Die Gründung Roms

Im 8. Jahrhundert vor Christi Geburt, genauer gesagt am 21. April 753 vor Chr., gründete Romulus der Sage nach die Stadt Rom, das caput mundi . Von diesem Zeitpunkt an, der auch ab urbe condita (a.u.c.) genannt wird, begann die römische Zeitrechnung. In dieser Zeit setzte sich die Bevölkerung Latinums vorwiegend aus Bauern und Hirten - den Latinern - zusammen. Sie lebten in verschiedenen Dörfern, die lediglich einen religiösen Zusammenhalt besaßen. Ansonsten waren sie autonom. Eines dieser Dörfer war Rom. Es war in einer für den Handel besonders günstigen Lage gebaut worden. Rom befand sich nahe am Fluss Tiber und dies an einer Stelle, an der sich der Fluss verhältnismäßig leicht überqueren ließ. Noch bevor Rom unter etruskische Herrschaft kam, konnte es sich von den anderen Dörfern Latinums wirtschaftlich, wie auch bevölkerungsmäßig absetzten. Schon damals soll es zahlreiche Götterkulte und Gesetzte gegeben haben.

Durch die Zerstörung der rivalisierenden Stadt Alba Longa (672-640 v. Chr.) konnte das Herrschaftsgebiet Roms weiter ausgebreitet werden. Einige Jahre später konnte schließlich eine erste Brücke über den Tiber geschlagen werden; dadurch bekam Rom eine Verbindung zum Mittelmeer. Dank dieser Verbindung war es den Herrschern Roms nun möglich, die Hafenkolonie Ostia zu gründen. Sie stellte das Bindeglied zwischen Rom und dem Meer dar. Ende des 7. Jahrhunderts vor Chr. kam Rom unter etruskische Vormachtstellung. Man weiß von drei Königen die in dieser Zeit regierten:

Unter dem Zepter der Etrusker blühte die Stadt auf und wandelte sich von einer landwirtschaftlich und priesterlich geprägten Stadt in eine Verkehrs- und Handelsmetropole.

Die Skulptur eines etrurischen Gottes

Die Skulptur eines
etrurischen Gottes.
(500 vor Chr.)

Die Bevölkerung Roms setzte sich aus Patriziern, Plebejern (die unterschichtige Bevölkerung) und Sklaven zusammen. Viel zu sagen hatte die Gesellschaft Roms aber nicht. Der König vereinte alle Macht auf seine Person. So konnte er also seine Macht auf politischer, religiöser und militärischer Ebene sowie auf dem Gebiet der Rechtsprechung ausüben. Der Bevölkerung wurde nur ein kleines Maß an Mitspracherecht zugestanden und dieses erfolgte nur durch zwei beratende Einrichtungen: dem Senat, dessen Mitglieder sich aus Patriziern zusammensetzten, und der comitia curiata , der Versammlung des Volkes. Da die comitia curiata weit weniger zu sagen hatte als der Senat, versuchte Servius Tullius die Macht der Patrizier ein klein wenig einzudämmen.

Zur selben Zeit weitete Rom seinen Herrschaftsbereich weiter aus. Das Stadtzentrum war von dicken Mauern befriedet und Servius Tullius kümmerte sich fleissig darum, die Stadt mit Tempeln und anderen öffentlichen Bauwerken zu verschönern. Servius Tullius war aber ein abruptes Ende seiner Königszeit beschert, denn er wurde von seinem Schwiegersohn Tarquinius Superbus gewaltsam vom Thron gestürzt. So konnte Tarquinius der Stolze nun seine Schreckensherrschaft aufbauen. Sie sollte jedoch nach mehr als zwanzig Jahren durch einen Aufstand des Volkes gebrochen werden. Mit dem Sturz von Tarquinius Superbus wurde das Ende der etruskischen Herrschaft eingeläutet und gleichzeitig begann die Vormachtstellung der Patrizier in Rom.

Karte Europas

Anfangs war die Fläche, die die kleine Stadt Rom für sich beanspruchte noch klein. Doch sie wuchs stetig, bis zum größten Imperium, das die Welt bis dahin gesehen hatte.
(ca. 750-450 vor Chr.)

Zwar wurde die Vormachtstellung der etruskischen Könige gebrochen, nicht aber der Einfluss der etruskischen Kultur auf die Römer. Er hielt weiterhin an und es blieben auch zahlreiche etruskische Geschlechter in Rom sesshaft. Die einzige große Änderung die vorgenommen wurde war die Vertreibung des Königtums, an dessen Stelle die Republik kam. Die Regierung der Republik wurde jährlich von der Volksversammlung neu gewählt (Annuität). Wobei die Patrizier den entscheidenden Einfluss bei der Wahl der Kandidaten hatten.

Ständekämpfe in der jungen Republik

So hatte die junge Republik schon früh mit Problemen zu kämpfen. Die Patrizier wollten nun die Macht vollends an sich reißen, während die Plebejer, die die Unterstützung der Könige verloren hatten, auf neue Möglichkeiten sannen sich zu behaupten.

Diese Auseinandersetzung dauerte knapp zwei Jahrhunderte, vom Anfang der Republik bis ins Jahr 287 vor Chr. Am Ende konnten die Plebejer sagen, dass alles erreicht worden war, worum sie gekämpft hatten. Die dadurch entstandene Veränderung im privaten sowie im politischen System schwächte Rom nicht etwa, nein ganz im Gegenteil; die Kraft der Republik wurde verdoppelt. Die Verschmelzung der beiden Stände erwies sich als sehr nützlich im Kampf gegen die im Osten Roms gelegenen mächtigen Samniten.

Der Kampf zwischen Patriziern und Plebejern hatte seinen Ursprung in der damaligen Sozialstruktur. Neben den freien Bürgern, den Patriziern, gab es keine Freien mehr. Allmählich bildete sich eine Schicht heraus, die weder zu den Sklaven noch zu den Patriziern gehörte: Die Plebejer. Sie waren weder privatrechtlich den Patriziern gleichgestellt noch hatten sie irgendwelche politische Rechte. Die Plebejer hatten keine Chance sich irgendwie auf die Ebene eines Bürgers vorzukämpfen, denn sowohl die Einheirat als auch die Rechtsgeschäfte waren einem unterschichtigen Bewohner verwehrt. Und mit der wachsenden Expansion des angehenden Römischen Imperiums wuchs die Zahl der Plebejer stetig im Verhältnis zu den Patriziern. Der eigentliche Auslöser des Ständekampfes fand sich in der Tatsache, dass der Plebs selbstbewusster wurde. Dies konnte vor allem auf die militärische Umstrukturierung zurückgeführt werden.

Als der Einzelkampf der Schlachtordnung Platz machen musste, war es unvermeidbar, dass mehr Soldaten in die Armee berufen wurden. Als einzige Quelle die eine solche Armee füllen konnte machte man die Plebejer aus. Das Missverhältnis von Leistung für den Staat und politischer und privater Freizügigkeit vor Augen, brachte die Plebejer zum Aufwachen. Sie forderten mehr Mitspracherecht in militärischen Fragen, wie z. B. bei Kriegserklärungen und Friedensverträgen und Einfluss bei der Wahl der höchsten patrizischen Ämter. Doch wollte der Plebs keineswegs Kommandostellen und Beamtenposten besetzten; es ging lediglich um den Erwerb politischer Rechte und um die privatrechtliche Gleichstellung.

Die patrizische Übermacht versuchte die ersten Versuche der Plebejer, mehr Mitspracherecht zu erlangen, zu verhindern und die großen Familien schlossen sich enger zusammen, um dem Druck der Bevölkerung besser standzuhalten. So blieb dem Plebs nur noch der Ausweg in die Illegimität.

Um die Voraussetzungen für das Gelingen ihrer Forderungen zu schaffen, gründeten die Plebejer eine Organisation. Selbstverständlich musste diese Organisation gegen den Willen der Patrizier, und das heißt gegen den Staat, also auf revolutionärer Weise aufgebaut werden. Und dies taten die Plebejer auch. Sie gründeten die plebejische Volksversammlung, die concilium plebis. Innerhalb der concilium plebis wurden Beamte gewählt (tribuni plebis), die den Plebs vertreten sollten. Um den Einfluss der Geschlechter so gering wie möglich zu halten wurde die Versammlung nicht in Geschlechtsverbände eingeteilt, sondern in Amtsbezirke. Am Ende des fünften Jahrhunderts vor Chr. gab es zwanzig Volkstribunen; vier in der Stadt Rom und sechzehn auf dem Lande. Bald wurde die Volksversammlung der Plebejer zu einem Staat im Staate. Damit musste sie auch gegen jede Auflösung gesichert werden, denn ihr fehlte ja die staatliche Autorisation, sie war sogar gegen den Staat gerichtet. Was immer die Plebs taten, konnte von den Patriziern mit dem Verweis auf revolutionäre Aktionen beiseite geschoben werden. Die Patrizier konnten die Plebs auch problemlos anklagen. Somit musste die Versammlung geschützt werden. Um dies zu erreichen wurde sie als "religiöse Weihe" getarnt. Dadurch konnte die concilium plebis nicht mehr belangt werden. Denn nach dem bestehenden "heiligen Gesetz" wurden die Tribune dadurch in den heiligen Bann den Unverletzlichkeit gestellt. Jeder Angriff auf sie wäre ein Frevel an den Göttern gewesen. Durch diesen Trick konnte sich der Plebs wirksam gegen die Patrizier schützen.

Doch als revolutionäre Einrichtung konnte der Plebs keine eigenen Forderungen stellen, er konnte nur den Weg des passiven Widerstands wählen (vor allem die Verweigerung des Militärdienstes), um die Patrizier dazu zu zwingen dass sie auf ihre Forderungen eingehen würden. Natürlich konnten die Patrizier den Plebs nun wegen Gehorsamsverweigerung bestrafen. Um diese Gefahr in Grenzen zu halten mussten die Plebejer bereit sein, auch nackte Gewalt anzuwenden. In der Tat sah dies so aus: Alle Plebejer die von den Patriziern bestraft wurden wendeten sich an die Volkstribunen, um deren Hilfe zu erhalten. Wagte es darauf hin der Patrizier die heilige Person des Tribunen zu missachten, so musste er in Kauf nehmen dass der gesamte Plebs zur Verteidigung des Tribunen anrückte.

Sollte es ab und zu doch vorkommen, dass sich ein Patrizier gegen den gesamten Plebs stellte, so konnte er, gemäß des "heiligen Gesetzes", dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Er wurde der Gotteslästerung angeklagt. Meistens lautete der Schuldspruch auf Todesstrafe. Diese Vorgehensweise der Plebejer wurde auch Lynchjustiz genannt.

Wenn der Staat nicht an innerer Zwietracht zerbrechen wollte, musste man eine Konsens zwischen Patriziern und Plebejern finden. Und da die patrizischen Herrscher auf die Plebejer, die das gesamte Heer stellten, angewiesen waren mussten die Patrizier der entschlossenen Front der Plebejer nachgeben.

Zunächst erreichten die Plebejer die Teilnahme an der politischen Macht. Eine neue Volksversammlung wurde geschaffen, deren organisatorische Grundlage nicht mehr der Geschlechtsverband, die Kurie war, sondern eine militärische Einheit: die Zenturie. Diese neue Versammlung, die comitia centuriata war im Prinzip eine Heeresversammlung und entsprach damit dem höheren Anteil der Plebejer am Heeresdienst. Allerdings war sie keineswegs demokratisch; denn um so mehr Vermögen man sein Eigen nennen konnte, um so mehr Stimmrecht besaß man. Die Einteilung der Stimmberechtigten in sogenannte Vermögensklassen wurde von einem Zensoren (von censere - schätzen) durchgeführt. Selbstverständlich hatten somit immer noch die Patrizier eine geringfügige Mehrheit, aber war dies immer noch ein riesiger Fortschritt für die Plebejer. Sie hatten Einzug in die Volksversammlung erhalten.

Die Zenturienversammlung wurde die wichtigste Volksversammlung im Rom und sie ist es auch bis ans Ende der Republik geblieben. Allerdings wollte der Plebs die eigene Versammlung und die Tribune nicht aufgeben. Schließlich war der Kampf und das Misstrauen gegenüber den Patriziern zu groß gewesen, als dass man sich die Errungenschaften der "Revolution" einfach so aus der Hand reißen lassen wollte. Die Lynchjustiz wurde jedoch abgeschafft. Denn nun hatte der Plebs in der Volksversammlung ein entscheidendes Wörtchen mitzureden.

Ein anderes Zugeständnis der Patrizier gegenüber dem Plebs war die schriftliche Fixierung des geltenden Rechtes. Da das Recht zu dieser Zeit zum großen Teil aus Spruchrecht bestand war es sehr schwer, die gewundenen Formen der Rechtsprechung für jedermann zugänglich zu machen. Mit der schriftlichen Festsetzung des Rechts wurde somit ein gewaltiger Schritt nach vorne getan. Es kann als erstes monumentales Werk der Römer gehandelt werden. Die Aufgabe der Kodifizierung des Rechtes wurde 10 Männern (decemviri) anvertraut. Als Ergebnis der Decemvirn wurden die Zwölf Tafeln, die die gesamte damalige Rechtgebung schriftlich gefasst hatten, geschaffen. Die Wirkung der Zwölf Tafeln kann man nicht hoch genug einschätzen. Konnte doch nun jeder Bürger die geltenden Gesetzte nachlesen und sich frei seine Gedanken dazu machen.

In der Mitte des 5. Jahrhunderts vor Chr. gelang den Plebejern noch ein weiterer Erfolg. Das Eheverbot zwischen Patriziern und Plebejern wurde aufgehoben, was die Verschmelzung der beiden Stände möglich machte.

Sieg des Plebs

Allmählich begann die alte Unzufriedenheit der Plebejer wieder zurückzukehren. Was ihnen anfangs kaum für möglich erschien, das wollten sie nun erreichen. Der Plebs wollte in die Exekutive des Reiches eintreten; will meinen dass die Plebejer Beamtenposten übernehmen sollen. Diese grundlegende Änderung im Gedankensystem der Plebs war darauf zurückzuführen, dass sich durch die neuen Rechte die ihnen zugestanden worden sind, immer mehr reiche Plebejerfamilien bildeten und im gleichen Zug immer mehr Plebejer zu militärischem Ansehen gelangten; der patrizische Geschlechterstaat begann sich aufzulösen. Der Auslöser des erneut entfachten Ständekampfes konnte man im schweren Krieg, den Rom gegen das etruskische Veii führte ausmachen. Wieder einmal forderte der patrizische Staat alles von seinen Bewohnern und wieder nutzten dies die Plebejer aus.

Vor allem gelüstete es den Plebejern nach Machtstellungen in militärischen Kreisen, da sie die größte Belastung in der römischen Schlachtordnung trugen. Zuerst sollten die Bemühungen der Plebejer umsonst sein. Doch im Jahre 387 vor Chr. ereignete sich die Katastrophe. Der Keltensturm. Rom lag in Schutt und Asche und der römische Staat war ins Nichts gestürzt. Mit dem "Brande Roms" war letzten Endes auch das Schicksal des patrizischen Roms besiegelt. Der alte Ständekampf entbrannte aufs neue mit äußerster Heftigkeit. Volkstribune und die Volksversammlung der Plebejer übernahmen wieder ihre alte Funktion; wieder wurden Patrizier hingerichtet. Mit allen Mitteln versuchten die Volkstribunen den Staatsapparat lahm zu legen und sich dadurch den politischen Gegner gefügig zu machen. Bald musste die patrizische Führung das Militär benutzen um die Revolution ein klein wenig einzudämmen. Patrizier wie Plebejer landeten auf dem Schafott.

Schlussendlich sahen die Patrizier ein, dass sie auf kurz oder lang wiederum den Kürzeren ziehen mussten. Man schloss einen Kompromiss und kam überein in Zukunft drei höchste Beamte zu wählen, die alle drei oberste Feldherrengewalt erhalten sollten. Von diesen dreien durfte einer Plebejer sein. Bald darauf wurde das römische Heer in zwei Heere gespalten. Je eines dieser Heere wurde einem der gewählten höchsten Beamten, den consules (von consalire - zusammen springen) unterstellt. Der letzte hohe Beamte blieb in Rom. Er wurde jedoch bald überflüssig und die eigentlich Macht über Rom war unter den beiden Konsuln, die die Macht über das Militär inne hatten, aufgeteilt.

Nun hatten die Plebejer eigentlich alles erreicht was sie wollten. Sie konnten jegliches politische Amt und mit wenigen Ausnahmen jedes priesterliche Amt bekleiden; sie waren in allen Belangen den Patriziern gleichgestellt. Aber sie wollten nicht auf ihre Institution, die plebejische Volksversammlung mit ihren Volkstribunen verzichten. Jedoch wollten die Patrizier diese Organisation unbedingt abschaffen. Dies läutete den letzten Kampf zwischen Plebejern und Patriziern ein. Er sollte schnell beendet sein.

Ein letztes Mal demonstrierte der Plebs seine Macht und brachte die Patrizier zur Aufgabe. Um der Forderung des Erhalts der Volksversammlung Nachdruck zu verleihen, zog der gesamte Plebs mit Sack und Pack aus Rom ab und ließ sich auf dem "Heiligen Berg" (mons sacer) nieder. Diese Aktion verfehlte ihre Wirkung nicht. Schnell gaben die Patrizier nach und auch die letzte Sache, wofür die Plebejer gekämpft hatten war vollendet. Somit konnte der Ständekampf im Jahre 287 vor Chr. endgültig beendet werden.

Keinesfalls sollte aber nun der Gedanke einer starken Demokratisierung im jungen Rom aufkommen; wäre er doch nur eine Farce. Die bestimmende Gewalt im Staate waren immer noch die reichen Familien, die zwar jetzt nicht mehr nur aus Patriziern bestanden sondern auch als Plebejern, die aber trotzdem die Macht unter sich aufteilten. Eigentlich hat sich keine Umverteilung der Machtformen ereignet, jedoch eine Umschichtung der Machthabenden.

Home