Shakespeare
Wer war eigentlich Shakespeare?
Entsinnst du dich
Der kleinsten Torheit nicht,
In welche dich
Die Liebe je gestürzt,
So hast du nicht geliebt.
Heißes Blut erzeugt
Heiße Gedanken,
Und heiße Gedanken
Erzeugen heiße Werke,
Und heiße Werke
Sind Liebe.
Ein
Rasen dien als Kissen
Für uns zwei:
Ein Herz, ein Bett, zwei Busen,
Eine Treu.
Ich
meinte nur,
Mein Herz sei Eurem so verbunden,
Dass nur EIN Herz
In beiden wird gefunden.
Denn
Euer Bruder und meine Schwester
Trafen sich nicht so bald,
So sahen sie; sahen nicht so bald, so liebten sie;
Liebten nicht so bald, so seufzten sie;
Seufzten nicht so bald,
So fragten sie einander nach dem Grund,
Wussten nicht so bald den Grund,
So suchten sie das Heilmittel.
Nun
denn, wofür sind Reize wohl zu achten,
Die einen Himmel mir zur Hölle machten?
Begierd' und Furcht wahnsinnig schütteln ihn,
Süß schmeichelt jene, diese droht mit Harm
Und warnt ihn redlich - aber süß und warm
Lockt Wollust; und die Furcht,
Die lang sich sträubt,
Weicht endlich, von der Wollust hirnbetäubt.
Das
ist das Ungeheure in der Liebe,
Meine Teure, dass der Wille unendlich ist
Und die Ausführung beschränkt;
Dass das Verlangen grenzenlos ist
Und die Tat ein Sklave der Beschränkung.
So
grenzenlos ist meine Huld, die Liebe
So tief ja wie das Meer. Je mehr ich gebe,
Je mehr auch hab ich:
Beides ist unendlich.
Wir
treuen Liebenden
Kommen oft auf seltsame Sprünge:
Wie alles von Natur sterblich ist,
So sind alle sterblich Verliebten
Von Natur Narren.
Auf
solche Zeit gerüstet schütz ich mich
Vor Alters Mordstahl und Vertilgersünde,
Dass, wenn des Lieblings Leben auch verblich,
In diesen schwarzen Zeilen lebt sein Licht;
Er grünt in ihnen, denn sie sterben nicht.
Freundschaft hält stand in allen anderen Dingen,
Nur in der Liebe Dienst und Werbung nicht.
Drum brauch ein Liebender die eigene Zunge,
Es rede jeglich Auge für sich selbst,
Und keiner trau dem Anwalt.
Lass
mich von keinen Hindernissen hören,
Die treuer Seelen Ehebund bedräu'n!
Lieb' ist nicht Liebe, wenn sie Störer stören,
Wenn sie Zerstreuung irrend kann zersträu'n.
O nein! sie ist ein ewig sichres Ziel,
Thront unerschüttert über Sturmeswogen;
Ein Angelstern für jeden irren Kiel;
Kein Höhenmaß hat seinen Wert erwogen.
Lieb' ist kein Narr der Zeit, ob Rosenwangen
Auch ihrer Sichel krumme Schneid' umspannt:
In enger Stunden Lauf uneingefangen
Beharrt sie bis an Weltgerichtes Rand.
Wenn dies als Wahn, als Lüge sich ergibt,
So schrieb ich nie, so hat kein Mensch geliebt.
Ich
liebe euch mit so viel
Von meinem Herzen,
Dass nichts mehr übrig bleibt,
es Euch dabei zu beteuern.
O
Liebe, mäß'ge dich in deiner Seligkeit!
Halt ein, lass deine Freuden sanfter regnen;
Zu stark fühl ich, du musst mich minder segnen,
Damit ich nicht vergeh.