römische Götter:

Janus
Juno
Hercules
Fortuna
Diana
Ceres
Castor
Pollux
Apollo
Aesculapius

Herkunft, Bedeutung und Formwandel der römischen Gottheiten

Die römischen Götter werden gerne mit den griechischen Göttern gleichgesetzt. Dies ist aber nicht haltbar, da die römischen Götter andere Wurzeln als die griechischen haben und weil, trotz aller Gleichsetzungen in der Zeit der späten Republik und der Kaiserzeit, die römischen Götter sich immer noch von ihren griechischen Pendants unterscheiden. An der Spitze des römischen Pantheons standen ursprünglich Jupiter, als oberster Gott, und Quirinus und Mars, die die alte Trias bildeten. Quirinus war hierbei eine andere Facette des Mars, sein Alter Ego. Diese alte Göttertrias wurde durch die neue Trias Jupiter, Juno und Minerva abgelöst. Die römischen Götter standen bis in die republikanische Zeit jeder für sich alleine, sie waren nicht miteinander verwandt und hatten keine Kinder. Im Laufe der Zeit wurden dann aber die griechischen Mythen auf die römischen Götter so gut es ging übertragen, sodass beispielsweise Juno Jupiters Gattin wurde.

Herkunft der römischen Götter

Anders als die schon vor 1200 v. Chr. schriftlich genannten griechischen Götter, wurden die römischen Götter erst ab dem 6. Jahrhundert in Inschriften erwähnt. Sie hatten ursprünglich wenig mit ihren griechischen Pendants gemeinsam, wurden aber in der Zeit der späten Republik und in der Kaiserzeit teilweise gräzisiert. Darüber hinaus wurden auch griechische Götter in das römische Pantheon übernommen (z. B. Apollo, Castor und Pollux etc.), sodass man sehr oft auf die Behauptung stößt, dass die römischen Götter im Prinzip die griechischen Olympier seien, nur unter anderen Namen. Nichts ist falscher als das. Die Unterschiede zwischen angeblich gleichen Gottheiten wie beispielsweise Poseidon (griechisch) und Neptun (römisch) sind gravierend, und weiterhin gibt es römische Götter und Göttinnen ganz ohne griechisches Pendant, wie beispielsweise Janus und die Lares (eingedeutscht: Laren).
Die ursprünglichen römischen Götter stammen hauptsächlich aus drei Kulturen: aus der Kultur der mediterranen Ureinwohner Italiens (z. B. Diana), aus der Kultur der um ca. 1000 v. Chr. eingewanderten indoeuropäischen Italiker (z. B. Jupiter) und aus der etruskischen Kultur (z. B. Volcanus). Die römischen Götter waren ursprünglich nicht miteinander verheiratet und hatten auch keine Kinder, sodass ein Stammbaum, wie er in der griechischen Mythologie durch Hesiod überliefert ist, nicht existiert. Erst in der Spätzeit wurde der griechische Stammbaum über die gräzisierten römischen Götter gestülpt. In der Frühzeit Roms existierten viele Gottheiten in einer männlichen und einer weiblichen Ausprägung, z. B. Liber und Libera, die Gottheit der Fruchtbarkeit. Im Folgenden werden die wichtigsten römischen Götter dem Alphabet nach vorgestellt.

 

Aesculapius

Nach einer verheerenden Pestepidemie holten sich die Römer eine heilige Schlange aus dem Heiligtum des griechischen Gottes der Heilkunst Asklepios in Epidauros (an der Ostküste der Peloponnes) und errichteten ihm auf der Tiberinsel einen Tempel, der 291 v. Chr. eingeweiht wurde. Gleichzeitig entstand auf dieser Insel ein Krankenhaus, das in veränderter Form heute noch existiert. Aesculapius ist ein rein griechischer Gott, der als Nothelfer nach Rom geholt worden war. Er wird als milder wohltätiger Gott beschrieben, bärtig und mit einem von zwei Schlangen umwundenen (Aeskulap-)Stab versehen.

Apollo

Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde Apollo aus der griechischen Mythologie (dort Apollon genannt) in die römische übernommen, wahrscheinlich als Schutzgott gegen die Pest. Apollo war der Gott der Lustration, der die Stadt von Seuchen und das Heer von der Blutschuld befreit, und der Gott der Sibyllen (weissagende Frauen). In republikanischer Zeit wurde er der Gott der Musen, der Theatergott. Ab 208 v. Chr. fanden die Ludi Apollinares (Spiele des Apollo) vom 6. bis zum 13. Juli statt, bei denen Dramen vor dem Apollotempel auf dem Marsfeld aufgeführt wurden. Apollo wurde als jugendlicher Gott dargestellt, manchmal mit einem Lorbeerkranz oder -stab, mit einer Lyra oder einer Kithara, einer Phiale (Opferschale), einem Greifen und bzw. oder mit einem Bogen.

Castores (Castor und Pollux)

Die Verehrung der Zwillinge Castor und Pollux wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. aus Griechenland (dort heißen sie Kastor und Polydeukes) übernommen. 484 v. Chr. wurde auf dem Forum Romanum der erste römische Castortempel eingeweiht. Die Castores, wie sie bei den Römern hießen, waren die Schutzgötter der Reiterei und der Flotte.

 

Ceres

Ceres ist eine der ältesten römischen Göttinnen. Der Name Ceres entstammt zwar dem Italischen, doch wurde er höchstwahrscheinlich einer längst existierenden alten matriarchalischen Göttin der mediterranen Urbevölkerung übergestülpt. Ceres ist die Göttin des Getreides und des geplanten Ackerbaus, beides Dinge, die schon im Neolithikum existierten. Wer Feldfrüchte nachts heimlich erntete (stahl), war der Rache der Göttin verfallen und wurde am nächsten Baum aufgehängt. Daneben wachte Ceres auch noch über die Rechte der Ehefrauen. Ab der frühen Königszeit gab es in Rom eine eigene Priesterschaft der Ceres, die flamen Cerialis. Das Fest der Ceres, die Cerialia, wurde am 19. April gefeiert. Der Tempel der Ceres wurde 493 v. Chr. auf dem Aventin eingeweiht. Dort wurden neben Ceres als Hauptgöttin auch noch Liber und Libera verehrt, die männliche und weibliche Verkörperung der Fruchtbarkeit. Das Fest des Liber, die Liberalia, fand am 17. März statt. Der Tempel dieser Göttertrias bildete das Zentrum des römischen Plebejerviertels und war das plebejische Pendant zum Jupitertempel der Patrizier auf dem Capitol. In späterer Zeit wurde die römische Ceres mit der griechischen Demeter gleichgesetzt und die Sagen über Demeter auf Ceres übertragen. Dadurch wurde aus der eigenständigen Libera die Proserpina, die der griechischen Persephone, der Tochter der Demeter, entspricht.

Diana

Diana ist wohl die älteste Gottheit Italiens. Sie leitet sich nicht von der griechischen Artemis her, doch besitzen beide Göttinnen gemeinsame Wurzeln aus der Zeit der höher entwickelten Jäger und Sammler (Mesolithikum). Sie ist die Göttin der Jagd und des Tötens der Tiere. In der Steinzeit waren das Jagen und Schlachten der Tiere streng ritualisiert. Der Jäger stand auf der gleichen Stufe wie das gejagte Tier, musste sich vor der Jagd reinigen, durfte das gejagte Tier nicht quälen und musste beim Schlachten bestimmte Regeln einhalten. Frevelhaftes Verhalten wird von Diana gerächt. Sie macht keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier oder zwischen Freien und Sklaven. Wie jeder/jede gute Jäger/Jägerin sorgt sie auch für den Nachwuchs des Wildes und ohne Unterschied auch für den Nachwuchs der Menschen (dea nutrix). Ein Hinweis auf die sehr alte Herkunft der Diana ist ihr ältestes Heiligtum in Italien: der Hain von Aricia. Dieser Hain war ein Asyl für flüchtige Sklaven, die cervi (Hirsche) genannt wurden (der Unterschied zwischen frei und unfrei war in der Steinzeit nicht bekannt). Der Hain durfte weiterhin von Pferden nicht betreten werden, wohl deswegen, weil der Kult älter als die Einführung der Pferdezucht in Italien war. Der Priester der Diana war einer der geflohenen Sklaven. Er musste seinen Vorgänger im Zweikampf töten, um selbst Hainkönig zu werden. Die Aufforderung zum Duell bestand im Abbrechen eines Astes im heiligen Hain. Hier lebten wohl am allerdeutlichsten uralte steinzeitliche Riten fort. Die römische Diana wurde auch gelegentlich mit Hekate, der Herrin der Gespenster, gleichgesetzt, ganz im Gegensatz zur griechischen Artemis, mit der sie frühzeitig in Verbindung gebracht wurde. Typische Attribute der Diana in der römischen Kunst sind ein Zackendiadem und eine kräftige Stoßlanze, die zur Wildschweinjagd benutzt wird (Saufeder), daneben finden sich auch noch Zweige, Hirsche und Schalen voller Früchte. Das Fest der Diana wurde am 13. August gefeiert.

 

Fortuna

Fortuna ist eine bodenständig römische Göttin, ursprünglich die Schützerin der Land- und Wasserwege, Herrin der Transporte und des schützenden Geleites. Das älteste Fortunaheiligtum steht an der Via Campana, der alten Handelsstraße, die an Rom vorbeiführt. Später wurde Fortuna dann allgemeiner die Göttin des Erfolges und des Glückes. Die Gleichsetzung mit der griechischen Tyche trifft ihren Charakter nicht, da Tyche eher die launige Göttin des Schicksals ist, während Fortuna für ein günstiges Geschick steht. Die Spätantike und das Mittelalter setzten Fortuna dann doch mit Tyche gleich, sodass sie ihren guten Ruf verlor. Die typischen Attribute der ursprünglichen römischen Fortuna sind ein Steuerruder und ein Füllhorn. In der römischen Kaiserzeit wurde Fortuna oft als geflügelte junge Frau dargestellt, die über einer Kugel schwebt.

Hercules

Der römische Hercules (auch: Herkules) war von Anfang an ein Gott und musste nicht wie sein griechisches Pendant Herakles durch mühevolle Arbeit und Apotheose seinen Platz unter den Göttern erobern. Vieles spricht dafür, dass der römische Gott Hercules phönizische Ursprünge hat. Bei den römischen Triumphzügen wurde eine Bronzestatue des Hercules mitgeführt, die angeblich noch aus der Zeit vor der Stadtgründung stammte. Diese wohl älteste Bronzestatue Roms wurde in einem Heiligtum am Forum Boarium (Rindermarkt) am Tiberufer aufbewahrt. An diesem wichtigen Verkehrsknotenpunkt opferten seit Urzeiten Händler für eine glückliche Fahrt. Zu diesen internationalen Händlern gehörten auch Phönizier, die ihrem Gott Melkart opferten. Aus diesem phönizischen Gott entwickelte sich ganz allmählich der römische Hercules. Hercules war ursprünglich der Schutzpatron des Handels, des Gewinnes und des Verkehrs. Die frühen Herkulesstatuen sind immer (nach orientalischer Sitte) bekleidet, nach den Punischen Kriegen unbekleidet. Nach den Siegen über das phönizische Karthago vergaßen die Römer anscheinend sehr schnell, woher ihr Gott Hercules ursprünglich stammte, und setzten ihn bereitwillig mit dem griechischen Herakles gleich. Er war nun der unermüdliche Kämpfer gegen alle Übel geworden. Das Fest des Hercules wurde in Rom am 12. August gefeiert. Die typischen Attribute des Hercules sind Keule, Löwenfell und Bogen.

 

Janus

Der doppelgesichtige Gott Janus ist vielleicht der römischste aller römischen Götter, weil es für ihn kein griechisches Pendant gibt. Eine der ältesten römischen Bronzestatuen (2,20 m hoch) aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stellt diesen Gott, der gleichzeitig nach vorne und nach hinten blickt, dar. Der Name Janus leitet sich von ianua (Tür) ab. Die typischen Attribute des Janus sind ein langes Szepter und ein Schlüssel. Janus ist also der Gott der Türen und Tore. Er bietet hinter einer verschließbaren Tür Schutz. Doppelköpfige Wächterfiguren sind auch aus Ägypten und Mesopotamien bekannt. Gleichzeitig war Janus auch der Gott des Anfangs und des Endes. Bei den Anrufungen der Götter wurde sein Name immer als erster genannt. Auch der erste Monat des Jahres trägt seinen Namen. Der Janusbogen in Rom geht angeblich auf den friedliebenden zweiten König Roms, den Nachfolger des Romulus, Numa Pompilius zurück. Der Bogen wurde geschlossen, wenn Rom in Frieden mit allen Nachbarn lebte. Nur unter der Herrschaft des Pompilius, nach dem ersten Punischen Krieg und unter der Herrschaft des Augustus war dies in der tausendjährigen Geschichte Roms der Fall.

Juno

Juno ist eine der alten Göttinnen, die schon vor Ankunft der Italiker verehrt wurden. Ihre ältesten Heiligtümer sind eine Höhle am Palatin (Lupercal), in der Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt worden sein sollen, und ein Hain an der Nordspitze des Esquilin, der von den Frauen der Stadt vor Entbindungen aufgesucht wurde. Beide Orte sind Hinweise auf einen sehr alten Kult, der schon lange vor der Ankunft der Italiker bestand hatte. Höhlenheiligtümer sind im ganzen Mittelmeerraum verbreitet und mit dem Kult einer Geburtsgöttin verbunden. Die Luperkalien sind ein altes Fruchtbarkeitsfest, das auch in diesen Zusammenhang eingereiht werden muss. Der Name Juno stammt aus einer anderen, wenn auch verwandten Quelle. Die phönizische Göttin Astarte (Göttin der Liebe, Fruchtbarkeit, des Krieges und als Stadtbeschützerin) war um ca. 500 v. Chr. in die Mythologie der Etrusker aufgenommen worden und bekam dort den Namen Uni. Aus der etruskischen Uni wurde dann die römische Juno. In die Gestalt der Juno floss auch noch eine andere urtümliche Göttin ein, die Göttin der (Ziegen-)Weiden und der Nutzbaumzucht. Frühe Junodarstellungen zeigen die Göttin mit einem Ziegenfell bekleidet. Die Hörner der Ziege machen aus Juno eine gehörnte Göttin. Diese alte Verkörperung der Juno als Lebenskraft der Jugend und nahezu als Liebesgöttin wurde im frühen Rom umgewandelt zu einer prüden Göttin der Ehe, Familie und Mutterschaft. Die Gleichsetzung mit der griechischen Hera machte sie dann auch noch zur Gattin des Jupiter, was sie in frührömischer Zeit ganz und gar nicht war. Als Juno Regina wurde sie im Tempel des Jupiter auf dem Capitol mitverehrt (Trias Jupiter, Juno, Minerva), als Juno Pronuba war sie Schutzherrin der Ehe und als Juno Moneta war sie die Göttin der Ratschläge, Erinnerungen und Mahnungen. In deren Tempel wurde seit dem 3.

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