besonders seine Neigung zum Trunk machten ihn zur willkommenen Zielscheibe von rohen Späßen des Königs und seiner Kumpane. Selbst Ehrungen wie die Ernennung zum Akademiepräsidenten - als Nachfolger eines Leibniz! - und die Erhebung in den Freiherrnstand geschahen nur zum Hohn. Zu schwach, um sich gegen die unwürdige Behandlung zu wehren, sank Gundling nahezu zum Hofnarren herab. Zu dem vielfach behaupteten Begräbnis in einem Weinfass ist es zwar nicht gekommen, immerhin aber bei der Totenfeier zur Aufbahrung in einem fassähnlichen Gebilde.

 

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Breisach und Neuf-Brisach (1743)

 

Ein System von Bastionen bestimmt auf alten Karten und Plänen den Eindruck von Städten, die im 17. und 18. Jh. befestigt worden sind. Diese Art der Befestigung wurde von Frankreich durch Sebastien de Vauban (1633-1707) zur höchsten Vollendung gebracht. Angewandt wurde sie bei älteren Städten zumeist so, dass man die Bastionen außerhalb des bestehenden Mauerrings anlegte. Da man hierbei auf die Geländeformen und auf Gewässer Rücksicht zu nehmen hatte, ergaben sich gewöhnlich starke Abweichungen von der auf Regelmäßigkeit zielenden Theorie, deren Forderungen nur bei völlig neuen Anlagen zu erfüllen waren. Diese Karte veranschaulicht diesen Gegensatz. Das rechtsrheinische Breisach (Vieux Brisac), auf einem Felsplateau gelegen, wurde schon von den Römern befestigt und in seiner wechselvollen Geschichte wurden die Befestigungen den Fortschritten der Kriegstechnik ohne wesentliche Umgestaltungen angepasst. Erst in den Jahren nach 1675, als die französische Regierung die Stadt zu einer uneinnehmbaren Festung ausbauen ließ, wurden an der Landseite unter Niederlegung der Vorstädte die auf dieser Karte sichtbaren Bastionen angelegt. Der so entstandenen unregelmäßig gestalteten Festung Breisach gegen über, die Frankreich 1697 abtreten musste, schuf Vauban 1699 sein Meisterwerk, die Stadt Neuf-Brisach (Nouveau Brisac). In der Ebene und auf bisher unbebauten Gelände angelegt, konnte sie ganz die der Theorie entsprechende völlig regelmäßige Gestalt annehmen. Alles an dieser Stadt wurde nach militärischen Gesichtspunkten geordnet; selbst der quadratische Platz in der Mitte war nicht etwa ein Markt, sondern ein Exerzierplatz.

Diese im Jahre 1743 entstandene Karte, auf welcher Osten oben ist, zeigt den Rhein in seinem damaligen, noch nicht durch Stromregulierungen veränderten Zustand.

 

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Ein Teil des Finnischen Meerbusens
auf einer Seekarte des 18. Jahrhunderts

 

Fern von den Niederlanden gelegen, in denen die ersten Seeatlanten erschienen sind, blieb der Finnische Meerbusen und insbesondere sein östlicher Teil im Seekartenwesen, verglichen mit den westlichen und mittleren Teilen der Ostsee lange zurück. Um so deutlicher treten dann jedoch hier die Fortschritte in Erscheinung, die während des 17. Jh. durch die eigenen hydrographischen Leistungen der Ostseeländer erreicht wurden. Lehrreich ist ein Vergleich einer Seekarte des Finnischen Golfs, die in den dreißiger Jahren des 18. Jh. entstanden sein dürfte, mit dem entsprechenden Blatt des Werkes "Spieghel der Zeevaerdt" von L. J. Waghenaer aus dem Jahre 1585: damals das auf flüchtiger Erkundung beruhende Bild einer Küstengestalt, die mit der Wirklichkeit wenig gemein hat - die Newabucht findet man nicht einmal angedeutet -, jetzt die durch systematische Beobachtungen und zum Teil durch Vermessung gewonnene, der Wirklichkeit sehr nahe kommende Karte des Golfs und seiner Umgebung. Besonders deutlich wird der Fortschritt an der Darstellung der Newabucht und den Ortschaften ihrer Umgebung. Auf dem hier abgebildeten Teil der Karte sieht man die im Jahre 1703 gegründete Stadt Sankt Petersburg mit den bei ihr angelegten Befestigungen und Lustschlössern, zu denen die naturalistisch abgebildeten Erdhütten ländlicher Siedlungen in krassen Gegensatz stehen.

Die Karte, von der hier nur das südöstliche Viertel abgebildet wird, hat den Titel "Nieuwe Afteekening van de Finlandse Golf of Bodem". Als Kartograph ist der in Sankt Petersburg tätig gewesene Holländer Abraham Maas an gegeben. Erschienen ist die Karte, leider ohne Jahreszahl, in Amsterdam im Verlag des Johannes van Keulen.

 

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Eine Karte der Umgebung von Kairo
aus der Mitte des 18. Jahrhunderts

 

In manchen Fällen haben laienhaft gezeichnete Karten, die dem Interesse für die Altertümer des Landes ihre Entstehung verdanken, viel zur Kenntnis der selben bei getragen. Als Beispiel dafür zeigt diese Karte des französischen Reisenden und Archäologen Claude-Louis Fourmont (1703-80). Er hat sie gezeichnet auf Grund von Beobachtungen, zu denen ihm ein vierjähriger Aufenthalt in Kairo (1746-49) beim dortigen französischen Konsul Gelegenheit bot. Es handelt sich um eine Karte der Umgebung von Kairo, jedoch betitelt nach zwei bedeutenden Ruinenstätten, die nördlich und südlich den dargestellten Teil des Niltales begrenzen. Fourmont hat, um die Landschaft so abbilden zu können, wie man sie von den Mokattam-Höhen östlich von Kairo sieht, seine Karte so angelegt, dass Westen ungefähr oben ist. Somit bildet der Rand der Libyschen Wüste, auf dem die Pyramiden von Giza (Giseh) mit der Sphinx auf fallen, den oberen Abschluss der Karte. Auf der westlichen Seite des Niltales sind links die Ruinen von Memphis dargestellt, in einem Streifen der Karte, der aus Formatrücksichten in dieser Abbildung fort gelassen wurde. Die wichtigste Ruinenstätte östlich des Nils ist die von Heliopolis kenntlich an dem Obelisken in der rechten unteren Ecke der Karte. Hauptgegenstand ist Kairo, das wie die übrigen Orte im Kartenraum mit sorgfältigem Eingehen auf die Gebäudeformen dar gestellt ist.

Fourmont hat die Karte seinem Buch "Description historique et geographique des plaines d'Heliopolis et de Memphis" (Paris 1755) bei gegeben. Diese Abbildung beruht auf einem Nachstich, der in einer deutschen Übersetzung des Buches (Nürnberg 1782) erschienen ist. Die auf Erläuterungen im Text hin weisenden Zahlen in der Karte wurden fort gelassen.

 

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Eine Ämterkarte von A. F. Zürner
 aus dem Jahre 1760

 

Das Kartenwerk, aus welchem diese Abbildung eines der 49 Blätter zeigt, ist für die Geschichte der kartographischen Signaturen von hohem Interesse. Während die Ortszeichen, die sich aus den Ortsbildern der älteren Kartographie entwickelt haben, im allgemeinen die Tendenz zur Vereinfachung zeigen und vielfach zu schlichten "Ortsringen" geworden sind, die kaum mehr als die Einwohnerzahl oder gar nur die relative Bedeutung des Ortes aus drücken, enthalten die Karten dieses im 18. Jh. entstandenen Werkes lauter Ortszeichen von höchst vielfältiger Gestalt und Bedeutung. Diese Zeichen, die man bei flüchtigem Betrachten für schematisierte Ortsbilder halten kann, haben in Wirklichkeit nichts mit dem Aussehen der Orte oder einzelner Gebäude zu tun. Es sind vielmehr zusammen gesetzte Signaturen, in denen die Funktion der Orte für die Bereiche des Staates, der Kirche und der Wirtschaft zum Ausdruck kommt. Die Grundform der Ortssignaturen ist, wenn man von den durch liegende Rechtecke dar gestellten bloßen Bauerndörfern absieht, stets ein Gebäude, das durch seine Gestalt die Eigenschaft des Ortes als größere oder kleine Stadt, als Kirchdorf oder als Adelssitz kenn zeichnet. Durch zusätzliche Symbole, von denen manche in Form von Turmspitzen, Fahnen oder dergleichen mit dem Gebäude verbunden sind, werden weitere Unterschiede aus gedrückt, oder es wird durch sie auf das Vorhandensein von Ämtern und anderen wichtigen Einrichtungen hin gewiesen.

Autor der Karte ist Adam Friedrich Zürner (1679-1742). Erschienen ist sie nach seinem Tode und anonym in dem "Neuen Sächsischen Atlas" des Verlages Schenk & Sohn in Amsterdam 1760.

 

 

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Eine Karte zur Entstehung
des Trollhätta-Kanals (um 1770)

 

Der Vänersee (Vänern), der größte See Schwedens, entwässert durch den Göta Äly in das Kattegat. Auf seinem 90 Kilometer langen Lauf hat der Fluss ein Gefälle von 44 Metern, aber der weitaus größte Teil des Höhenunterschiedes liegt auf einer kurzen Strecke unterhalb des Austritts aus dem Seebecken. Dort durchbricht der Fluss mehrere Felsriegel und bildet dabei mächtige Wasserfälle. Nur diesen nördlichen Teil des Flusses stellt diese Karte dar, auf welcher Norden rechts ist. Bestrebungen, die Hindernisse für die Schifffahrt durch Umgehungskanäle mit Schleusen zu überwinden, setzten schon zu Beginn des 17. Jh. ein. Verhältnismäßig leicht war die Umgehung einer Gruppe kleinerer Fälle unmittelbar am Ausfluss aus dem See; ihr diente der "Karlsgraf" (Karlsgraben) bei der Stadt Vänersborg, den König Karl IX. (1604-11) bauen ließ. Auch am südlichen Ende der Fälle wurden schon 1607 und 1639 Schleusen gebaut, aber ohne wesentlichen Nutzen. Am mittleren Teil der Fälle, bei Trollhättan, wo die Schwierigkeiten am größten waren, kamen die Arbeiten erst 1748 in Gang, wurden jedoch schon 1755 wieder eingestellt. Diese Karte, die um 1770 entstanden ist, zeigt von den Ergebnissen aller dieser Arbeiten lediglich den Karlsgraben; alles andere war noch so unbedeutend, dass es fort gelassen werden konnte. Erst 1793-1800 wurde der Trollhättakanal fertig und damit der Göta Älv in seiner ganzen Länge schiffbar.

Gezeichnet und gestochen wurde diese Karte von Olof Arre, geboren 1731 in Härnösand, gestorben 1809 in Täby nahe Stockholm. Er stand 1755 bis 1784 im Dienste der Schwedischen Akademie der Wissenschaften und hat in deren Auftrag zahlreiche Karten wie auch Illustrationen naturwissenschaftlichen Inhalts aus geführt.

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Eine Karte der Schifffahrtswege im Atlantik (1782)

 

Während des Unabhängigkeitskrieges, den die Vereinigten Staaten von Amerika 1775-83 gegen Großbritannien führten und in dessen Verlauf auch europäische Mächte, nämlich 1778 Frankreich, 1779 Spanien und 1780 die Niederlande, in den Kampf gegen Großbritannien eintraten, war die Schifffahrt auf dem Atlantik von besonderer Bedeutung. Dieser Tatsache verdankt die hier abgebildete , im Jahre 1782 erschienene Karte ihre Entstehung. Da es zu jener Zeit noch aus schließlich Segelschifffahrt gab, musste man sich bei der Wahl der Schiffrouten nach den vor herrschenden Winden richten. Nicht wissenschaftliche Erkenntnisse, aber jahrhunderte lange Erfahrungen der Seefahrer hatten für den Atlantik ergeben, in welchen Breiten man für die Fahrt in der einen und in der anderen Richtung günstigen Wind erwarten konnte. So zeigt diese Karte für die Fahrt von Europa nach Nordamerika eng bei einander liegende Routen, die zunächst weit südlich bis in die Nähe der Kapverdischen Inseln führen und erst von dort aus in 15 bis 17 Grad nördlicher Breite den Ozean überqueren. Auf diesen Routen wird der Nordostpassat genutzt, der nur in einer verhältnismäßig schmalen Zone voll wirksam ist. Für die Fahrt von Amerika nach Europa empfiehlt die Karte je nach Ausgangshafen und Ziel Routen in 32 bis 47 Grad Breite. Diese Routen liegen in der Zone der vor herrschenden Westwinde, die viel breiter ist als die des Passats, jedoch auf dieser Karte in Mercator-Netzentwurf noch übertrieben breit erscheint.

Autor der Karte ist Louis Denis (1725-94), der in Paris anfangs als Kupferstecher, später als Kartograph tätig war und von Ludwig XVI. mit dem Titel eines Königlichen Geographen geehrt wurde.

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Ein Teil der Mecklenburgischen Seenplatte
im Schmettauschen Kartenwerk

 

Der Diese Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus einem der Blätter eines Kartenwerkes mit dem Titel "Topographisch oeconomisch und militairische Charte des Herzogthums Mecklenburg Schwerin und des Fürstenthums Ratzeburg ... aufgenommen .. durch den Grafen von Schmettau ... 1788". Diese aus 16 Sektionen bestehende Karte ist ein Bestandteil des großen Schmettauschen Kartenwerkes, das mit seinen insgesamt 270 Sektionen den weitaus größten Teil Preußens und dazu einige Nachbargebiete dar stellt. Es handelt sich keineswegs, wie man nach der in der Literatur gebräuchlich gewordenen Bezeichnung vermuten könnte, um ein einheitliches Kartenwerk. Vielmehr sind die einzelnen Teile nicht nur in unterschiedlicher Zeichenmanier, sondern auch in verschiedenen Maßstäben aus geführt. Auch bestehen in der Verlässlichkeit große Unterschiede, entsprechend der Qualität des benutzten Quellenmaterials, der geodätischen Grundlagen und der Aufnahmeverfahren. Und doch kann man diese Kartenwerk, das in zwanzig Jahren durch die Initiative von Friedrich Wilhelm Karl Graf von Schmettau (1742 bis 1806) entstanden ist, als eine Vorstufe der amtlichen Landesaufnahme des 19. Jh. insbesondere für Preußen bezeichnen.

Die Mecklenburg-Schwerin dar stellenden Blätter haben den Maßstab 1 : 50 000. Ihre Quelle ist für etwa zwei Drittel des Landes eine auf Katasteraufnahmen beruhende Karte von J. H. Krüger, in welche Carl Friedrich Wiebeking (1762-1842) unter v. Schmettaus Leitung die Bergschraffen und Ergänzungen eintrug. Wiebeking führte auch die Aufnahme des restlichen Landesdrittels durch.

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