Zeittafel

359 v. Chr.:

Die makedonische Heeresversammlung wählt Philipp zum König von Makedonien.

358 v. Chr.:

Philipp vereinigt die zerstritten makedonischen Fürstentümer.

357 – 355 v. Chr.:

Bundesgenossenkrieg zwischen Athen und dessen Verbündeten.

Auflösung des zweiten Attischen Seebundes (Bündnis gegen die Perser).

356 - 342 v. Chr.:

Heiliger Krieg gegen die Phoker. Trotz Rückschlägen geht Philipp als Sieger aus dem Krieg hervor (Sieg auf dem Krokussfeld, 352 v. Chr.), nachdem Athen den Phokern dank seiner geschickten Diplomatie die anfängliche Unterstützung versagt.

352 v. Chr.:

Eroberung Thessaliens (größte Region des antiken Griechenland; heute ist Thessalien die fruchtbarste Landschaft Griechenlands).

343 / 342 v. Chr.:

Eroberung Thrakiens (nordöstliche Küsten des Ägäischen Meeres).

340 v. Chr.:

Nach Philipps Vorstoß gegen Byzanz kommt es zum Hellenenbund gegen Philipp.

338 v. Chr.:

Schlacht von Chaironeia. In der einzigen offenen Feldschlacht gegen die Griechen besiegt Philipp die verbündeten Truppen Thebens und Athens. Die siegreiche Reiterei wird von Alexander geführt.

337 v. Chr.:

Korinthischer Bund aller Griechenstädte außer Sparta gegen die Perser. Der makedonische König wird als Hegemon und Bundesfeldherr anerkannt. Der Krieg gegen Persien wird beschlossen.

 

336 v. Chr.:

Erstes makedonisches Kontingent landet unter Parmenion in Kleinasien. Ermordung Philipps durch Pausanias.

 

 

 

Philipp II.

 

Alexanders Weg zur Größe begann zweifellos bei seinem Vater, der ihm die Ausgangsbasis für seine Eroberungen herstellte. Philipp II., Vater Alexanders, wurde 359 v. Chr. von der makedonischen Heeresversammlung zum König gewählt. Philipp war bestrebt, das uneinige Makedonien wieder zu einem Königreich zusammenzufügen und bezwang vereinzelte Regionalfürsten.

Seine Politik in den nächsten 20 Jahren war ein Netzwerk aus geschickter Diplomatie und dem Einsatz von Waffengewalt, welche er gezielt dazu einsetzte, um Makedonien zum führenden Staate Griechenlands zu machen. Seine Diplomatie war skrupellos und geschickt, er scheute nicht davor zurück ein gegebenes Versprechen zu brechen, falls es im hinderlich werden sollte. Sein Vorhaben wurde durch den Umstand erleichtert, dass Athen durch den Krieg mit den anderen griechischen Poleis, vornweg Sparta und Theben, geschwächt waren.

Seine Ausgangsbasis, Makedonien, war keine griechische Polis, sondern ein Flächenstaat im Norden des griechischen Festlandes, mit monarchischer Regierungsform. Die Hauptstadt Makedoniens, Pella, wurde im 4.Jh v.Chr. gegründet. Pella war eine hoch entwickelte Stadt, mit exzellentem Wasserversorgungssystem, und wurde das bedeutendste politische Wirtschafts- und Verwaltungszentrum des Reiches. Makedonien galt jedoch allgemein als primitiv.

 

Die Reformierung der Armee

Philipp begann mit der Neuorganisation seiner heruntergekommenen Armee.

Die Adelsreiterei, Hetairen genannt, stellte er in Ilen auf, und wurde zur Elitetruppe seines Heeres. Die Fußkämpfer organisierte er in Phalanxen als starre, disziplinierte Angriffstrupps, ausgerüstet mit langen Sarissen.

Städte, die Philipp belagerte, wurden nicht mehr ausgehungert, sondern durch Belagerungsmaschinen zerstört. In der einzigen offenen Feldschlacht gegen die großen Griechenstädte, die Schlacht von Charoneia 338 v. Chr., wandte er die neuartige "schiefe Schlachtordnung" an, welche auch Alexander zu seinen Siegen verhelfen sollte. Überhaupt profitierte Alexander sehr stark von den Reformen seines Vaters.

 

Das Goldfieber

358 v. Chr. konnte Philipp das nahe gelegene Paionien seinem Reich hinzufügen.

Dank der dortigen Goldgewinnung konnte er seine Kriegspolitik nun auch leichter finanzieren. Von 356 – 346 v. Chr. führte er einen wechselhaften "heiligen" Krieg gegen die Phoker. Philipp gewann den Krieg trotz anfänglicher Rückschläge, dank seiner Zähigkeit und seiner geschickten Diplomatie, die Athen und Sparta dazu brachte, den Phokern die Unterstützung zu versagen und ihm so den Sieg ermöglichte.

 

Der Aufstieg Makedoniens

Auch Demosthenes, Athens Rednergenie, konnte trotz seiner Opposition in der athenischen Volksversammlung Makedoniens Aufstieg nicht aufhalten. Auch seine gegen Philipp gerichteten Reden, die so genannten "Philippikas", verhallten meistens ungehört.

343/42 v. Chr. eroberte Philipp Thrakien und gewann Epeiros als Verbündeten.

Mit seinem Vorstoß nach Byzanz gaben die Griechenstädte endlich ihre abwartende Neutralität auf und zogen 340 v. Chr. im Hellenenbund gegen Philipp. Philipp siegte bei Chaironeia gegen die athenischen und thebanischen Truppen. Die siegreiche Reiterei wurde von Alexander und seinen Hetairen geführt.

Diese besiegten Griechenstädte mussten 337 v. Chr. der Bildung des Korinthischen Bundes zustimmen , der nur Sparta ausschloss, in dem Philipp den Vorsitz hatte. Die Bündnispartner erkannten den makedonischen König als Hegemon und Bundesfeldherrn an, und beschlossen als erstes Ziel des Bundes den Rachefeldzug gegen Persien. Philipp hatte sein Ziel erreicht, wurde aber kurz vor seinem Aufbruch zum persischen Kriegszug 336 von Pausanias ermordet. Den von ihm vorbereiteten Feldzug führte später sein Sohn Alexander aus.

 

Hypothesen zur Ermordung Philipps

 

Warum Pausanias, der Anführer der persönlichen Leibgarde des Königs, seinen Herrn bei der Heirat von dessen Tochter vor der versammelten Festgesellschaft erstach, ist im Dunkeln geblieben.

Pausanias hatte angeblich selbst ein Motiv, denn Jahre zuvor war er, von dem makedonischen Fürsten Attalos vergewaltigt worden. Dessen Nichte Eurydike war Philipps letzte Braut. Da Philipp den Fürsten Attalos für sehr wichtig hielt, verbot er seinem Gefolgsmann Pausanias die übliche Blutrache zu nehmen, woraufhin sich dieser vielleicht an seinen Herrn persönlich rächte.

Aber die Ermordung Philipps könnte auch in einem größeren Zusammenhang stehen. Es wäre ebenso möglich, dass Philipps Weib Olympias von Epeiros, der Mutter Alexanders, Pausanias zu dem Attentat anstiftete, denn sie hasste ihren Mann, der neben ihr noch mehrere Frauen im Zuge seiner Bündnispolitik ehelichte. Außerdem wollte sie ihren Sohn Alexander sicher auf dem makedonischen Thron sehen, wofür sie angeblich schon früh Alexanders älteren Halbbruder Arrhidaios vergiften ließ, der daraufhin schwachsinnig wurde. Das sie eines Mordes fähig war, bewies sie schnell, nachdem sie nach dem Tode ihres Mannes wieder von einer kurzzeitigen Flucht aus Makedonien zurückgekehrt war. Sie erschlug Eurydike, die letzte Frau Philipps, und ihre neugeborene Tochter mit eigenen Händen in den königlichen Gemächern.

 Aber auch die makedonische Oberschicht hatte wohl Grund zur Ermordung des Königs gehabt. Philipp hatte Makedonien innerhalb von zwanzig Jahren zu einer explosionsartigen Expansion verholfen. Doch anstatt das Gewonnene zu genießen, war er drauf und dran sich in einen erneuten Krieg gegen das persische Großreich zu werfen. Außerdem gab es wohl makedonische Adelige, die mit der Thronfolge Alexanders nicht einverstanden waren, denn schon Philipp war nur Halbmakedone, womit Alexander weit davon entfernt war ein "echter" Makedone zu sein.