Schlacht um Stalingrad
(August 1942 - Februar 1943)


Im Verlauf der deutschen Sommeroffensive von 1942 erreichte die 6. Armee unter Generalmajor Friedrich Paulus Ende August Stalingrad (heute: Wolgograd). Bis Mitte November eroberte sie rund 90 Prozent der Stadt. Während sich deutsche Stoßtrupps in erbittert geführten Häuser- und Straßenkämpfen verschlissen, führte die sowjetische Südwest-Front frische Kräfte um Stalingrad heran. Am 19. November 1942 begann sie im Nordwesten und im Süden eine zangenförmige Großoffensive. Bereits drei Tage später führte der Angriff zur Einschließung der gesamten 6. Armee sowie von Teilen der 4. Panzerarmee und Überresten der rumänischen 3. und 4. Armee, zusammen rund 250.000 Deutsche und über 30.000 rumänische und russische Hilfssoldaten.

Adolf Hitler erklärte Stalingrad daraufhin zum Symbol von deutschem Siegeswillen. Zugleich verband er mit der Eroberung des strategisch bedeutenden Rüstungs- und Verkehrszentrums an der Wolga einen persönlichen Prestigeerfolg über seinen schärfsten Gegner Josef W. Stalin, dessen Namen die Stadt trug. Ein Gesuch von Paulus, im Westen aus dem rund 40 mal 50 Kilometer großen Kessel ausbrechen zu dürfen, lehnte Hitler daher strikt ab. Vielmehr vertraute er den inhaltslosen Ankündigungen des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Hermann Göring, die Eingeschlossenen bis zum geplanten Entsatz hinreichend aus der Luft versorgen zu können. Für Entsatz und Luftversorgung fehlten der Wehrmacht jedoch im Winter 1942/43 die erforderlichen Kapazitäten. Die von der 6. Armee täglich benötigten 300-400 Tonnen Nachschub konnten zu keinem Zeitpunkt geliefert werden. Ein am 12. Dezember begonnener Entsatzversuch der eilig unter dem Befehl von Erich von Manstein zusammengestellten Heeresgruppe Don - bei dem sich Panzerverbände von Generaloberst Hermann Hoth Stalingrad auf 48 Kilometer näherten - wurde aufgrund des sowjetischen Widerstands nach neun Tagen abgebrochen. Mit seinem am 23. Dezember erneuerten Durchhaltebefehl überließ Hitler die 6. Armee schließlich ihrem Schicksal.

Die tägliche Lebensmittelration der ausgehungerten Eingeschlossenen betrug zu diesem Zeitpunkt zwei Schnitten Brot und ein wenig Tee, gelegentlich eine dünne Suppe. Erste Todesfälle wegen Erschöpfung und Unterernährung traten ab Mitte Dezember auf. Der russische Winter mit über 40 Grad minus forderte ebenfalls Tausende Opfer unter den nur unzulänglich gegen die eisigen Temperaturen ausgerüsteten Wehrmachtssoldaten. Bis zum 18. Januar 1943 mussten die deutschen Truppen sämtliche Verteidigungslinien aufgeben und sich vollständig in das Stadtgebiet von Stalingrad zurückziehen, wo sie in zwei Teilkessel gespalten wurden. Am 30. Januar ernannte Hitler Paulus demonstrativ zum Generalfeldmarschall. Da noch nie zuvor ein deutscher Feldmarschall kapituliert hatte, sollte die Beförderung Paulus motivieren, mit der 6. Armee bis zum "Heldentod" weiterzukämpfen. Paulus kapitulierte allerdings am 31. Januar mit seinen ihm verbliebenen Einheiten im südlichen Kessel. Zwei Tage später ergaben sich auch die ausgezehrten Truppen im Nordkessel.

Stalingrad glich einem Trümmerfeld. Etwa 150.000 deutsche Soldaten waren im Kessel den Kämpfen, der Kälte oder dem Hunger zum Opfer gefallen. Rund 91.000 Mann gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der nur 6.000 Überlebende bis 1956 nach Deutschland zurückkehrten.

Die erste für die Wehrmacht vernichtende Niederlage im Krieg gegen die Sowjetunion veränderte die Kriegssituation nachhaltig. Das Gesetz des Handelns ging nunmehr auf die Rote Armee über. Weitreichender als die militärischen Folgen waren die Auswirkungen auf die Moral der deutschen Bevölkerung. Ein Großteil der von der Dimension dieser Niederlage erschütterten Deutschen erkannte den Wendepunkt des Kriegs an der Ostfront. Auch der Versuch der deutschen Führung, den Untergang der 6. Armee als grandioses Heldenepos darzustellen sowie die Ausrufung des "Totalen Kriegs" durch Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 beseitigten die aufkommenden Zweifel am deutschen Endsieg nicht. Vielmehr war unmittelbar nach Ende der Kämpfe in Stalingrad in deutschen Großstädten die Jahreszahl "1918" zu lesen - unter Lebensgefahr auf Hauswände gepinselt, als Mahnung an die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg

 

 

 

 

 

 

 

Friedrich Paulus

1890-1957

[Photo: Friedrich Paulus]

 



 

1890
23. September: Friedrich Paulus wird in Breitenau (Hessen) als Sohn des Rechnungsprüfers Ernst Paulus und dessen Frau Bertha (geb. Nettelbeck) geboren.

 
1909
Abitur am Wilhelms-Gymnasium in Kassel. Der angestrebte Eintritt in die kaiserliche Marine wird dem Bürgersohn verweigert.

 
1909/10
Für ein Semester ist Paulus an der Marburger Universität in der Juristischen Fakultät immatrikuliert.

 
1910
Februar: Er tritt als Fahnenjunker in die preußische Armee ein und kommt zum III. Infanterieregiment in Rastatt (Baden).

 
1911
Beförderung zum Leutnant.

 
1912
Heirat mit der rumänischen Adelstochter Elena Rosetti Solescu, der Schwester eines Regimentskameraden. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.

 
1914
Bei Beginn des Ersten Weltkriegs ist Paulus Bataillonsadjutant des 3. Bataillons seines Infanterieregiments.

 
1915-1918
Er dient als Ordonnanzoffizier in verschiedenen Generalstäben bei dem zum Eliteverband des Alpenkorps gehörigen 2. preußischen Jägerregiments. Seine Gewissenhaftigkeit und Anpassungsfähigkeit ebnen ihm die Laufbahn eines Generalstabsoffiziers.

 
1918
Ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse, wird er zum Hauptmann befördert.

 
1918/19
Paulus bleibt während der Novemberrevolution in der Armee und nimmt an Kämpfen des Freikorps "Grenzschutz Ost" teil.

 
1920
Als Hauptmann bleibt er in der Reichswehr und dient in einem Infanterieregiment in Konstanz.

 
1922
Er wird zu einem Lehrgang für Generalstabsoffiziere nach Berlin ins Reichswehrministerium berufen.

 
1923
Generalstabskommando in Kassel.

 
1924-1927
Paulus ist Generalstabsoffizier beim Infanterieführer V in Stuttgart.

 
1927-1929
Kompaniechef im Truppendienst eines Infanterieregiments.

 
1929-1931
Taktiklehrer einer Division in Stuttgart.

 
1931
Nach seiner Beförderung zum Major wird er Lehrgangsleiter für Taktik im Reichswehrministerium.

 
1934
Er übernimmt die Kraftfahrzeugabteilung 3 in Wünsdorf (bei Berlin).

 
1935
September: Paulus wird als Nachfolger von Heinz Guderian Chef des Generalstabs für das neu gebildete Kommando der Kraftfahrtruppen in Berlin. Dieses Kommando ist die Zentralstelle für die Formierung der Panzerwaffe, deren Ausbau von Adolf Hitler besonders unterstützt und vorangetrieben wird.

 
1938
Generalstabschef des XVI. Armeekorps in Berlin, des ersten deutschen Panzerkorps.

 
1939
August: Im Zuge der geheimen Mobilmachung übernimmt Paulus das Kommando über den Generalstab der 10. Armee in Leipzig, die ab dem Frankreichfeldzug als 6. Armee geführt wird.
September: Mit seiner Armee ist er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs am Überfall der Wehrmacht auf Polen beteiligt.

 
1940
Mit der 6. Armee nimmt er am Feldzug gegen Belgien und Frankreich teil. Danach ist er bei seinem Generalstab für die Vorbereitung einer Invasion Großbritanniens tätig. Der erfolgreiche Westfeldzug steigert die Anerkennung, die er Hitler in Militärfragen entgegenbringt.
September: Paulus wird Generalquartiermeister I im Generalstab des Heeres. Als Nachfolger von Carl-Heinrich von Stülpnagel ist er damit Stellvertreter von Generaloberst Franz Halder. Paulus arbeitet in Zossen am Aufmarschplan für den Überfall auf die Sowjetunion mit. Sein Verhältnis zu dem von Hitler geschaffenen Oberkommando der Wehrmacht (OKW) mit Wilhelm Keitel und Alfred Jodl an der Spitze ist gespannt.

 
1941
April/Mai: Inspektionsreise beim Afrikakorps unter Erwin Rommel. Paulus versucht, diesen zu einer defensiveren Strategie zu bewegen, weil der Nachschub nicht gesichert sei.
August: Obwohl er mit Hitlers militärischen Entscheidungen im Russlandfeldzug nicht einverstanden ist, zweifelt er nicht an dessen strategischem Können und erklärt die Umsetzung von Hitlers Entschlüssen zur militärischen Pflicht.

 
1942
Januar: Paulus übernimmt in der Winterkrise des Russlandfeldzugs den Oberbefehl über die 6. Armee, die zu dieser Zeit in der Nähe von Charkow (Ukraine) steht.
Mai: Die zweite Offensive der Roten Armee gegen Charkow vereitelt das geplante Vorrücken der 6. Armee. Die erfolgreiche Abwehr der sowjetischen Offensive macht Paulus in der deutschen Kriegspropaganda populär.
Juni-August: Im Zuge der deutschen Sommeroffensive rückt die 6. Armee nach Osten durch die Donsteppe in Richtung Wolga vor.
August: Den Übergang über den Don erreicht Paulus jedoch aufgrund des zähen Widerstands der Roten Armee erst zwei Wochen nach der ursprünglichen Planung. Von dort rückt er weiter auf Stalingrad vor.
September: Die Rote Armee weicht in das Stadtgebiet von Stalingrad zurück. Die Einheiten der 6. Armee rücken langsam vor, um die Stadt einzuschließen und unter Kontrolle zu bringen.
20. November: Eine Gegenoffensive der Roten Armee an den Flanken droht die weit vorgerückte 6. Armee einzuschließen. Mit Hinweis auf Luftfahrtminister Hermann Göring, der eine Nachschubversorgung aus der Luft garantiert, verweigert Hitler Paulus die Erlaubnis zum Rückzug.
29. November: Die 6. Armee wird mit insgesamt 220.000 Mann am Don eingeschlossen und ostwärts nach Stalingrad gedrängt.
Dezember: Der deutsche Entsatzangriff der 4. Panzerarmee bleibt 50 Kilometer vor Stalingrad stecken. Zur gleichen Zeit gefährdet die sowjetische Winteroffensive die gesamte deutsche Südfront in Russland.

 
1943
8. Januar: Paulus lehnt eine Kapitulationsaufforderung der Roten Armee ab, um starke Kräfte der Sowjets zu binden und so die Reorganisation der Südfront zu ermöglichen.
30. Januar: Hitler ernennt Paulus demonstrativ zum Generalfeldmarschall, um eine Verteidigung bis zuletzt zu erzwingen.
31. Januar: Paulus kapituliert mit 90.000 Mann im Südteil des bereits geteilten Kessels von Stalingrad. Die Einheiten im Nordkessel ergeben sich wenige Tage später.

 
1944
In sowjetischer Kriegsgefangenschaft beteiligt er sich nach dem Attentat vom 20. Juli im Auftrag des Nationalkomitees an mehreren Kapitulationsaufrufen an die Wehrmacht.

 
1946
Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen tritt Paulus als Zeuge der Anklage auf.

 
1953
Nach seiner Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft lässt er sich in Dresden nieder. Er ist an der Initiative von "Gesamtdeutschen Offizierstreffen" beteiligt.

 
1957
1. Februar: Friedrich Paulus stirbt in Dresden.

 
1960
Sein dokumentarischer Nachlass wird unter dem Titel "Ich stehe hier auf Befehl!" veröffentlicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schutzstaffel (SS)


Als Heinrich Himmler am 6. Januar 1929 zum Reichsführer der Schutzstaffel (SS) berufen wurde, umfasste die SS rund 280 Mann. Sie war als Gliederung der Sturmabteilung (SA) dem Obersten SA-Führer unterstellt und hatte seit ihrer Gründung 1925 den persönlichen Schutz von Adolf Hitler und von Versammlungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) übernommen. Zielstrebig baute Himmler die SS ab 1929 zu einer ordensähnlichen Eliteformation der Nationalsozialisten aus, die Ende 1932 über rund 52.000, ein Jahr später bereits über ca. 209.000 Angehörige verfügte.

Strenge rassebiologische und weltanschauliche Auswahlkriterien bestimmten die Zugehörigkeit zur SS. Als Verkörperung nationalsozialistischer Herrenmenschenideologie und als "Bewahrer der Blutsreinheit" sollte der "Schwarze Orden" - in Anlehnung an die schwarzen SS-Uniformen - nach dem Willen Himmlers die Keimzelle einer nordischen Rassendominanz in Deutschland darstellen. Da sich die SS als "Sippengemeinschaft" verstand, galten die rassistischen Auslesekriterien - strengstens überwacht vom 1931 errichteten "Rasse- und Siedlungshauptamt" - auch für die Frauen der SS-Mitglieder. Das SS-Ideal eines elitären Führungsordens in bewusster Anlehnung an mittelalterliche Ritterorden dokumentierten mythologisch überhöhte Symbole wie der SS-Totenkopfring und der Ehrendolch. Toten- und Ahnenkult sowie pseudoreligiöse Rituale in so genannten Weihestätten wie der Wewelsburg bei Paderborn oder der ehemaligen Stiftskirche in Quedlinburg dienten der Festigung eines unauflöslichen Gemeinschaftssinns.

Mit dem Aufbau des Sicherheitsdiensts (SD) unter Reinhard Heydrich als SS-Unterabteilung zur Überwachung gegnerischer Organisationen und innerparteilicher Opposition fiel der SS innerhalb der NSDAP ab 1931 die Rolle einer "Parteipolizei" zu. Unter der Losung "Unsere Ehre heißt Treue" versuchte die SS, sich durch eine bedingungslose Loyalität zu Hitler auszuzeichnen. Dies führte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zu erheblichen Differenzen mit der ihr übergeordneten SA unter Ernst Röhm, der aus Enttäuschung über den Verlauf der "nationalsozialistischen Revolution" die Gefolgschaft gegenüber dem NS-Regime erheblich in Frage stellte. Auf Betreiben Himmlers sammelte der Sicherheitsdienst der SS Belastungsmaterial gegen die Führung der als Konkurrenz angesehenen SA. Einen angeblich geplanten "Röhm-Putsch" nutzten Hitler und die SS Ende Juni 1934 zur Ermordung der gesamten SA-Führung. Im Anschluss daran wertete Hitler die SS zur selbständigen, ihm direkt unterstellten Gliederung der NSDAP auf. Gleichzeitig übernahm die SS die Alleinzuständigkeit für sämtliche Konzentrationslager (KZ) im Deutschen Reich, die bis dahin noch vielfach unter Kontrolle der SA gestanden hatten. Die Bewachung der Lager oblag nun den SS-Totenkopfverbänden unter dem "Inspekteur der Konzentrationslager und Führer der SS-Wachverbände", Theodor Eicke (1892-1943). Mit der Verfügungstruppe (VT) besaß die SS ab Herbst 1934 zudem einen mehrere tausend Mann umfassenden kasernierten Kampfverband, der zusammen mit den Totenkopfverbänden den Kern der späteren Waffen-SS bildete.

Den machtpolitischen Aufstieg der SS sowie die schrittweise Übernahme der Polizeigewalt aus dem Kompetenzbereich der Länder vollendete Himmler am 17. Juni 1936 mit seiner Ernennung zum "Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei". Mit der Polizei auch auf unteren Ebenen in Personalunionen eng verschmolzen, war die SS zum wichtigsten Machtinstrument Hitlers geworden. Maßstab ihres Handelns waren nicht Gesetzesnormen, sondern allein der "Wille des Führers". Eine nahezu lückenlose Überwachung der Bevölkerung durch den SD und die Geheime Staatspolizei (Gestapo) sowie eine rücksichtslose Verfolgung tatsächlicher oder vermeintlicher Regimegegner prägten den jeder rechtsstaatlichen Kontrolle entzogenen NS-Staat. Ihrer herausgehobenen Machtstellung war sich die SS dabei durchaus bewusst: Ihr Wochenblatt "Das Schwarze Korps" galt innerhalb der gleichgeschalteten Presse als einzige "oppositionelle Zeitung", die sich nicht scheute, Missstände in der NSDAP und im NS-Regime öffentlich zu kritisieren.

Himmler direkt unterstellt war das am 27. September 1939 neu gebildete Reichssicherheitshauptamt (RSHA), in dem alle bisherigen Kommandostellen des SD, der Kriminalpolizei und der Gestapo zusammengefasst wurden. Unter der Leitung Heydrichs entwickelte sich das RSHA im Zweiten Weltkrieg zur zentralen Schaltstelle für die Unterdrückung, Terrorisierung und schließlich Ermordung von Millionen Menschen im In- und Ausland. In Konkurrenz zu zivilen Verwaltungsstellen versuchte die SS, die Kontrolle und wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete zu übernehmen und Pläne zu deren weitgehender "Germanisierung" auszuarbeiten. Gleichzeitig ermordeten vom RSHA zusammengestellte Einsatzgruppen in Polen und der Sowjetunion hunderttausende Juden, Kommunisten und andere "unerwünschte Elemente". Planung und Durchführung der "Endlösung der Judenfrage" fielen ebenfalls in den Aufgabenbereich des RSHA und damit in die Zuständigkeit von Himmler und der SS. Die wirtschaftliche Verwaltung der Konzentrations- und Vernichtungslager unterstand ab 1942 dem neu gegründeten SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) unter der Leitung von Oswald Pohl. Arbeitsfähige Häftlinge mussten als Zwangsarbeiter in den SS-eigenen Wirtschaftsbetrieben arbeiten, oder sie wurden gegen Bezahlung an andere Industrieunternehmen "vermietet".

Es waren vor allem Einheiten der Waffen-SS, die trotz des für Deutschland negativen Kriegsverlaufs bis 1945 fanatische Siegeszuversicht äußerten und ihre Stellungen bis zuletzt zäh verteidigten. Mit der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 hörte die SS de facto auf zu existieren. Am 10. September 1945 wurde sie vom Alliierten Kontrollrat formal verboten und anschließend in den Nürnberger Prozessen zu einer "verbrecherischen Organisation" erklärt.

 

 

Werbeschrift: "Dich ruft die SS", um 1942

Abzeichen: Dienstzeit in der SS, 1938-1945

Ausweis eines SS-Angehörigen, 1934

Abzeichen: SS-Runen, nach 1933

Foto: Hinrichtung polnischer Bürger, 1941

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heinrich Himmler

 

1900
7. Oktober: Heinrich Himmler wird in München als Sohn des Oberstudiendirektors Gebhard Himmler und dessen Frau Anna (geb. Heyder) geboren. Den Vornamen erhält er von seinem Taufpaten, Prinz Heinrich von Bayern, der von Gebhard Himmler erzogen worden war. In dem bürgerlichen Elternhaus herrschen eine strenge katholische Religiosität und nationalkonservative Einstellung vor.

 
1917
Nach dem Notabitur bewirbt Himmler sich im Ersten Weltkrieg als Offiziersanwärter für die Marine, wird jedoch als Brillenträger abgelehnt. Er tritt daraufhin als Fahnenjunker in ein bayerisches Infanterieregiment ein. Er bleibt jedoch als Offiziersanwärter in der Ausbildung und wird nicht an der Front eingesetzt.

 
1918
Bei Kriegsende muss er seine Offiziersausbildung gegen seinen Willen abbrechen.

 
1919
April: Mit dem Freikorps Lauterbach kommt Himmler nach München, um gegen die Räterepublik unter Kurt Eisner zu kämpfen. Seine Bewerbung um Eintritt in die Reichswehr wird abgelehnt.
Oktober: Nach einem kurzen landwirtschaftlichen Praktikum studiert Himmler an der Technischen Universität München Landwirtschaft. Er tritt der schlagenden Studentenverbindung "Apollo" und zahlreichen Vereinen bei, darunter auch der "Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde".

 
1922
Nach der bestandenen Diplomprüfung arbeitet er als Laborassistent in einer Düngemittelfirma, gibt die Anstellung aber nach einigen Monaten wieder auf.

 
1923
Über die Mitgliedschaft bei den "Artamanen", einer bündischen Organisation der Völkischen, kommt er zum Wehrverband "Reichskriegsflagge" unter Ernst Röhm. Dieser bewegt ihn zum Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).
9. November: Himmler nimmt am Hitler-Putsch als Fahnenträger Röhms an der Besetzung des Kriegsministeriums teil.

 
1924
Während der Zeit, in der die NSDAP verboten ist, engagiert er sich unter der Obhut von Erich Ludendorff in der "NS-Freiheitsbewegung" und im Wahlkampf für seinen Freund Gregor Strasser.

 
1925
In der wieder gegründeten NSDAP wird er Sekretär von Strasser und stellvertretender Gauleiter von Niederbayern-Oberpfalz.

 
1926
Stellvertretender Gauleiter von Oberbayern und Schwaben.

 
1926-1930
Himmler ist stellvertretender Reichspropagandaleiter der NSDAP.

 
1927
Ernennung zum stellvertretenden Reichsführer der Schutzstaffel (SS).

 
1928
3. Juli: Heirat mit der acht Jahre älteren Gutsbesitzertochter Margarethe Boden.
Für kurze Zeit betreibt er mit seiner Frau erfolglos eine Hühnerfarm in Waldtrudering (bei München).

 
1929
6. Januar: Himmler wird Reichsführer der SS, die zu dieser Zeit noch eine Untereinheit der Sturmabteilung (SA) mit 280 Mitgliedern ist.
Nach der Geburt seiner Tochter verlässt er den Hof in Waldtrudering, da die Beziehung zu seiner Ehefrau sehr schlecht ist.

 
1930
Himmler baut die SS konsequent für den Polizeidienst innerhalb der Partei aus und erweitert sie bis September auf über 2.700 Mann. Es gelingt ihm, die SS als unabhängige Parteiorganisation aus der SA herauszulösen.
Er wird bei der Reichstagswahl für den Wahlkreis Weser-Ems in den Reichstag gewählt.

 
1931
April: Mit der Niederschlagung der SA-Meuterei besteht Himmlers SS in den Augen Adolf Hitlers ihre erste Bewährungsprobe als innerparteiliche Polizeiorganisation mit unbedingter Loyalität zu seiner Person.
Himmler beauftragt seinen engen Mitarbeiter Reinhard Heydrich mit dem Aufbau des Sicherheitsdiensts (SD), der zur nachrichtendienstlichen Hauptorganisation der Partei werden soll.

 
1932
25. Januar: Ernennung Himmlers zum Sicherheitschef der Parteizentrale in München, des "Braunen Hauses".
Dezember: Die SS hat eine Mitgliederzahl von 50.000 Mann erreicht. Aus der ursprünglich für den persönlichen Schutz Hitlers geschaffenen Leibgarde will Himmler einen nationalsozialistischen Führungsorden aufbauen, der nach streng rassistischen Kriterien die "Herrenmenschen"-Ideologie des NS-Regimes verkörpern soll. Hierfür soll ein Programm der "biologischen Auslese" mit einem "Heiratsbefehl" für die Mitglieder dienen.

 
1933
März: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Himmler zusätzlich zum Polizeipräsidenten von München ernannt. Er übernimmt in Dachau den Aufbau und die Leitung des Konzentrationslagers.
1. April: Kurz nach der Absetzung der bayerischen Regierung unter Heinrich Held übernimmt Himmler das Amt des Politischen Polizeikommandeurs in Bayern.

 
1934
Januar: Mit der Gleichschaltung der Länder erlangt er die Kontrolle über die Polizeigewalt in allen deutschen Ländern mit Ausnahme von Preußen und Schaumburg-Lippe. Dabei nutzt er konsequent die Rivalitäten zwischen staatlichen Behörden und NS-Parteiorganisationen aus.
20. April: Aufgrund der wachsenden Spannung zwischen der NS-Führung und der SA ernennt Hermann Göring Himmler zum Inspekteur der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Mit der Zentralisierung der Gestapo und der Monopolisierung von Heydrichs SD zum einzigen Nachrichtendienst der NSDAP baut Himmler ein engmaschiges Herrschafts- und Überwachungssystem aus. Damit wird der Einfluss der SS enorm gesteigert.
Juni: Himmler und die SS tragen den wesentlichen Anteil an der als Röhm-Putsch verdeckten Mordaktion an der Führung der SA. Himmler selbst ist in Berlin an der Verhaftung und Ermordung von SA-Führern und politischen Gegnern beteiligt.
Juli: Himmler wird als SS-Reichsführer direkt der Befehlsgewalt Hitlers unterstellt. Die SS erhält mit der Reorganisation der Verwaltung und Führung der KZ in ganz Deutschland die alleinige Verantwortung für den Aufbau und die Leitung der Lager. Als Wachmannschaften werden spezielle Einheiten ausgebildet, die so genannten Totenkopfverbände.

 
1936
17. Juni: Mit der Zusammenfassung der Polizeiführung und der Ernennung zum "Chef der Deutschen Polizei" erreicht Himmler eine der zentralen Machtpositionen im NS-Regime. Die formale Unterstellung als Staatssekretär unter Innenminister Wilhelm Frick erweist sich als bedeutungslos, da Himmler die Kontrolle über die gesamte Polizei und Kriminalpolizei, über die Einheiten der SS und über den Nachrichtendienst des SD in seiner Hand vereinigt. Die Gestapo wird dabei immer stärker aus der staatlichen Polizei herausgelöst und mit dem SD verbunden.

 
1937
Mit Hilfe der "vorbeugenden Verbrechensbekämpfung" kann die Gestapo vermeintliche Regimegegner ohne die Justiz verfolgen und direkt in KZ inhaftieren.

 
1938
Februar: In der Fritsch-Blomberg-Affäre setzt Himmler den SD gezielt ein, um neben Werner von Blomberg auch Werner Freiherr von Fritsch durch eine Intrigenkampagne zum Rücktritt zu zwingen.
August: Hitler erkennt die bewaffnete Verfügungstruppe der SS, die den Kern der späteren Waffen-SS bildet, gegen den Widerstand der Wehrmacht ausdrücklich an. Diese SS-Eingreiftruppen werden der Wehrmacht zugeteilt, verbleiben aber entgegen dem Waffenmonopolanspruch der Armee unter Kontrolle des Reichsführers SS. Himmler hat damit die Kontrolle über eine eigenständige bewaffnete Truppe.

 
1939
27. September: Im Zweiten Weltkrieg werden alle bisherigen Kommandostellen der Gestapo, Kriminalpolizei und des SD im neu geschaffenen Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zusammengefasst. Heydrich wird Chef des RSHA, das zum eigenen Hauptamt innerhalb der SS wird und damit direkt Himmler untersteht.
7. Oktober: Himmler wird "Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums" ernannt. Ihm obliegt die Umsiedlungs- und Verfolgungspolitik gemäß der NS-Rassenideologie in den besetzten Gebieten.

 
1939/40
In Polen organisiert Himmler mit Hilfe der Einsatzgruppen die Vertreibung, Verfolgung und Ermordung von Hunderttausenden Polen und Juden. Dabei bezeichnet er gegenüber seinen Untergebenen die massenhafte Ausrottungspolitik als "schwere Pflicht".

 
1940
Himmler trennt sich offiziell von seiner Frau und lebt mit seiner Sekretärin Hedwig Potthast zusammen. Aus der Beziehung gehen zwei Kinder hervor.

 
1941
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion überträgt Hitler ihm die polizeiliche Sicherung in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten. Damit wird er zum Hauptverantwortlichen der "Endlösung der Judenfrage", der planmäßigen Deportation und Ermordung der europäischen Juden. Die Organisation wird vor allem von Himmlers engstem Mitarbeiter Heydrich geleitet.

 
1942
Himmler erhält in den besetzten Gebieten die Kontrolle des Strafrechts über alle Russen, Polen und Juden. Außerhalb der NS-Justiz kann er die so Verfolgten mit der großen Anzahl der Kriegsgefangenen in den KZ und SS-eigenen Arbeitslagern für die Kriegswirtschaft ausbeuten.
Er verabschiedet den "Generalplan Ost", der die zwangsweise Vertreibung und Umsiedlung von Millionen Polen, Tschechen, Ukrainern und Weissruthenen nach Sibirien vorsieht, um die "deutsche Volkstumsgrenze" nach Osten zu verschieben. Dafür wird weiter die Diffamierung dieser Völker als "Untermenschen" ohne Recht auf Selbständigkeit betrieben.

 
1943
Januar: Nach der Ermordung Heydrichs wird Ernst Kaltenbrunner dessen Nachfolger als Chef des SD und des RSHA.
25. August: Himmler wird zum Reichsinnenminister ernannt.

 
1944
Februar: Mit der Entmachtung von Wilhelm Canaris und der Unterstellung des Amts Abwehr der Wehrmacht unter den SD kontrolliert Himmler über Kaltenbrunner das Nachrichtendienstmonopol im Deutschen Reich.
21. Juli: Das fehlgeschlagene Attentat vom 20. Juli bringt Himmler weiteren Machtzuwachs und den Einstieg in die Wehrmacht: Er wird von Hitler als Nachfolger von Generaloberst Friedrich Fromm (1888-1945) zum Befehlshaber des Ersatzheers und Chef der Heeresausrüstung ernannt. Himmler versucht vergeblich, mit rücksichtslosen Aushebungen die Armeestärke aufrechtzuerhalten.
2. Dezember: Himmler übernimmt den Oberbefehl der Heeresgruppe Oberrhein, um eine neue Verteidigungslinie aufzubauen.

 
1945
Januar/Februar: Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel zeigen sich seine fehlenden militärischen Fähigkeiten. Nach dem Zusammenbruch der Verteidigung entzieht er sich der Verantwortung durch Flucht in ein SS-Lazarett.
März: Nach seiner Ablösung als Oberbefehlshaber der Heeresgruppen versucht Himmler, Kontakt mit den Westalliierten aufzunehmen, um über einen Separatfrieden zu verhandeln.
28. April: Als Hitler erfährt, dass Himmler sich als seinen Nachfolger und möglichen Vermittler zu den Westalliierten vorschlägt, entlässt er ihn aus allen Ämtern und verfügt im Bunker der Neuen Reichskanzlei einen Haftbefehl gegen ihn.
Mai: Himmler wird von der neuen Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz abgewiesen, verbringt aber einige Tage im Flensburger Hauptquartier. Unter falschem Namen versucht er in einem Flüchtlingsstrom zu fliehen und gerät bei Lüneburg unerkannt in britische Gefangenschaft.
23. Mai. Nach seiner Entdeckung begeht Heinrich Himmler in einem britischen Gefangenenlager in Lüneburg mit Hilfe einer versteckten Giftkapsel Selbstmord.

 

 

 

 

 

 

 

Cap Arcona (Schiff)

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Die Cap Arcona an der Hamburger Übeseebrücke
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Die Cap Arcona an der Hamburger Übeseebrücke

Die Cap Arcona war ein Luxusdampfer der Hamburg-Südamerika-Linie, die nach dem Kap Arkona auf der Insel Rügen benannt war. Das Schiff mit 206 Metern Länge und 27.500 BRT Raummaß, lief am 14. Mai 1927 vom Stapel und galt als eines der schönsten Schiffe seiner Zeit.

Der Dampfer beförderte sowohl Luxusreisende wie auch Auswanderer, vorwiegend nach Südamerika. Ab 1940 wurde die Cap Arcona von der deutschen Kriegsmarine verwendet und verblieb in der Ostsee. Ab Ende 1944 wurde sie zum Transport von Flüchtlingen aus Ostpreußen nach Westen eingesetzt, danach von der Kriegsmarine aufgegeben. Ab 26. April 1945 wurde die Cap Arcona mit Häftlingen aus dem KZ Neuengamme beladen und zusammen mit zwei kleineren Schiffen, der Thielbek und der Athen, in die Lübecker Bucht gebracht in der Absicht, Spuren der KZ-Verbrechen zu vernichten.

Am 3. Mai 1945 trieben die Cap Arcona, die Thielbek, die Athen und die Deutschland schutzlos in der Lübecker Bucht zwischen Neustadt (Holstein) und Scharbeutz. Sie wurden von alliierten Fliegern versenkt. Rund 7.000 bis 8.000 KZ-Insassen ertranken, Überlebende wurden am Ufer von der SS erschossen. Viele Leichen wurden über die Ostsee bis an die Strände der Insel Poel getrieben. Hier wurden die Toten auf dem nahen Inselfriedhof Kirchdorf begraben. Hier befindet sich nahe dem Strand eine kleine Gedenkstätte, die im Gegensatz zur Gedenkstätte bei Haffkrug etwas mehr über diese Maßnahme informiert.

Die Versenkung gehört mit denen der Wilhelm Gustloff und der Goya (ebenfalls 1945) in der Ostsee zu den drei verlustreichsten Schiffsuntergängen der Geschichte.

Die ausgebrannten Wracks der Cap Arcona und der Deutschland lagen nach dem Krieg noch Jahre in der Lübecker Bucht. Erst ab 1950 begannen Taucher mit der Zerlegung der Schiffskörper, die Stahlteile wurden anschließend verschrottet. Nur die Thielbek wurde geborgen und wieder instand gesetzt.

 

Literatur

Weblinks


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Junta

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Mit Junta (von lat. jungere) wird im spanischen Sprachraum gewöhnlich eine Ratsversammlung bezeichnet, im engeren Wortsinn ein Volks- oder ein Regierungsausschuß. Bildet das Militär den machthabenden Teil einer Staatsregierung, wird dieser Teil Militärjunta genannt.

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