MK19 40mm Machine Gun Die Marines intervenierten seit ihrer Gründung 1798 mehr als 300 mal in Übersee, zumeist außerhalb offizieller Kriege, in Staaten der "Dritten Welt."

US Marine Corps
US - Marine Corps - Global präsent

Das Marine-Corps ist als kleinste Teilstreitkraft Amerikas weltweit im Einsatz. Den "Ledernacken" eilt ein legendärer Ruf voraus. Bereits die Anwesenheit zweier Brigaden der Marines in Kuwait während des Golfkrieges hat Saddam Hussein zu umfangreichen Truppenbewegungen auf Korpsebene bewogen. Grundlage ihres Ansehens ist eine harte Ausbildung und die Fähigkeit, mit ersten Großverbänden innerhalb von sechs Stunden nach der Alarmierung einsatzbereit zu sein. Als Expeditionskorps sind die Marines fest im Bewusstsein der Amerikaner verankert, weil sie rund um den Globus für "Ruhe und Ordnung" sorgen.

Moderne Kampf- und Transportflugzeuge ermöglichen die weltweite Verlegung militärischer Kräfte binnen 24 Stunden. Dennoch bleibt für die global-engagierte Supermacht USA das United States Marine Corps, zumeist USMC oder einfach "das Korps" genannt, unersetzlich.

Die Luftverlegung von Kampfflugzeugen oder Bodentruppen ist ressourcenintensiv. Darüber hinaus ist sie oftmals von der Erlaubnis befreundeter Staaten zur Nutzung ihrer Stützpunkte in der Nähe eines Einsatzortes abhängig. Im Verbund mit der Navy können Marines hingegen monatelang in internationalen Gewässern in unmittelbarer Nähe einer Krisenregion auf ihren möglichen Einsatz warten.

Dies ist insbesondere mit Blick auf die politische Signalwirkung der Marines wichtig. Ihre Verlegung stellt eine sichtbare Warnung dar. Zugleich deutet ihre Beorderung in eine bestimmte Region auf Kapazitäten und mögliche Absichten zur Intervention hin, ohne eine fremde Regierung oder eine Guerillagruppe offen anzugreifen - die Bereitschaft zum Umdenken oder zur Verhandlungsaufnahme sollen auf Seiten des potentiellen Gegners befördert werden.

Falls ein Einlenken nicht erfolgt, können die Marines vom Präsidenten beliebig eingesetzt werden, entlang des Spektrums von Drohgebärden über Nadelstiche bis zur vollen amphibischen Landung. Korps-Oberbefehlshaber General Charles Krulak bezeichnet dies als die "Thermostatenrolle" der Marines, mit der ein Präsident "die Hitze unter einem Gegner" gezielt variieren kann.

Auch innenpolitisch ist der Einsatz der Marines wesentlich leichter durchzusetzen als der anderer Streitkräfte. Zum einen ist das USMC als Expeditionskorps tief im Bewusstsein der Amerikaner verwurzelt - in Krisenzeiten heißt es automatisch: "Ruft die Marines." Zum anderen ist die Entsendung von auf See präsenten Streitkräften wesentlich weniger mit der Gefahr langfristiger Verwicklungen verbunden. Im Gegensatz zur Army gilt das USMC als "Feuerwehr", die schnell rein, aber auch schnell raus geht.

Die Marines intervenierten seit ihrer Gründung 1798 mehr als 300 mal in Übersee, zumeist außerhalb offizieller Kriege, in Staaten der "Dritten Welt." Sie stützten oder stürzten Regierungen, retteten Geiseln, oder sicherten einfach durch ihre Präsenz amerikanische Interessen. Alleine seit 1990 war das USMC an 33 Operationen beteiligt: darunter humanitäre und friedenserhaltende Aufträge, Evakuierung von Zivilisten aus Kampfzonen, sowie der Einsatz von 107.000 Marines in "Operation Wüstensturm".

Die "Ledernacken" umgibt ein Nimbus, wie ihn nur wenige Eliteeinheiten weltweit genießen. Manchmal stellt ihre pure Anwesenheit alleine bereits eine Waffe dar. Saddam Hussein verlegte sechs zusätzliche Divisionen nach Kuwait, nachdem zuvor zwei Brigaden Marines am 24. Februar 1991 dort stationiert wurden, und entblößte seine durch massive amerikanische Heeresverbände bedrohte Landfront.

Grundlage ihres Ansehens ist ihre Ausbildungsphilosophie, die sie zu einer äußerst flexiblen leichten Infanterie macht, die mehr oder minder in jedem Einsatzgebiet sofort kampfbereit entsandt werden kann. Hierbei geht es bewusst nicht darum, langfristig gegen starke oder gepanzerte Gegner zu bestehen, sondern entweder schnell einen Einsatz durchzuführen, oder einen starken Gegner aufzuhalten, bis schwere Verbände der Army eintreffen.

"Ständige Einsatzbereitschaft" bleibt nach Aussage der Marines ihr wichtigstes Merkmal. Sie stellen bewusst keine defensive, sondern eine zur Projektion amerikanischer Macht fähigen und bereiten Kraft dar. Ihre Aufgabe ist es u.a., "die Tür einzutreten," um Folgekräften erst zu ermöglichen, auf gegnerischem Gebiet zu operieren. Mit Ausnahme des "Rivalen" - die 82. Luftlandedivision der Army - ist nur das Korps zur schnellen, weltweiten Besetzung von Territorium imstande.

"Spezialität" der Marines bleibt auch im Digitalzeitalter die amphibische Sturmlandung, die allerdings heute oft per Hubschrauber direkt in das feindliche Binnengebiet hinein erfolgt. Auf See dislozierte USMC-Verbände verfügen auch über Special Operations-Fähigkeiten, unter anderem für Geiselbefreiung, Kommandoangriffe auf Bohrinseln oder Küstenbefestigungen, sowie Search and Rescue-Einsätze im Feindgebiet oder handstreichartige Besetzung von Flugfeldern.

Das USMC ist mit rund 170.000 aktiven Soldaten die kleinste Teilstreitkraft Amerikas. Das Korps verfügt über 400 Kampfflugzeuge, 600 Hubschrauber, 500 Panzer und 450 amphibische Fahrzeuge, und kann ohne Unterstützung der Air Force oder Army operieren. 108.000 Soldaten, oder fast zwei Drittel des aktiven Personals, sind den unmittelbaren Kampfverbänden zugeteilt. Diese sind in drei Marine Expeditionary Forces unterteilt, die jeweils aus einer Division und einem gemischten Geschwader aus Kampf- und Transportflugzeugen bestehen. Diese Großverbände bleiben in Friedenszeiten an Land stationiert, je eine an den amerikanischen Ost- und Westküsten sowie eine in Japan. Derzeit verfügt die Navy nur über amphibische Schiffe zur gleichzeitigen Verlegung von zwei USMC-Brigaden von je 15.000 Mann, zuzüglich Flugzeuge, so dass die hohe Einsatzbereitschaft der Marines als solche nicht voll ausgenutzt werden kann.

Weitere amphibische Einheiten sind geplant, so dass Anfang des 21. Jahrhunderts die derzeitige Flotte von 50 amphibischen Schiffen durch 36 hochmoderne, leistungsfähigere ersetzt wird. Auch diese Flotte wird aber nur für die Verlegung von zwei anstatt, wie erforderlich, drei Brigaden gleichzeitig ausreichen. Aufgefangen wird diese missliche Situation durch die Vorauslagerung des gesamten logistischen Bedarfs für vier Expeditionsbrigaden, verteilt zwischen Norwegen, dem Mittelmeer, dem Indischen und dem Pazifischen Ozean, so dass lediglich Personal in die Einsatzregion verlegt werden muss.

Weltweit verteilt befinden sich stets mehrere Marine Expeditionary Units (MEU) von zirka 2.500 Mann auf See. Diese auf drei bis fünf amphibischen Schiffen dislozierten, mit eigenen Hubschrauberstaffeln versehenen Einheiten bilden die vorderste Front der Marines, und können schnell gemäß des jeweiligen Einsatzprofils ergänzt werden. MEUs sind zumeist größeren Navy-Verbänden zugeteilt und müssen binnen sechs Stunden nach Alarmierung einsatzbereit sein.

Der Stellenwert des Korps für die nationale Politik ist daraus ersichtlich, dass es seit Ende des Kalten Krieges nur 11 Prozent seiner Personalstärke einbüßte, verglichen mit 40 Prozent für das Militär allgemein. Dies reflektiert einerseits die Tatsache, dass die Marines schon immer das günstigste Verhältnis von Kombattanten zu Versorgungskräften vorwiesen, also kaum etwas "abzuspecken" hatten; andererseits, dass die traditionellen Aufgabenbereiche der Marines auch künftig als wahrscheinliche Szenarien erwartet werden, und man sich einen wesentlichen Abbau des Korps daher nicht leisten konnte.

Amerika ist und bleibt eine maritime Nation mit maritimen Interessen. Zu den rein nationalen Überlegungen kommt die Solidarität mit verbündeten Staaten hinzu. Während die meisten Alliierten Amerikas heutzutage praktische, zumeist ökonomische Interessen weltweit haben, ist Amerika als einzige Militärmacht wirklich global engagiert, so dass die USA nicht zuletzt auch den Wohlstand ihrer Freunde dort wahren müssen, wo diese keine eigene Macht ansetzen können.

Der Abbau der permanent in Übersee dislozierten US-Kräfte seit 1989 hat das Bedürfnis nach flexiblen, einsatzbereiten Eingreiftruppen erhöht. General Carl Mundy jr., 1991-95 Kommandant des Korps, konstatierte 1994 eine "Renaissance der amphibischen Truppen," die von ihrem Wesen her vielen der Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg entsprechen. Die Erdoberfläche besteht zu drei Viertel aus Wasser; 70 Prozent der Weltbevölkerung lebt binnen 320 Kilometern Küstennähe; nur 20 Prozent aller Hauptstädte liegen mehr als 480 Kilometer vom Meer entfernt. Der größte Teil der Weltrohstoffreserven befinden sich, wie auch die meisten Industrie- und Kommunikationszentren, im Aktionsradius der Küsten. Das Aufleben von Bürgerkriegen, Revolutionen, und Grenzkonflikten insbesondere unter kleinen oder armen Staaten wird sowohl politisch und wirtschaftlich amerikanische und westliche Interessen weltweit bedrohen, wie auch dort befindliche Ausländer gefährden. Die meisten Konflikte werden im Großraum Mittlerer Osten/ Indischer Ozean/Pazifik erwartet.

Das Pentagon geht davon aus, in künftigen Krisen nicht weltweit mit Koalitionskräften oder Nutzungs- bzw. Überflugrechte rechnen zu können. GIs müssen in der Lage sein, weltweit notfalls alleine nationale Interessen durchzusetzen. Die ständige Präsenz auf See, mit Machtprojektionspotential für das Hinterland, bleibt unersetzlich.

General Krulak konstatiert hierzu: "Wenn Sie meinen, dass 20 Stealth Bomber eine Präsenz vor Ort darstellen, dann kennen Sie die asiatischen Völker nicht. Sie müssen ihnen Gelegenheit geben, ein amerikanisches Kriegsschiff zu sehen und zu berühren. Die USA können im pazifisch-asiatischen Raum nicht überleben, wenn uns nichts weiter zur Verfügung steht als ein regionaler Befehlshaber, der in einem VIP-Jet zur Pressekonferenz einfliegt, um Truppen anzukündigen, die tatsächlich erst in einem Monat eintreffen."

Er hätte auch seinen Amtsvorgänger 1975-79, General Louis Wilson, zitieren können, der die Zukunft des USMC in der typischen Art der Marines beschrieb: "Der Präsident hat meine Telefonnummer - ich erwarte seinen Anruf."

Zusammenfassung:  US-Marine-Corps

Das US-Marine-Corps ist mit rund 170.000 Mann als kleinste Teilstreitkraft der US-Streitkräfte weltweit im Einsatz. Seit 1990 waren sie an über 30 Operationen beteiligt, übernahmen humanitäre und friedenserhaltende Aufträge, evakuierten Zivilisten aus Krisengebieten und kämpften in der "Operation Wüstensturm". Auf ihre hohe Mobilität und "Special operations"- Fähigkeiten wird die USA als Supermacht auch zukünftig nicht verzichten können.

 

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Literaturhinweise

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor
Sidney E. Dean, Politologe, freier Journalist, Schwerpunkte Außen- und Sicherheitspolitik, Geschichte.

Literatur
Alexander, J.H. A Fellowship of Valor, The Battle History of the United States Marines. New York, 1997.

Baker, A.D., The Naval Institute Guide to Combat Fleets of the World, Annapolis,1995.

Clancy, Tom, Marine: A Guided Tour of a Marine Expeditionary Unit. New York, 1996.

Hoffman, F.G., Joint Vision 2010 - A Marine Perspective. In: Joint Force Quarterly (JFQ), Autumn/Winter 1997/98, S. 32-38.

Marine Corps Focus, US Naval Institute Proceedings, Nov. 1997, S. 28-47.

Mundy, Carl E. jr., Strategy for a New Era, in: Retired Officer, Nov. 1994, S. 54-58.

Prueher, Joseph W., Shaping Our Future in the Asia-Pacific. In: JFQ, Autumn/Winter 1997/98, S. 55-61.

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