Gedichte und Anderes

 

Ich liebe mir den heitern Mann
am meisten unter meinen Gästen;
wer sich nicht selbst zum besten haben kann,
der ist gewiss nicht von den Besten.

 

 

 


Gott sei Dank!
Ich kann es gar nicht fassen,
ist sie krank?
Was will sie plötzlich wandern?
Und wohin?
Vielleicht hat sie ein' andern.
Na, das ist Pech für ihn!
Mein Weib will mich verlassen.
Hoffentlich!
Ich könnt vor Neid erblassen
über mich.
Ich lieb sie auch so innig
seit der Zeit
und frag mich nur, verdien ich wirklich diese große Freud?


und ich bin allein.
Ich schau zur Tür hinein.
Ach nein, sie packt noch ein.
Was packt sie denn, was packt sie denn,
was nimmt sie mir da fort?
Zu was braucht sie das ganze Silber?
Doch ich sag kein Wort.
Denn wenn ich sie was fragen würde,
no, das wäre doch blöd.
Dann hält sie mir a Red,
vergisst noch, dass sie geht.
Drum soll sie alles packen,
und dann packt sie sich am End.
Und wenn sie's ganze Silber nimmt,
dann eß ich mit die Händ.


Wunderbar!
Und kommt ihr was dazwischen,
Gott bewahr,
dann helf ich ihr noch packen,
sehr galant,
weil sie sonst den Zug versäumt.
Nö, die wär das imstand.
Mein Leben ist voller Freuden,
wie noch nie.
Ich tu, als tät ich leiden.
Das freut sie.
Sie geht zu ihrer Mutter.
das freut die.
Zum ersten Mal herrscht wirkliche
Familienharmonie.
Jetzt schreibt sie noch ein' Abschiedsbrief,
um mir zu imponieren?
Ich könnt ihn ihr diktieren.
Sie schaut, was sie vergessen hat.
Vielleicht will sie schon gehn
und sieht die goldne Wanduhr nicht.
Sie hat sie schon gesehn.


Gott, wie blöd!
Mein Weib will mich verlassen,
gar ka Red!
Das ganze war ein Traum nur,
wie ich seh.
Ich bin hier draußen eingenickt;
im Traum hab ich sie fort geschickt,
sie hat kein' Koffer eingepackt,
die goldne Wanduhr tickt im Takt,
sie steigt auch in kein' Zug hinein,
das ganze hat nicht sollen sein.
Jetzt kommt sie noch zur Tür herein-
oi weh, oi weh, oi weh!

Georg Kreisler

 

 

 


weil ich dich vergessen muss.
Gestern war ich reich.
Wie gewonnen, so verloren.
Armer Kus, zu früh geboren.
Eine schöne Leich'.

Jo Schulz

 

 

 


wobei die Welt erstaunen wird.
Dass alle Ehen Zwietracht bringen,
glaubt jeder, aber jeder irrt.


still, wie die stillste Sommernacht.
O! dass sie keiner möge sehen,
der mich zum frechen Lügner macht!


und der Gemahl kein Heiliger;
es hatte jedes seine Mängel.
Denn niemand ist von allen leer.


wie diese Wunder möglich sind,
der lasse sich zur Antwort sagen:
Der Mann war taub, die Frau war blind.

Gothold Ephraim Lessing

 

 

 


zwei von der ersten frau
zwei von der zweiten frau
und eins
ein ganz kleines
von mir selber

Ernst Jandl

 

 

 


sind der beste Schmuck
für jeden Hals.
Und wärmer als ein Kragen
sind sie ebenfalls.


wenn man sich in Liebe paart,
ist nicht aus zu denken.
Ist zumeist bei diesem Spiel
auch das knappste Hemd zu viel,
kann man es verschenken.

Heinz Kahlau

 

 

 


das Schönste im Leben?"
So fragte sie zart,
und er sprach:
"Das Schönste im Leben, Geliebte,
ist die Zigarette danach..."

Rudi Strahl

 

 

 


Ihr Kleid ist leicht verrutscht;
Sie hebt den Arm, man sieht ihre Achsel,
Und legt die Hand an ihren Busen.
Ich weiß, sie denkt an nichts Schlechtes.
Nein, ich auch nicht, aber...
So geht's doch nicht!
So legt man sich doch nicht hin!

Orhan Veli Kanik

 

 

 


lediglich am Geschlecht von den Männern.

Stanislaw Jercy Lee

 

 

 


Als der Täufling frisch gewickelt wird, tritt sie näher zu, schaut durch ihr
Lorgnon und brummt:
"Ah - ein Knäblein... wenn mich meine Erinnerung nicht trügt."

Gerda Böttcher

 

 

 


Wenn ihr schlafen gehen müsst?
Und sie angeblich noch Briefe schreiben.


Geraucht, getanzt, gesoffen, gefressen,
Da schleichen verdächtige Gäste herbei.
Da wird jede Stufe der Unzucht durch messen
Bis zur Papagei-Sodomiterei.
Da wird hasardiert um unsagbare Summen.
Da dampft es von Opium und Kokain.
Da wird gepaart, dass die Schädel brummen.
Ach schweigen wir lieber. - Pfui Spinne,
Berlin!

Joachim Ringelnatz

 

 

 


Es war einmal ein Mann
Der fing das Trinken an
Mit achtzehn Jahren, und -
Daran ging er zugrund.
Er starb mit achtzig Jahr
Woran, ist sonnenklar.


Es war einmal ein Kind
Das starb viel zu geschwind
Mit einem Jahre, und -
Daran ging es zugrund.
Nie trank es: das ist klar
Und starb mit einem Jahr.


Daraus erkennt ihr wohl
Wie harmlos Alkohol...

Bertolt Brecht

 

 

 


du bist schlecht,
er, sie es ist schlecht.
Wir sind schlecht,
ihr seid schlecht,
sie sind schlecht.
Mir ist schlecht.

Bob Strahl

 

 

 


die Dornenkrone.

 

 


im Datum des Weltuntergangs.

 


für den sie nicht zu kaufen waren.

 


Aber sie essen länger.

 


man wollte dich daran hängen.

 


keinen Platz mehr gab für Gefühle.

 


Er benutzte es nie.

 


Zeitung versperren.

Stanislaw Jercy Lee

 

 

 


und denk mir nichts dabei.
Ich bin ein Mensch
und kenn die Litanei
von menschlicher Vollkommenheit
und Seelengröße.
Ich kenn aber auch
Kompott und Klöße.

Heinz Kahlau

 

 

 


wie man oft gemunkelt hatte,
treffen sich an Donnerstagen
im Archiv von Buchenhagen.
Zwischen Büchern und Papier
rascheln sie bis früh um vier.
Das Ergebnis: "Außer Lesen",
schwört der Wurm, " ist nichts gewesen!"

Hansgeorg Stengel



 

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